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  • SigismundRuestig

mehr als 1000 Beiträge seit 30.08.2014

Besonnenheit sollte Trumpf sein!







Waffeneuphorie versus Friedenseuphorie! Berechtigte Ängste im Hinblick auf eine Ausdehnung des Krieges versus jegliche Risiken ausblendende Eskalation! Der Agressor ist an allem schuld versus auch andere trugen bzw. tragen zur Entstehung und zur Fortführung des Krieges bei. Was ist wohl besser? Die vielen politischen Talkshows zu diesen Themen à la Lanz als auch die sonstige Medienlandschaft befeuern jeweils nur eine dieser Seiten: die Eskalation durch immer mehr, immer tödlichere Waffen.
Und jetzt auch noch: Wirtschaftliche Macht löst die vorrangige Verfolgung aller anderen westlichen Werte mit Wucht ab, nachdem die wirtschaftliche Aufteilung der Ukraine mittlerweile in trockenen Tüchern ist.
Aber der Reihe nach:

Lasst uns doch einmal diese Schwarz-Weiß-Diskussionen nach dem Muster, „wer gegen Waffenlieferungen ist, wirft die Ukraine den Russen zum Fraß vor und unterstützt Putin“, und „wer für Waffenlieferungen ist, unterstützt die Ukraine bei Ihrem Sieg über Russland“ beiseite legen und mit unserer von christlich-abendländischer Kultur geprägten Vernunft an das Problem herangehen. Und lasst uns dabei berücksichtigen, dass es eine Binsenweisheit ist, dass das erste Opfer eines jeden Krieges die Wahrheit ist - auf allen Seiten. Und es ist dieses Opfer, das in allen beteiligten Medien - auf allen Seiten - gezeigt bzw. eben nicht gezeigt wird. Ein besonders unrühmliches Beispiel demonstriert hier die überwiegende Mehrheit der Medien in Deutschland. Ein klassisches Beispiel dafür war die Sendung Hart-aber-fair vom 27.2.2023, in der - unkritisch - Kriegspropaganda vom Feinsten gezeigt und als Fakt ausgegeben wurde, und Waffentrommler Friedenstrommlern Naivität auf simple und gewissenlose Weise vorgehalten hatten.

Bedenkenswert:

- In der Ukraine werden weder westliche oder europäische Werte in nennenswertem Umfang, noch die europäische Sicherheit, noch die Demokratie an sich verteidigt, sondern die nationale Souveränität dieses Landes

- Immer häufigere Lieferungen immer schwererer Waffen führen nicht zu einer Verkürzung des Krieges, sondern, wie mittlerweile auch „Sicherheits-Experte“ Carlo Masala zugibt, zu seiner Verlängerung, ggf. auch zu seiner Ausweitung bis zu einem dritten Weltkrieg.

- Es ist legitim, dass die Ukraine ihre westlichen Partner um Unterstützung gegen Russlands Angriffskrieg bittet. Aber nicht jeder Bitte und der damit verbundenen Zusicherungen der Ukraine darf man Glauben schenken! Z.B. dass die Ukraine nicht russisches Territorium angreift (vgl. Oblast Brjansk bzw. Belgorod bzw. Moskau). Es ist auch legitim, wenn die Ukraine um Unterstützung bei Friedensverhandlungen bittet.

- Genauso legitim ist es aber auch, wenn westliche Partner von der Ukraine gewünschte Unterstützungen verweigern. Es ist nämlich vernünftig und verantwortungsvoll, dass sich die westlichen Regierungen nicht in einen Weltkrieg hineinziehen lassen wollen. Aber nicht jede Aktion bzw. Erklärung der Ukraine nimmt darauf Rücksicht - im Gegenteil (vgl. Selenskys Erklärung zum Raketeneinschlag in Polen am 15.11.2022) und auch nicht jede Aktion und Erklärung einzelner westlicher Ukraine-Verbündeter (vgl. z.B. der polnische Regierungschef zum 3. Weltkrieg).

- Es liegt alleine in der Hand Russlands, zu erklären, ab wann es die westlichen Ukraine-Verbündeten, gesamt oder einzeln, zur Kriegspartei erklärt.

