BureauTiger schrieb am 11.03.2021 18:07:
Trumpelstilzchen schrieb am 11.03.2021 14:45:
Depression ist definitiv eine Krankheit wie ich dir aus eigenem elendigem Erleben versichern kann und kann abhängig vom Schweregrad auch zum Tod führen (und damit ist nicht Selbstmord gemeint). die körperlichen Folgen sind mindestens so ernst wie die psychischen.
Der erste Satz trifft zu: Depression ist per Definition eine Krankheit, aber doch nicht wegen deines Erlebens. Deine Depression hat doch nichts damit zu tun, dass sie als Krankheit eingestuft wird. Schau dir doch nur mal die Liste im ICD-10 an, was da alles als Krankheit bezeichnet wird, sogar das Altern ist da eine Krankheit, oder dass Kinder nicht stillsitzen, wenn man es ihnen befiehlt. Krankheiten werden oft von den Pharmafirmen erfunden, um den Profit zu steigern. Die Diabetesrate wird ständig heruntergeschraubt, um noch mehr Diabetesmedikamente absetzen zu können. Durchschaust du das etwa nicht?
Ich glaube nicht, daß er das durchschaut. Es geht ja auch nicht darum, wie und warum ein einzelnes Individuum über einen längeren Zeitraum eine sogenannte schwere Depression erfährt und dann darauf besteht, daß das eine Krankheit sei. Überhaupt ist der Krankheitsbegriff ein problematischer, denn eine Krankheit existiert nicht, es handelt sich bei diesem Begriff um eine Kategorie, und Kategorien besitzen bekanntlich kein materiellen oder phänomenologischen Anteile, sie sind geistige Modelle, verstandesmäßige Schubladen, die in der Wirklichkeit nicht existieren. Solcherlei Ordnung der Dinge scheint den meisten Menschen zu hoch, um sie auch nur ansatzweise zu begreifen, sie scheinen nichts davon zu wissen, daß und wie sie tagtäglich alles, was ihre Aufmerksamkeit erregt, in Schubladen stecken – auf, rein damit, zu und vergessen. Noch weniger wissen sie, daß es nur sehr sehr selten ihre eigenen Ordnungskriterien sind, die sie hierbei anwenden, sondern in der Regel von außen befohlene: Dies und das hat man so und so zu verstehen, zu beurteilen, einzuordnen und abzulegen. Und wer das nicht glaubt: Setzen, Sechs!
Es geht tatsächlich darum, daß die Umstände zunehmend bedrückender werden, und das für eine zunehmende Anzahl von Menschen. Eine Psyche, die da nicht in Depression verfallen würde, wäre als krank zu bezeichnen, denn sie würde nicht wie vorgesehen funktionieren. Wenn wir gewohnt sind, im Wohlstand zu leben, und dieser Wohlstand plötzlich wegbricht, fehlen uns Gelegenheiten für das Ausschütten belohnender Endorphine. Ergo werden wir etwas trübsinniger, bei anhaltender Enthaltsamkeit bedrückt bzw. depressiv. Menschen allerdings, die bereits weitgehend von ihrer Gefühlswelt getrennt leben, empfinden das anders, sie leiden vermutlich auch ein wenig unter abnehmendem Wohlstand, sind aber jederzeit bereit, die fehlenden Eigendrogen mittels Macht- und Kontrollverhalten zu kompensieren: Solche eher entfremdeten Menschen schwingen sich dann häufig zu selbsternannten Anführern auf, versuchen den anderen ihre eigenen Sichtweisen reinzudrücken und scheuen im Ernstfall auch nicht vor Gewalt zurück. Der Maskenbefürworter, der in der S-Bahn einen Mitmenschen zusammenschlägt, weil der seine Maske nicht richtig trägt, ist ein gutes Beispiel dafür.
https://www.youtube.com/watch?v=2z6HNmTv6Sg
https://www.youtube.com/watch?v=P_PUyNI3Ypo
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