Das folgende Zitat stammt aus dem Vorwort zum Buch des "umstrittenen" Wolfgang Wodarg, das der "Rubikon" gestern (teilweise) in einem Artikel veröffentlichte.Es passt hervorragend zu diesem Tp-Artikel bzw. in die Diskussion hier.
Obwohl bzw.da (auch) ich neulich den "Rubikon" in tp-Kommentaren etwas kritisiert habe, frage ich mich, weshalb ich Wodargs Texte online fast nur dort oder in Portalen ähnlicher Ausrichtung zu lesen bekomme.
Im gestrigen Rubikon- Artikel (bzw in seinem Buch) schreibt Wodarg also das Folgende:
Vom Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann stammt die Erkenntnis, dass Spezialisten von der Gesellschaft den Auftrag haben, ihre ganze Aufmerksamkeit und Kraft ihrem Spezialgebiet zu widmen, es vorrangig und unbeirrbar als das Wichtigste zu betrachten.
Da ist es also ganz normal, dass sie in ihrer eigenen Realität leben. Sie entwickeln dafür sogar eine eigene Sprache, eigene spezielle Codes und eigene in ihrem Fach anerkannte Methoden. Das gilt übrigens für alle Spezialisten, wenn diese die ihnen anvertraute Aufgabe als primäres Interesse verfolgen.
Als ein Journalist den berühmten Physiker Heinz von Foerster in einem Interview zu seinem 90. Geburtstag (8) aus seinen erkenntnistheoretischen Betrachtungen auf den Boden der Realität zurückholen wollte, fragte dieser ernsthaft irritiert: „Von welcher Realität sprechen Sie, junger Mann?“
Von Foerster erinnerte uns daran, dass je nach Blickwinkel, nach den verwendeten Instrumenten und genutzten Sprachen oder Grundannahmen sich für die vielen Beobachter eine jeweils andere Sicht auf ihre Realität ergibt — auch in der Wissenschaft.
Die Selbstüberschätzung von Spezialisten erscheint mir unausweichlich. Hebt sich doch ihr Fachwissen aus dem Kenntnisstand der Masse heraus. Dennoch spricht vieles dafür, sich nicht allein auf Virologen oder die Sichtweise einer speziellen Wissenschaft zu verlassen. Sonst kann es sein, dass man selbst der Idiot ist, der gesamtgesellschaftlich relevante Sachverhalte ign
oriert.