- Nachdem die westlichen Ukraine-Verbündeten erklärten, dass u.a. die Entsendung von Truppen in die Ukraine ein berechtigter Grund wäre, dass Russland sie zur Kriegspartei erklärt, liegt es in der Hand dieser Verbündeten, berechtigt Kriegspartei zu werden, was ja durch die geleakten Dokumente der amerikanischen Geheimdienste vermutet werden darf.

- Die Ablehnung von Gesprächen und Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine führt nicht zu einem Waffenstillstand oder gar zum Frieden, sondern zur Fortführung des Krieges - ggf. bis zum letzten Ukrainer, wie es der US-Amerikaner Noam Chomsky befürchtet.

- Das Ende des Ukraine-Krieges wird wohl am Verhandlungstisch und eher nicht durch Putins Niederlage entschieden: Der amerikanische Generalstabschef Mark Milley sagte, dass ein militärischer Sieg der Ukraine nicht zu erwarten ist und dass Verhandlungen der einzig mögliche Weg sind. Alles andere ist eine sinnlose Verschwendung von Menschenleben.

- nach 1,5 Jahren Krieg in der Ukraine und dem Lesen des Buches „Die Zukunft der Demokratie“ von Herfried Münkler stelle ich fest, außer der Lieferung einer Unzahl von Waffen und ein paar interessanten Gedanken in dem Buch sind wir dem Frieden keinen Schritt näher gekommen, so dass wir es einmal mit weniger Waffengetrommel und mehr Friedensgetrommel versuchen sollten.

- Die von verantwortungslosen Politikern, Medienschaffenden, Experten praktizierten Verharmlosungen eines potentiellen Atomkrieges a là „Nicht einschüchtern lassen“, „keine Panikmache“, „leere Drohungen“ etc. sind keine adäquate Reaktion auf Putins „Bluffs“, sondern vielmehr die mittlerweile von - skrupellosen? - Politikern, Medienschaffenden, Experten etc. verbreitete Aufforderung insbesondere auch an den Bundeskanzler und seine Regierung, dieses Risiko aus jedweder politisch zu verantwortender und sachlich umfassend informierter Abwägung herauszunehmen - koste es, was es wolle!? In diesem Sinne besonnenes und abwägendes Handeln und die Suche nach einer Verhandlungslösung alleine deswegen zu unterlassen, weil man dadurch angeblich auch „das Geschäft Russlands besorge“, ist verantwortungslos von den Politikern und von den Kritikern gewissenlos.

Es ist einfach, zu erkennen, wer in der deutschen Politik vernunftgesteuert, besonnen und verantwortungsvoll agiert und wer nicht!

Für alle, die jetzt reflexartig ihre eingeübten Narrative hervorkramen -> gehe zurück auf Anfang!

Und da ist es wohltuend, dass am 16.5.2023 in der NYT ein Friedens-Aufruf von 14 renommierten, hochrangigen Sicherheitsexperten der USA verbunden mit einem ausführlichen Artikel im Blog Anti-war.com veröffentlicht wurde (finanziert vom Eisenhower Media Network: https://eisenhowermedianetwork.org/russia-ukraine-war-peace/ ) aus dem folgender Auszug in Deutschland gerne plump als Putin-Propaganda geschmäht wird:

"Die unmittelbare Ursache für diesen katastrophalen Krieg in der Ukraine ist die russische Invasion. Doch die Pläne und Aktionen, die Nato bis an die Grenzen Russlands auszudehnen, haben dazu geführt, russische Ängste zu schüren. Und die russische Führung hat diesen Punkt dreißig Jahre lang immer wieder betont.“

Ähnlich argumentieren auch Adam Tooze, Direktor des Europäischen Instituts an der Columbia University und John Mearsheimer.

Und noch etwas:

Das Militär wird angesichts der Konflikte und Kriege zunehmend zu einer Geldvernichtungsmaschine über eine Menschenvernichtungsmaschine hinaus. Vor 70 Jahren warnte US-Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner "Cross of Iron"-Rede vor den Kosten der exzessiven Rüstungsausgaben für das US-amerikanische Volk. Am 19. April 1953 sagte er:

„Jede Waffe, die hergestellt wird, jede Rakete, die abgefeuert wird, bedeutet letztlich einen Diebstahl von jenen, die hungern und nicht ernährt werden können, die frieren und keine Kleidung besitzen.“

Der Diebstahl wird immer obszöner: Allein die Ausgaben für einen einzigen B2-Bomber entsprechen heute denen von 80 High Schools bzw. knapp 23.000 Monats-Gehältern von Grundschullehrern. Einer von 60 von der Bundeswehr neu anzuschaffenden Transporthubschraubern kostet 120 Mio EUR.

