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  • Ralf Krämer (1)

65 Beiträge seit 01.11.2020

Re: Inflation überbewertet, Zinserhöhungen ungeeignet, reale Probleme sind ander

Arutha schrieb am 26.12.2021 12:08:

Die aktuelle Inflation ist im wesentlichen durch Sonderfaktoren bedingt, die durch die Pandemie und die Engpässe im Wiederaufschwung nach dem Pandemiehöhepunkt (der dadurch wiederum gedämpft wird) zu erklären sind.

aja... und die Erhöhung der Geldmenge hat natürlich keinen Einfluss, oder? Geld wird ja nicht mehr gedruckt, sondern am PC erschaffen...

In der Tat ist die pure Entwicklung der Geldmenge nicht die entscheidende Frage für die Inflationsentwicklung. Es kommt darauf an, wofür das Geld verwendet wird, also ob das zu übermäßiger Nachfrage führt, und auf die Entwicklung von Kosten, die in die Preise eingehen. Zudem wäre ja mal zu klären, welche Geldmenge gemeint sein soll. Die Zentralbank hat die Zentralbankgeldmenge erhöht, das betrifft zunächst nur die Banken, wichtiger für die Wirtschaftsentwicklung wäre eher M3, die ist aber viel weniger gestiegen und v.a. in 2020 bei sehr geringer Inflation und nicht 2021. Für Leute die Fakten interessieren: https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte/monatsbericht-november-2021-879636

ie Inflation beträgt 2021 insgesamt 3,1% und gleicht damit teils nur die besonders niedrige von 0,5% in 2020 aus. 2022 wird sie voraussichtlich wieder unter 3% sinken, 2023 noch weiter. Wobei zutreffend ist, dass Menschen mit niedrigen Einkommen überproportional betroffen sind von den gestiegenen Energiepreisen und Lebensmittelpreisen.

dann sollen die Menschen halt Immobilien, Aktien, Antiquitäten oder Finanzprodukte kaufen... ach Mist, die sind ja noch viel höher gestiegen.... werden halt nur nicht einberechnet...Warum eigentlich nicht? Ach, dann wär die Inflationsrate bei 30%?

Die Entwicklung der Preise für Vermögensgüter ist in der Tat schon seit etlichen Jahren ein Problem und das hat anders als die aktuelle Inflationserhöhung auch tatsächlich etwas mit der Geldpolitik und den Nullzinsen zu tun. Das war aber hier nicht das Thema, sondern die Verbraucherpreisinflation, die davon direkt nur durch die steigenden Mieten tangiert wird. Wir kämen hier aber der realen Probematik näher: Es profitieren von der Geldpolitik Reiche und Unternehmen, die in solche Vermögensgüter investiert haben, die massiv im Preis gestiegen sind, und für Normalverdiener wird es schwieriger sich Wohneigentum anzuschaffen, wobei auf der anderen Seite die extrem niedrigen Zinsen das wiederum erleichtern. Andererseits muss man gegenrechnen, welche positiven Effekte die Geldpolitik hat, indem sie die Möglichkeiten der Staaten und der Unternehmen erleichtert, Kredite aufzunehmen und damit nötige Ausgaben zu finanzieren. Der Anstieg der Staatsverschuldung in der Krise ist sehr sinnvoll und nötig und keineswegs ein Problem, schon gar nicht für Deutschland mit im internationalen Vergleich niedriger Verschuldung. Ein großes Problem wäre entstanden und die Wirtschaft und die Menschen wären viel weniger glimpflich durch die Krisen gekommen, Pleiten und Arbeitslosigkeit wären viel höher gewesen, wenn die Kreditaufnahme unterblieben wäre. Ein Problem ist im Gegenteil die Schuldenbremse. Und ein Problem ist, dass aufgrund der politischen Kräfteverhältnisse die noch bessere Alternative nicht realisiert wird: Finanzierung der notwendigen Ausgaben durch höhere Besteuerung der sehr großen Vermögen oberhalb ein oder mehrerer Mio. Euro (netto, nach Abzug von Schulden), der superreichen Unternehmenserben (die bisher durch Sonderregelungen von der Erbschaftsteuer verschont werden) und sehr hoher Einkommen (so ab etwa 100.000 Euro im Jahr brutto).

Ich erklär dir mal, warum es aktuell keine Lohnerhöhungen gibt.
Lohnerhöhungen würden in der jetzigen Situation sofort zur Hyperinflation führen. die Gewerkschaften könnten richtig fordern, müssten sie auch, wenn ihnen die Angst vor der Hyperinflation nicht viel wichtiger wäre, wie das Wohl ihrer Klientel.

Ich rede von Lohnerhöhungen von effektiv drei oder vier Prozent für 12 Monate, die nötig wären, das hat mit Hyperinflation überhaupt gar nichts zu tun. Und wer keine Ahnung, soll nicht anderen etwas "erklären" wollen: Leider werden Lohnerhöhungen nicht dadurch höher, dass Gewerkschaften mehr fordern, sie fordern regelmäßig fünf oder sechs Prozent pro Jahr, sondern nur wenn sie es auch durchsetzen können, und das ist eine Frage der Kräfterverhältnisse im Kampf (die Arbeitgeber müssen nämlich zur Zustimmung bewegt werden), die von diversen Bedingungen abhängen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (26.12.2021 19:24).

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