Vorab - ich teile Riegs Meinung, dass eine Kostenbeteiligung nicht in Frage kommt wie ich auch gegen eine allgemeine Impfpflicht bin.
Aber Riegs Argumente teile ich höchstens zu 10 Prozent, wobei umfassend drauf einzugehen den Kommentar längenmässig an Riegs Artikel heranrücken würde. Bezüglich der ökonomischen Argumentation kann man global sagen - und diese Kritik geht an beide Kontrahenten -, dass sie keine Rolle spielen. Geld ist, zumindest in Deutschland, genug da, es geht allenfalls um Allokation. Zudem gibt es etliche andere Bereiche im Gesundheitswesen, wo ohne Schaden, in manchen Fällen mit Gewinn weniger ausgegeben werden könnte. Überflüssige, durch Pauschalen getriggerte Operationen, mangelnde Vorsorge, überteuerte, zum Teil wirkungslose Medikamente usw.
Die Verschiebung von Behandlungen beruhte nicht auf einer Überlastung der Krankenhäuser, sondern auf externen und internen Vorgaben sowie finanziellen Anreizen. Dass es irgendwo zur viel beschworenen Triage gekommen wäre (Entscheidung, den Krebspatienten oder den Covid-Patienten zu behandeln) ist mir nicht bekannt.
Auf diese Aussage möchte ich gesondert eingehen. Die erste Behauptung ist nachweislich in den meisten Fällen schlicht falsch. Die Krankenhäuser waren zeitweise deutlich überlastet. Alles andere wäre angesichts doch auch in Deutschland schon weit gediehener neoliberaler Zurichtung des Gesundheitswesens auch überraschend. Falls es je Speck gegeben hat, ist er längst abgeschmolzen. Lokale Gegenbeispiele sprechen nicht dagegen. Die Triage-Diskussion ist im Grunde eine verlogene. Sie baut auf der Unterstellung auf, zum je aktuellen Zeitpunkt sei noch alles im grünen Bereich, man wolle vorsorgen. Das ist schlicht eine Täuschung. Die Vorstellung, ein Krankenhaus breche sozusagen von einem Moment auf den anderen zusammen und verliere auf einen Schlag seine Funktionalität, ist unsinnig. In Wirklichkeit geht das schleichend vonstatten und durch Verschiebung sogenannt elektiver Behandlungen kann eine Überlastung verschleiert werden. Zumal Elektivität ein sehr dehnbarer Begriff ist, der offensichtlich auch überdehnt werden kann und auch wurde. System-Übersaturierung ist von aussen nicht gut sichtbar, wenn nicht gerade Krankenwagen vor einem Spital Schlange stehen.
Riegs Text ist durchzogen von Verharmlosungen der Seuche, was schon die leidige Gleichsetzung mit der Grippe anzeigt. Das war auch schon bei seinen endlosen, angeblich rein medienkritischen Texten so. Er ist ein Querschläger auf gehobenem Niveau, wie sich hier bei Telepolis so Manche tummeln. An dieser Tatsache ändert der Umstand, dass ich bezüglich Kostenbeteiligung mit ihm einer Meinung bin nichts. Ich bin trotz partiellem Eigenverschulden und asozialer Haltung dagegen, er blendet es aus.