Das sagt zuallererst etwas über die Prioritäten aus, die in Deutschland gesetzt werden.

Das sei auch allen Waffentrommlern und Atomkriegsverharmlosern im Ukraine-Krieg ins Stammbuch geschrieben!

Wen diese Entwicklung seine einseitige bisherige Pro-Ukrainische Sicht nicht ins Wanken bringt, dem sei gesagt, dass schon hunderte von Unternehmen der westlichen Welt - unter maßgeblicher Führung von BlackRock - an Wiederaufbauplänen und entsprechenden Vereinbarungen mit der ukrainischen Regierung arbeiten, mit denen u.a. die wirtschaftlichen Pfründe der Ukraine unter den führenden westlichen Unternehmen aufgeteilt werden. Die Kapitalisten reiben sich schon die Hände. Und für die dann verarmte ukrainische Bevölkerung werden nur Almosen-Dienste übrig bleiben.

Der Krieg hat sich mittlerweile zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA entwickelt, bei dem es vorrangig um die wirtschaftliche und militärische Macht zwischen diesen beiden Ländern und ihren Einflussbereichen geht. Eine Perspektive, die unserem Land weder ansteht noch gut tut.

Da ist es doch wohltuend, dass - parallel zum angeblich alternativlosen Waffengetrommel - besonnene Politiker wie aktuell Verheugen laut für Friedensanstrengungen werben!

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  • Avatar von Orca30
    • Orca30

    mehr als 1000 Beiträge seit 18.11.2004

    Antwort auf Besonnenheit sollte Trumpf sein! von SigismundRuestig.

    SigismundRuestig schrieb am 11.09.2023 13:55:

    - Es liegt alleine in der Hand Russlands, zu erklären, ab wann es die westlichen Ukraine-Verbündeten, gesamt oder einzeln, zur Kriegspartei erklärt.

    Selbverständlich. Wenn z.B. Herr Putin aufwacht und einen unerklärbaren Hass auf die Schweiz verspürt. darf er sie umgehend bombardieren. Ist so.

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  • Avatar von Alex Riemenschneider
    • Alex Riemenschneider

    mehr als 1000 Beiträge seit 02.06.2019

    Antwort auf Besonnenheit sollte Trumpf sein! von SigismundRuestig.

    SigismundRuestig schrieb am 11.09.2023 13:55:

    Bedenkenswert:

    Auch wenn Du offenbar nur aus vorbereiteten Textvorlagen kopierst, mal doch eine Antwort:

    - In der Ukraine werden weder westliche oder europäische Werte in nennenswertem Umfang, noch die europäische Sicherheit, noch die Demokratie an sich verteidigt, sondern die nationale Souveränität dieses Landes

    Nun ist die nationale Souveränität eines Landes nicht erst in Anhang 23 zur Charta der Vereinten Nationen erwähnt, sondern ganz ganz vorne in Artikel 1.

    - Es liegt alleine in der Hand Russlands, zu erklären, ab wann es die westlichen Ukraine-Verbündeten, gesamt oder einzeln, zur Kriegspartei erklärt.

    Russland kann die ganze Welt zur Kriegspartei erklären. Die Frage ist: Was könnte Russland dadurch gewinnen?

    - Das Ende des Ukraine-Krieges wird wohl am Verhandlungstisch und eher nicht durch Putins Niederlage entschieden: Der amerikanische Generalstabschef Mark Milley sagte, dass ein militärischer Sieg der Ukraine nicht zu erwarten ist und dass Verhandlungen der einzig mögliche Weg sind. Alles andere ist eine sinnlose Verschwendung von Menschenleben.

    Das ist so richtig wie banal. Es geht darum, dass die Ukraine am Verhandlungstisch auch noch etwas zu verhandeln hat.

