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Ein runder Artikel

Der Artikel beginnt mit einem Irrtum ("Alle Technologien für den Wandel sind vorhanden") und endet mit einem weiteren Irrtum ("Bisher zumindest hat es die Menschheit immer geschafft, in den größten Krisen auch die richtigen Lösungen zu finden."). Dazwischen ein wenig Presseschau, warum nicht.

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    Antwort auf Ein runder Artikel von kemmerich.

    Naja, so GANZ daneben liegt er nicht.

    JA, wir haben gewisse Technologien, um den Wandel, sagen wir mal, zu beeinflussen. Aber nichts davon ist wirtschaftlich möglich und manches ist einfach maximal destruktiv. Man kann ja, wenn man will, die Erde in eine Staubschicht hüllen, die Sonne verdunkeln und damit für Abkühlung sorgen, dafür ist dann halt mehr Schaden angerichtet, als wenn man gar nichts getan hätte.

    Dass die Menschen für ihre "größten Krisen" die "richtigen Lösungen" gefunden haben will, halte ich aber für ein Gerücht. Zum einen, weil die größten Krisen der Menschheit in prähistorischer Zeit liegen und mindestens drei oder vier Eiszeiten und Warmzeiten umfassen und die Menschen keineswegs irgendwelche Lösungen präsentieren konnten mangels Verständnis und Technologie. Aber sie haben überlebt.
    Zum anderen liegen die gegenwärtigen größten Krisen direkt vor uns und erwarten eine Lösung, sonst sind wir bald in einem posthistorischem Zeitalter. Das Klima will da aber nicht als Krisenfaktor auftauchen, sondern eher so Dinge wie "Übernutzung von Ressourcen". Wir verkonsumieren unseren Planeten in atemberaubenden Tempo. Die Meere werden leergefischt, es werden mehr Bäume gefällt als neue gepflanzt werden, die Böden werden immer schneller ausgelaugt, als mit Dünger regeneriert werden kann usw usf. Und unser Hunger nach Kohl, Öl, Erze, Seltenerden, Edelmetalle & co wird größer statt kleiner. Irgendwann sind diese Dinge aber vernutzt - und dann ist vorbei mit der Zivilisation.

    Die Gefahr, dass wir also unseren Planeten leerfressen und sämtliche nutzbaren Ressourcen noch in diesem Jahrhundert ausplündern, ist deutlich größer, als dass uns das Klima den Garaus macht. Und für nix davon haben wir eine Lösung. Sogar der Klimawandel wird versucht mit Mehrkonsum zu bekämpfen. Das ist allergröbster Unfug.

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    Antwort auf Re: Ein runder Artikel von .

    Umweltfreund82 schrieb am 18.12.2023 17:29:

    Naja, so GANZ daneben liegt er nicht.

    JA, wir haben gewisse Technologien, um den Wandel, sagen wir mal, zu beeinflussen. Aber nichts davon ist wirtschaftlich möglich und manches ist einfach maximal destruktiv.

    Alts Anspruch ist aber, durch einen reinen Technologiewechsel die Energieversorgung von heute im Großen und Ganzen sicherzustellen, nur eben klimaneutral. Und das klappt nicht. Daher liegt Alt für mich eindeutig daneben.

    Das Klima will da aber nicht als Krisenfaktor auftauchen, sondern eher so Dinge wie "Übernutzung von Ressourcen". Wir verkonsumieren unseren Planeten in atemberaubenden Tempo.

    Das ist ein weiteres Problem, das ich für genauso dringend und schwierig halte wie das Umweltproblem. Aber den Klimawandel sollte man besser nicht unterschätzen. Das Ding läuft schneller ab, als Wissenschaftler noch vor 10-20 Jahren dachten.

    Sogar der Klimawandel wird versucht mit Mehrkonsum zu bekämpfen. Das ist allergröbster Unfug.

    Ja, und da muss man sich fragen, wie so ein Unfug in einem aufgeklärten Zeitalter eigentlich sein kann. Meine Vermutung: Weil es extrem schwerfällt, aufzuhören. Man muss dem Kapitalismus ja zugestehen, dass er uns alle reicher gemacht hat, viel reicher als unsere Vorfahren von vor schlappen 200 Jahren. Ein historisch beispielloses Erfolgsmodell, zumal sich dieser Reichtum nicht nur in Luxus und Lifestyle manifestiert, sondern auch die Lebenserwartung drastisch erhöht und die ökonomische Grundlage für Demokratie und Rechtsstaat geschaffen hat. Es ist leicht nachzuvollziehen, warum wir uns mit Händen und Füßen dagegen wehren, das aufzugeben. Wir müssen aber, und das ist kaum zu ertragen.

