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  • Artur_B

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Versuch, das Chaos zu entwirren

Los ging es damit, dass die österreichische ÖVP eine "Wasserstoffstrategie" veröffentlichte und diese derzeit umsetzt. Diese ist durchaus fortschrittlich, aber nicht final durchdacht. Die konservativen Parteien in ganz Europa stürzten sich auf das Papier und übernahmen seinen Inhalt, offenbar ohne es zu verstehen. Verstanden wurde, dass man ab sofort dauernd "Wasserstoff" sagen muss, um gewählt zu werden.

Das kam auch in Russland an und man machte sich Gedanken, wie man diesen seltsamen Westlern W. liefern könnte. Nicht sehr durchdacht, wie man sieht. Ja, was soll das? Die Hälfte aller Haushalte werden bei uns mit Erdgas betrieben (was begrüßenswert ist). Die Heizungen erwarten den wirksamen Bestandteil des Erdgases, das Methan. Was passiert, wenn da plötzlich Wasserstoff kommt? Ein Kubikmeter Wasserstoff hat bei gleichem Druck nur ein Drittel des Energiegehalts von Methan, dafür ist seine Verbrennungstemperatur höher. Also wenn dann plötzlich Millionen von Gasheizungen kaputt sind: ich habe gewarnt.

Wieviel Wassertoff verträgt das deutsche Gasnetz? Ich ging dabei immer von 12 Prozent aus. Der wissenschaftliche Dienst hat dies jetzt korrigiert, es ist jetzt nur noch im unteren einstelligen Bereich. Auch deswegen können keine großen Wasserstoffmengen aus Russland kommen.

Was wäre denn sinnvoll? Russland hat das, was wir nicht haben: fast unbegrenzt große Flächen, auf die man Windräder stellen kann. Die könnten dann Wasserstoff produzieren und das kann in einer exothermen Reaktion in Methan verwandelt werden. Das schickt man dann per Pipeline nach Deutschland, wo die Leute dann klimaneutral heizen.

So könnte russisches Gas zum Rückgrad der Energiewende werden. Das sollte man sich sehr genau überlegen, ob man das ablehnt. Der grüne Vorschlag jedenfalls, neben dem Kohle- und Atomausstieg nun auch noch (aus ideologischen Gründen) auf Gas zu verzichten, muss scheitern.

Das fährt die Energiewende an die Wand. Dann kommt die AfD und sagt: wir wussten es doch. Einen zweiten Anlauf gibt es dann vielleicht nicht mehr.

Gruß Artur

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  • Avatar von Melbar Kasom
    • Melbar Kasom

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    Antwort auf Versuch, das Chaos zu entwirren von Artur_B.

    Was die meisten leider nicht verstehen (und da muss man leider dem Altmaier wohl größeren Sachverstand eine sachlich korrektere Position attestieren als allen Grünen zusammen) ist, dass die "Energiewende" kein technisches Problem ist, sondern ein ökonomisches.

    Energiekosten sind für die Wirtschaft zuallererst "Kosten". Die Befreiung der (energieintensiven) Unternehmen von der EEG- und Netzumlage ist daher zwar aus ökologischer Sicht vollkommen widersinnig, aus ökonomischer Sicht aber verständlich.
    Die Bundesregierung muss schließlich ihr Überlebenskonzept - beggar you neighbour - weiter verfolgen, weil daran das Überleben nicht nur der CDU, sondern des gesamten politischen Systems des Adenauer-Staates hängt.

    Zentral für die erfolgreiche Weiterführung dieser Politik ist aber die Aufrechterhaltung des Standorts als Billiglohn- und Billigkosten-Standort. Das funktioniert nicht, wenn die Lebenshaltungskosten weiter so explodieren wie in den letzten Jahren. Und hier hast du allen Ecken und Enden weitere Explosionen im Raum stehen: bei den Energiekosten ist der Fahrplan bereits festgelegt und das soll noch beschleunigt werden, bei den Lebensmitteln sind neue "Abgaben" geplant und über die Mieten brauchen wir schon gar nicht zu reden.