    Das Militär wird angesichts der Konflikte und Kriege zunehmend zu einer Geldvernichtungsmaschine über eine Menschenvernichtungsmaschine hinaus. Vor 70 Jahren warnte US-Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner "Cross of Iron"-Rede vor den Kosten der exzessiven Rüstungsausgaben für das US-amerikanische Volk. Am 19. April 1953 sagte er:

    „Jede Waffe, die hergestellt wird, jede Rakete, die abgefeuert wird, bedeutet letztlich einen Diebstahl von jenen, die hungern und nicht ernährt werden können, die frieren und keine Kleidung besitzen.“

    Dazu passt ja auch, dass von den von Putin versprochenen Getreidegeschenken noch kein einziges Körnchen in den afrikanischen Staaten angekommen ist.

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  • Avatar von FreimannK
    • FreimannK

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.09.2022

    Antwort auf Re: Besonnenheit sollte Trumpf sein! von Alex Riemenschneider.

    Alex Riemenschneider schrieb am 11.09.23 14:28:

    SigismundRuestig schrieb am 11.09.2023 13:55:

    Bedenkenswert:

    Auch wenn Du offenbar nur aus vorbereiteten Textvorlagen kopierst, mal doch eine Antwort:

    - In der Ukraine werden weder westliche oder europäische Werte in nennenswertem Umfang, noch die europäische Sicherheit, noch die Demokratie an sich verteidigt, sondern die nationale Souveränität dieses Landes

    Nun ist die nationale Souveränität eines Landes nicht erst in Anhang 23 zur Charta der Vereinten Nationen erwähnt, sondern ganz ganz vorne in Artikel 1.

    - Es liegt alleine in der Hand Russlands, zu erklären, ab wann es die westlichen Ukraine-Verbündeten, gesamt oder einzeln, zur Kriegspartei erklärt.

    Russland kann die ganze Welt zur Kriegspartei erklären. Die Frage ist: Was könnte Russland dadurch gewinnen?

    - Das Ende des Ukraine-Krieges wird wohl am Verhandlungstisch und eher nicht durch Putins Niederlage entschieden: Der amerikanische Generalstabschef Mark Milley sagte, dass ein militärischer Sieg der Ukraine nicht zu erwarten ist und dass Verhandlungen der einzig mögliche Weg sind. Alles andere ist eine sinnlose Verschwendung von Menschenleben.

    Das ist so richtig wie banal. Es geht darum, dass die Ukraine am Verhandlungstisch auch noch etwas zu verhandeln hat.

    Das Militär wird angesichts der Konflikte und Kriege zunehmend zu einer Geldvernichtungsmaschine über eine Menschenvernichtungsmaschine hinaus. Vor 70 Jahren warnte US-Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner "Cross of Iron"-Rede vor den Kosten der exzessiven Rüstungsausgaben für das US-amerikanische Volk. Am 19. April 1953 sagte er:

    „Jede Waffe, die hergestellt wird, jede Rakete, die abgefeuert wird, bedeutet letztlich einen Diebstahl von jenen, die hungern und nicht ernährt werden können, die frieren und keine Kleidung besitzen.“

    Dazu passt ja auch, dass von den von Putin versprochenen Getreidegeschenken noch kein einziges Körnchen in den afrikanischen Staaten angekommen ist.

    Zu den Getreide-Lieferungen:
    Es sollten ja auch nur 6 Afrikanische Staaten eine Gratis-Lieferung bekommen. Darüber hinaus wird man sich nach der Zerstörung ukrainischer Getreide-Lager und die See-Blockade wohl sehr über Russlands gestiegene Monopolisten-Preise freuen.

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  • Avatar von FreimannK
    • FreimannK

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.09.2022

    Antwort auf Besonnenheit sollte Trumpf sein! von SigismundRuestig.

    Irgendwie kommen die Textbausteine in der Summe etwas einseitig rüber, findest du nicht?

    Was ist eigentlich Putins Unterschrift heute noch wert?
    Das Vertrauen dürfte jedenfalls diesbezüglich für immer weg sein.
    Es kann schon noch ziemlich lange dauern, bis sich das Problem Putin biologisch gelöst hat.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (11.09.2023 15:29).

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  • Avatar von Pearphidae
    • Pearphidae

    mehr als 1000 Beiträge seit 14.11.2021

    Quatsch mit Käsesoße

    Antwort auf Besonnenheit sollte Trumpf sein! von SigismundRuestig.