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    Antwort auf Re: Ein runder Artikel von kemmerich.

    Also beim Klima herrscht unglaublich viel Emotionales drin und noch mehr Panik. Da werden Effekte, die kaum messbar sind, zu Indikatoren des Weltuntergangs aufgeblasen.

    CO2: der atmosphärische Anteil hat sich praktisch kaum geändert. Der liegt immernoch bei rund 0,04% bzw. halt bei rund 410ppm. Im Jahr 2015 waren es rund 400ppm. 100 Jahre zuvor waren es wohl eher um 280ppm (bzw. 0,03%). Es gibt also durchaus einen messbaren Anstieg. Der ist auch durchaus vom Menschen verursacht, nur aber nicht durch den CO2-Eintrag, sondern durch die Reduktion der CO2-Absorptionsfähigkeit des Planeten. Eine der besten CO2-Speicher sind Bäume, die man halt auch stehen lässt. Die absorbieren den größten Teil des natürlichen CO2s. Nutzwälder absorbieren auch, aber sind keine Speicher in dem Sinne, sondern "nur" CO2-neutral. Soll also CO2 absorbiert werden, müssten wir Speicherwälder hinstellen. Allein durch die Maßnahme bekommt man die stetig wachsende Funktion der CO2-Konzentration ausgebremst (siehe Quelle).

    https://cdatac.de/index.php/co2-conc/co2-konzentration-zwischen-1750-und-1900/

    In 100 Jahren haben wir rund ein Delta von 120ppm Zuwachs. Würde jetzt der CO2-Eintrag durch den Menschen sich nicht weiter erhöhen sondern gleichbleibend bleiben, hätten wir in 800 Jahren eine lebensbedrohliche CO2-Konzentration in der Luft: die liegt bei 1000 - 1400ppm (also 0,1 bis 0,14%) für Innenräume.

    Dann ist unser größtes Problem aber gar nicht der Klimawandel, sondern die Qualität der Atemluft. Denn der zweite Indikator für unser Wirken, das Abschmelzen der Polkappen und der Anstieg der Meeresspiegel wird aktuell mit rund 5mm pro Jahr angegeben. Zwar beschleunigt sich der Wert leicht, aber alle 100 Jahre mal die Deiche aufschippen, sollte weder für die Niederlande noch Deutschland ein Problem darstellen in den nächsten 300 - 400 Jahren. Danach ist das Meer durch die Elbe und andere Flüsse tief ins Landesinnere eingedrungen und in 800 Jahren könnte Hamburg Küstenstadt sein. Ja, das KANN Sorgen machen, liegt aber jenseits dessen, was wir HEUTE sinnvoll beeinflussen können, zumal wir schlichtweg nicht die Mittel dafür haben.

    Interessanterweise hört und liest man davon aber nichts in den Zeitungen. Es geht immer nur um den Klimawandel, nicht aber um die gesundheitlichen Einflüsse schlechterer Luftqualität oder landschaftliche Veränderungen.

    Interessanterweise werden auch immer nur technische und sehr teure "Lösungen" angeboten. Dabei ist es billiger, Land für Wälder bereitzustellen und Urwälder regenerieren zu lassen. Bäume kosten keine Energie, wenn sie einmal hingestellt sind. Eine CO2-Absorberanlage braucht jede Menge Energie, die irgendwo erstmal bereitgestellt werden muss. Eine CO2-Absorberanlage braucht auch deutlich mehr Ressourcen, bis sie hingestellt ist. Die CO2-Speicherflaschen fallen auch nicht wie Manna vom Himmel, sondern müssen hergestellt werden, dazu kommt die Endlagerung. Bäume sind nicht nur billiger, die sind auch ressourcenschonender. Aber man kann damit halt keine teuren Hundertmillionen-Geschäfte machen, wenn man für einen fünfstelligen Betrag einen Wald pflanzen könnte, der die nächsten 400 oder 500 Jahre für "umme" CO2 absorbiert und damit genau das gleiche leistet, nur effizienter.