    Das erklärt dann auch den Unwillen, mit der die Merkel-Koalition von NS2 und guten Wirtschaftsbeziehungen mit China (das ist das zweite wichtige Standbein der deutschen Wirtschaftspolitik) nicht ablassen will. Das wird i.Ü. über kurz oder lang zu Ärger mit den Amerikanern führen, die ja offensichtlich gewillt sind, erneut einen kalten Krieg anzuzetteln. Im Gegensatz zu 1949 ist aber die ökonomische Position des Westens im Allgemeinen und der USA im speziellen bei weitem schwächer, so dass die ökonomischen Kosten der Konfrontationspolitik auch deutlicher zu merken sein werden.

    Was NS2 betrifft: Es geht am Ende darum, zur Beförderung eines "regime change" die Deviseneinnahmen Russlands zu beschränken und gleichzeitig den Rammbock Ukraine am Laufen zu halten. Deshalb würde auch die "ökologische Alternative Wasserstoff" abgelehnt.

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  • Avatar von KarierterHut
    • KarierterHut

    mehr als 1000 Beiträge seit 15.07.2009

    Antwort auf Versuch, das Chaos zu entwirren von Artur_B.

    Artur_B schrieb am 06.05.2021 07:53:

    Was passiert, wenn da plötzlich Wasserstoff kommt?

    Ich gehe mal davon aus dass dieses Gas nicht in die normalen Erdgasleitungen eingespeist wird und direkt zum privaten Endverbraucher gelangt. Ich vermute mal es wird direkt an Industriekunden weiter geleitet die auf den H2-Anteil vorbereitet sind.

    Was wäre denn sinnvoll? Russland hat das, was wir nicht haben: fast unbegrenzt große Flächen, auf die man Windräder stellen kann.

    Das wäre eine Idee. Da müsste man Russland aber auch die Gewissheit geben dass sich diese Investition langfristig lohnt. Soll heißen man muss die langfristige Abnahme zusichern. Was bedeuten würde dass unsere Energieversorgung über Jahrzehnte auf russischem Gas beruhen würde.
    Und zur Absicherung sollte man vielleicht auch noch mittels PV H2 in den nordafrikansichen Staaten produzieren. Dadurch könnten die einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben und ihre Bevölkerung bei sich behalten.

    Der grüne Vorschlag jedenfalls, neben dem Kohle- und Atomausstieg nun auch noch (aus ideologischen Gründen) auf Gas zu verzichten, muss scheitern.

    Da stimmen wir überein.

    Das fährt die Energiewende an die Wand.

    Das ist sie schon. Die H2-Strategie sehe ich als Versuch, die Karre einen Meter zurückzusetzen und zu prüfen, ob sie vielleicht doch noch fahrfähig ist.

    Dann kommt die AfD und sagt: wir wussten es doch. Einen zweiten Anlauf gibt es dann vielleicht nicht mehr.

    Wenn die Energiewende wirklich vor die Wand fährt dann fährt auch die deutsche Industrie vor die Wand. Dann hat sich der zweite Veruch ohnehin erledigt.

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    • MusikusDerZweite

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    Antwort auf Re: Versuch, das Chaos zu entwirren von Melbar Kasom.

    Melbar Kasom schrieb am 06.05.2021 08:30:

    Was die meisten leider nicht verstehen (und da muss man leider dem Altmaier wohl größeren Sachverstand eine sachlich korrektere Position attestieren als allen Grünen zusammen) ist, dass die "Energiewende" kein technisches Problem ist, sondern ein ökonomisches. ...

    Das stimmt nicht. Die Energiewende wurde ganz bewusst an die Wand gefahren. Man hat locker 100 000 zukunftsfähige Arbeitsplätze in einem Hochtechnologiebereich vernichtet, zugunsten der Kohlelobby. Die Asiaten bedanken sich, siehe hier:

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=55851

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    • Arutha

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    Antwort auf Re: Versuch, das Chaos zu entwirren von MusikusDerZweite.