    SigismundRuestig schrieb am 11.09.2023 13:55:

    Und da ist es wohltuend, dass am 16.5.2023 in der NYT ein Friedens-Aufruf von 14 renommierten, hochrangigen Sicherheitsexperten der USA verbunden mit einem ausführlichen Artikel im Blog Anti-war.com veröffentlicht wurde (finanziert vom Eisenhower Media Network: https://eisenhowermedianetwork.org/russia-ukraine-war-peace/ ) aus dem folgender Auszug in Deutschland gerne plump als Putin-Propaganda geschmäht wird:

    "Die unmittelbare Ursache für diesen katastrophalen Krieg in der Ukraine ist die russische Invasion. Doch die Pläne und Aktionen, die Nato bis an die Grenzen Russlands auszudehnen, haben dazu geführt, russische Ängste zu schüren. Und die russische Führung hat diesen Punkt dreißig Jahre lang immer wieder betont.“

    Die Russen forderten ständig, die Ukraine solle ein neutraler Staat werden - was sie aber selbst verhinderten, weil sie nicht bereit waren, ihre eigenen Truppen aus der Ukraine abzuziehen. Um einen Ausgleich zu schaffen, holten die Ukrainer eben zu den Russen auch die NATO mit ins Land. Daraufhin behaupteten die Russen wiederum, sich von der NATO bedroht zu fühlen.

    Das ist die ganze "Vorgeschichte" - aber natürlich nur westliche Propaganda, nicht wahr?

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  • Avatar von vongestern
    • vongestern

    578 Beiträge seit 10.01.2022

    Antwort auf Besonnenheit sollte Trumpf sein! von SigismundRuestig.

    SigismundRuestig schrieb am 11.09.2023 13:55:

    
    
    
    
    
    
    Waffeneuphorie versus Friedenseuphorie! Berechtigte Ängste im Hinblick auf eine Ausdehnung des Krieges versus jegliche Risiken ausblendende Eskalation! Der Agressor ist an allem schuld versus auch andere trugen bzw. tragen zur Entstehung und zur Fortführung des Krieges bei. Was ist wohl besser? Die vielen politischen Talkshows zu diesen Themen à la Lanz als auch die sonstige Medienlandschaft befeuern jeweils nur eine dieser Seiten: die Eskalation durch immer mehr, immer tödlichere Waffen.
    Und jetzt auch noch: Wirtschaftliche Macht löst die vorrangige Verfolgung aller anderen westlichen Werte mit Wucht ab, nachdem die wirtschaftliche Aufteilung der Ukraine mittlerweile in trockenen Tüchern ist.
    Aber der Reihe nach:

    Lasst uns doch einmal diese Schwarz-Weiß-Diskussionen nach dem Muster, „wer gegen Waffenlieferungen ist, wirft die Ukraine den Russen zum Fraß vor und unterstützt Putin“, und „wer für Waffenlieferungen ist, unterstützt die Ukraine bei Ihrem Sieg über Russland“ beiseite legen und mit unserer von christlich-abendländischer Kultur geprägten Vernunft an das Problem herangehen. Und lasst uns dabei berücksichtigen, dass es eine Binsenweisheit ist, dass das erste Opfer eines jeden Krieges die Wahrheit ist - auf allen Seiten. Und es ist dieses Opfer, das in allen beteiligten Medien - auf allen Seiten - gezeigt bzw. eben nicht gezeigt wird. Ein besonders unrühmliches Beispiel demonstriert hier die überwiegende Mehrheit der Medien in Deutschland. Ein klassisches Beispiel dafür war die Sendung Hart-aber-fair vom 27.2.2023, in der - unkritisch - Kriegspropaganda vom Feinsten gezeigt und als Fakt ausgegeben wurde, und Waffentrommler Friedenstrommlern Naivität auf simple und gewissenlose Weise vorgehalten hatten.

    Bedenkenswert:

    - In der Ukraine werden weder westliche oder europäische Werte in nennenswertem Umfang, noch die europäische Sicherheit, noch die Demokratie an sich verteidigt, sondern die nationale Souveränität dieses Landes

    - Immer häufigere Lieferungen immer schwererer Waffen führen nicht zu einer Verkürzung des Krieges, sondern, wie mittlerweile auch „Sicherheits-Experte“ Carlo Masala zugibt, zu seiner Verlängerung, ggf. auch zu seiner Ausweitung bis zu einem dritten Weltkrieg.