    Nein.
    Die Energiewende war schlecht geplant, bzw überhaupt nicht durchdacht. Ein paar Jahre hat sie trotzdem irgendwie funktioniert und gute Gewinne abgeworfen.
    Dann müsste die Notbremse gezogen werden..
    Ich bin überhaupt nicht gegen eine Energiewende...aber beim nächsten Ansatz bitte sozial gerecht, technisch durchdacht, und solide finanziert.
    Und wir müssen Kernkraft neu durchdenken.

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    • MusikusDerZweite

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    Antwort auf Re: Versuch, das Chaos zu entwirren von Arutha.

    Arutha schrieb am 06.05.2021 12:39:

    Nein.
    Die Energiewende war schlecht geplant, bzw überhaupt nicht durchdacht. Ein paar Jahre hat sie trotzdem irgendwie funktioniert und gute Gewinne abgeworfen.
    Dann müsste die Notbremse gezogen werden..
    Ich bin überhaupt nicht gegen eine Energiewende...aber beim nächsten Ansatz bitte sozial gerecht, technisch durchdacht, und solide finanziert.
    Und wir müssen Kernkraft neu durchdenken.

    Das EEG wurde von dieser Regierung verhunzt. Hast du den Link überhaupt gelesen? Offensichtlich nicht, denn du gehst in keiner Weise auf meine und die dortige Argumentation ein. Sowas empfinde ich als grob unhöflich.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (06.05.2021 12:53).

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    • Freier_Waehler

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    Antwort auf Versuch, das Chaos zu entwirren von Artur_B.

    Artur_B schrieb am 06.05.2021 07:53:

    Verstanden wurde, dass man ab sofort dauernd "Wasserstoff" sagen muss, um gewählt zu werden.

    Klingt plausibel.

    Was passiert, wenn da plötzlich Wasserstoff kommt?

    Da es technisch gesehen kein Problem darstellt, Methan und Wasserstoff voneinander zu trennen, nehme ich mal an, dass das bereits an der Endstrecke der Pipeline geschieht.

    Grüße,
    Ein Freier Wähler

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    • Arutha

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.04.2015

    Antwort auf Re: Versuch, das Chaos zu entwirren von MusikusDerZweite.

    Naja. Sorry. Aber ich habe schon so viel über das Thema gelesen, und auch viele Jahre in dem Sektor gearbeitet. Ich wurde sehr schnell deilosioniert .
    Schon viele Jahre vor dem Stop war abzusehen das das ganze ohne Sinn und Verstand läuft, und irgendwann nur noch den Renditen diente.
    Aktuell arbeite ich in der Netztechnik...freue mich über den riesen Auftragsboom bei einer grünen Regierungen, weiß aber auch das wieder alles verhunzt wird.

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    • MusikusDerZweite

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.05.2014

    Antwort auf Re: Versuch, das Chaos zu entwirren von Arutha.

    Arutha schrieb am 06.05.2021 13:09:

    Naja. Sorry. Aber ich habe schon so viel über das Thema gelesen, und auch viele Jahre in dem Sektor gearbeitet. Ich wurde sehr schnell deilosioniert .
    Schon viele Jahre vor dem Stop war abzusehen das das ganze ohne Sinn und Verstand läuft, und irgendwann nur noch den Renditen diente.
    Aktuell arbeite ich in der Netztechnik...freue mich über den riesen Auftragsboom bei einer grünen Regierungen, weiß aber auch das wieder alles verhunzt wird.

    Ach, tatsächlich? Was hat das mit der Argumentation hier zu tun? Was hast du dazu gelesen? Offensichtlich nichts als Lobbyistengeschwätz wie z.B. das von der INSM. Informiere dich mal richtig zum Thema, aber das lehnst du ja offensichtlich ab. Wenn du also dumm bleiben willst, dein Problem. Aber belästige nicht mich damit.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (06.05.2021 14:08).

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  • Avatar von c.renée
    • c.renée

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    Antwort auf Re: Versuch, das Chaos zu entwirren von MusikusDerZweite.

    Danke für die Info, kriegt man ja sonst nicht mit.

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