    - Es ist legitim, dass die Ukraine ihre westlichen Partner um Unterstützung gegen Russlands Angriffskrieg bittet. Aber nicht jeder Bitte und der damit verbundenen Zusicherungen der Ukraine darf man Glauben schenken! Z.B. dass die Ukraine nicht russisches Territorium angreift (vgl. Oblast Brjansk bzw. Belgorod bzw. Moskau). Es ist auch legitim, wenn die Ukraine um Unterstützung bei Friedensverhandlungen bittet.

    - Genauso legitim ist es aber auch, wenn westliche Partner von der Ukraine gewünschte Unterstützungen verweigern. Es ist nämlich vernünftig und verantwortungsvoll, dass sich die westlichen Regierungen nicht in einen Weltkrieg hineinziehen lassen wollen. Aber nicht jede Aktion bzw. Erklärung der Ukraine nimmt darauf Rücksicht - im Gegenteil (vgl. Selenskys Erklärung zum Raketeneinschlag in Polen am 15.11.2022) und auch nicht jede Aktion und Erklärung einzelner westlicher Ukraine-Verbündeter (vgl. z.B. der polnische Regierungschef zum 3. Weltkrieg).

    - Es liegt alleine in der Hand Russlands, zu erklären, ab wann es die westlichen Ukraine-Verbündeten, gesamt oder einzeln, zur Kriegspartei erklärt.

    - Nachdem die westlichen Ukraine-Verbündeten erklärten, dass u.a. die Entsendung von Truppen in die Ukraine ein berechtigter Grund wäre, dass Russland sie zur Kriegspartei erklärt, liegt es in der Hand dieser Verbündeten, berechtigt Kriegspartei zu werden, was ja durch die geleakten Dokumente der amerikanischen Geheimdienste vermutet werden darf.

    - Die Ablehnung von Gesprächen und Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine führt nicht zu einem Waffenstillstand oder gar zum Frieden, sondern zur Fortführung des Krieges - ggf. bis zum letzten Ukrainer, wie es der US-Amerikaner Noam Chomsky befürchtet.

    - Das Ende des Ukraine-Krieges wird wohl am Verhandlungstisch und eher nicht durch Putins Niederlage entschieden: Der amerikanische Generalstabschef Mark Milley sagte, dass ein militärischer Sieg der Ukraine nicht zu erwarten ist und dass Verhandlungen der einzig mögliche Weg sind. Alles andere ist eine sinnlose Verschwendung von Menschenleben.

    - nach 1,5 Jahren Krieg in der Ukraine und dem Lesen des Buches „Die Zukunft der Demokratie“ von Herfried Münkler stelle ich fest, außer der Lieferung einer Unzahl von Waffen und ein paar interessanten Gedanken in dem Buch sind wir dem Frieden keinen Schritt näher gekommen, so dass wir es einmal mit weniger Waffengetrommel und mehr Friedensgetrommel versuchen sollten.

    - Die von verantwortungslosen Politikern, Medienschaffenden, Experten praktizierten Verharmlosungen eines potentiellen Atomkrieges a là „Nicht einschüchtern lassen“, „keine Panikmache“, „leere Drohungen“ etc. sind keine adäquate Reaktion auf Putins „Bluffs“, sondern vielmehr die mittlerweile von - skrupellosen? - Politikern, Medienschaffenden, Experten etc. verbreitete Aufforderung insbesondere auch an den Bundeskanzler und seine Regierung, dieses Risiko aus jedweder politisch zu verantwortender und sachlich umfassend informierter Abwägung herauszunehmen - koste es, was es wolle!? In diesem Sinne besonnenes und abwägendes Handeln und die Suche nach einer Verhandlungslösung alleine deswegen zu unterlassen, weil man dadurch angeblich auch „das Geschäft Russlands besorge“, ist verantwortungslos von den Politikern und von den Kritikern gewissenlos.

    Es ist einfach, zu erkennen, wer in der deutschen Politik vernunftgesteuert, besonnen und verantwortungsvoll agiert und wer nicht!

    Für alle, die jetzt reflexartig ihre eingeübten Narrative hervorkramen -> gehe zurück auf Anfang!

    Und da ist es wohltuend, dass am 16.5.2023 in der NYT ein Friedens-Aufruf von 14 renommierten, hochrangigen Sicherheitsexperten der USA verbunden mit einem ausführlichen Artikel im Blog Anti-war.com veröffentlicht wurde (finanziert vom Eisenhower Media Network: https://eisenhowermedianetwork.org/russia-ukraine-war-peace/ ) aus dem folgender Auszug in Deutschland gerne plump als Putin-Propaganda geschmäht wird:

    "Die unmittelbare Ursache für diesen katastrophalen Krieg in der Ukraine ist die russische Invasion. Doch die Pläne und Aktionen, die Nato bis an die Grenzen Russlands auszudehnen, haben dazu geführt, russische Ängste zu schüren. Und die russische Führung hat diesen Punkt dreißig Jahre lang immer wieder betont.“

    Ähnlich argumentieren auch Adam Tooze, Direktor des Europäischen Instituts an der Columbia University und John Mearsheimer.

    Und noch etwas:

    Das Militär wird angesichts der Konflikte und Kriege zunehmend zu einer Geldvernichtungsmaschine über eine Menschenvernichtungsmaschine hinaus. Vor 70 Jahren warnte US-Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner "Cross of Iron"-Rede vor den Kosten der exzessiven Rüstungsausgaben für das US-amerikanische Volk. Am 19. April 1953 sagte er:

    „Jede Waffe, die hergestellt wird, jede Rakete, die abgefeuert wird, bedeutet letztlich einen Diebstahl von jenen, die hungern und nicht ernährt werden können, die frieren und keine Kleidung besitzen.“

    Der Diebstahl wird immer obszöner: Allein die Ausgaben für einen einzigen B2-Bomber entsprechen heute denen von 80 High Schools bzw. knapp 23.000 Monats-Gehältern von Grundschullehrern. Einer von 60 von der Bundeswehr neu anzuschaffenden Transporthubschraubern kostet 120 Mio EUR.

    Das sagt zuallererst etwas über die Prioritäten aus, die in Deutschland gesetzt werden.

    Das sei auch allen Waffentrommlern und Atomkriegsverharmlosern im Ukraine-Krieg ins Stammbuch geschrieben!

    Wen diese Entwicklung seine einseitige bisherige Pro-Ukrainische Sicht nicht ins Wanken bringt, dem sei gesagt, dass schon hunderte von Unternehmen der westlichen Welt - unter maßgeblicher Führung von BlackRock - an Wiederaufbauplänen und entsprechenden Vereinbarungen mit der ukrainischen Regierung arbeiten, mit denen u.a. die wirtschaftlichen Pfründe der Ukraine unter den führenden westlichen Unternehmen aufgeteilt werden. Die Kapitalisten reiben sich schon die Hände. Und für die dann verarmte ukrainische Bevölkerung werden nur Almosen-Dienste übrig bleiben.

    Der Krieg hat sich mittlerweile zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA entwickelt, bei dem es vorrangig um die wirtschaftliche und militärische Macht zwischen diesen beiden Ländern und ihren Einflussbereichen geht. Eine Perspektive, die unserem Land weder ansteht noch gut tut.

    Da ist es doch wohltuend, dass - parallel zum angeblich alternativlosen Waffengetrommel - besonnene Politiker wie aktuell Verheugen laut für Friedensanstrengungen werben!

    Danke, wenigstens ab und an gibt es differenzierte Betrachtungen. Auch in den Medien ist die ganz harte Propaganda auf dem Rückzug. Hier und da denken Menschen über die vermutlich notwendigen Verhandlungen nach. Trotzdem sind die unmenschlichen Methoden der Russen, natürlich immer im Detail und gegen wehrlose Frauen und Kinder, die Grundlage der öffentlichen Stimmungsmache.
    Wäre die Propaganda in Russland nicht so primitiv könnte man die aktuellen Waffenlieferungen gar nicht akzeptieren. Aber der Tenor in Russland ist etwa so differenziert wie bei Donald Trumps Wahlkampfreden. das macht die Verurteilung Russlands besonders leicht.
    Kriegspropaganda und infantile Argumentationen.

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