    Das gleiche Bild bei der Energieerzeugung: statt die sinnvollste und ressourcenschonensten Varianten weiterzuentwickeln, setzen wir auf Windräder (Aluminium und Verbundstoffe sind ressourcen- und energieintensiv in der Herstellung) und Solarzellen (Flächenintensiv, dazu wieder hoher Energieeinsatz für die Siliziumwaferherstellung). Nichts davon hält ewig (20 - 25 Jahre Lebensdauer) und muss damit ständig ersetzt werden. Auch die Speichermethoden der heutigen Tage sind zu kurzlebig: selbst auf Schonung gefahrene LiFePO4-Akkus sind nach 10 bis 12 Jahren platt. Dabei "wiegt" jede Kilowattstunde rund 10 Kilo Akkumaterial.
    Die aktuell beste "Brückentechnologie" ist entweder Geothermie oder Wasserkraft. Beides in Deutschland aber nicht in hinreichender Menge vorhanden bzw. installierbar. Aber auch eine hybride Energieversorgung wäre immernoch besser. Hier empfiehlt es sich, ehrlich zu sein: wir haben keine 50% "Erneuerbare", wenn über die Hälfte "Biomasseverstromung" ist. Denn auch die hilft ja nicht, CO2 einzuspeichern, sondern ist bestenfalls "CO2-Neutral". Wind und Sonne sind nur mit Speicher und Backup aus Gaskraftwerken mangels Wasserkraft und Geothermie sinnvoll nutzbar, damit ist der energetische Aufwand im Vergleich zum Ertrag sehr viel höher, als bei einem klassischen Fossilienkraftwerk ...

    Also wohin man schaut: keine Lösung für nichts, weder heute noch morgen. Und dann kommt noch der Wahnwitz hinzu, dass Deutschland die Welt retten möchte. Das ist aber Unsinn. Wir sollten vor allen Dingen nicht die Welt auf Kosten der Umwelt retten.

    Übrigens: wer sich Sorgen macht wegen des CO2-Anstiegs (siehe Quelle oben): es gibt eine konkurrierende Kurve dazu, die nennt sich "Bevölkerungszuwachs".

    1900 war der CO2-Anteil bei rund 280ppm.
    1900 gab es rund 1,6 Milliarde Menschen auf dem Planeten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Bev%C3%B6lkerungsentwicklung
    https://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung

    2015 war der CO2-Anteil bei rund 400ppm.
    2015 gab es rund 7,5 Milliarden Menschen auf dem Planeten.

    Zwar beschleunigt sich der CO2-Anteil durch das Wirken des Menschen. Aber so wie ich das sehe, basiert der Zuwachs des einen hauptsächlich durch die Zunahme des anderen, denn jedermann möchte ja gern wohlständig leben, statt auf Entwicklungslandniveau. So gesehen sind die CO2-Emissionen pro Kopf aufgrund technologischer Fortschritte sogar rückläufig, denn die Zuwachskurve CO2 wächst sehr viel langsamer an als die Zuwachskurve der Weltbevölkerung.
    Vielleicht liegt's aber auch einfach daran, dass die größte Zwachsrate in Ländern stattfindet, in denen es praktisch keine Industrie und keine Wohlstandsgesellschaften gibt.

    Andererseits finden gerade in den beiden Staaten mit der höchsten Bevölkerungszahl seit etwa 20 Jahren rasante Entwicklungen statt: Indien steht an der Schwelle zur Industrienation, China ist schon vollwertige Industrienation und bereits in einer Phase zur Harmonisierung und Konsolidierung des Lebensstandards überall im Lande. Beide Staaten tragen aktuell immer stärker zum CO2-Eintrag in die Atmosphäre bei und bauen nach wie vor Kohlekraftwerke neu. Da nützt es auch nichts, dass formal China stark Solarenergie forciert.

    Nochmal: wir hier in Deutschland sind raus aus der Bringschuld für's Klima. Wir sollten uns lieber Gedanken machen, wie wir das, was wir erreichen können, ressourcenschonend und sozialverträglich umsetzen. Die meisten Programme sollten sich dem Umweltschutz und der Renaturierung widmen. Ressourcen sollten energiesparend recycelt werden und keinesfalls sollten wir Rohstoffe exportieren: Plastikabfälle sind nicht ins Ausland zu exportieren, Elektroschrott muss nicht in Afrika landen usw usf. Wir sollten da lieber die Ressourcen hier halten, möglichst komplett wiederverwerten und damit unsere moderne Industrie für's 21. Jahrhundert definieren. Die Umwelt wird am besten geschont, wenn man den eigenen Bedarf an Rohstoffen möglichst aus dem decken kann, was man bereits der Welt abgetrotzt hat.

    Aber das nur so anbei. Schönen Abend noch :-)

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    • AxELerator

    843 Beiträge seit 06.01.2000

    Antwort auf Ein runder Artikel von kemmerich.

    kemmerich schrieb am 18.12.2023 16:02:

    Der Artikel beginnt mit einem Irrtum ("Alle Technologien für den Wandel sind vorhanden") und endet mit einem weiteren Irrtum ("Bisher zumindest hat es die Menschheit immer geschafft, in den größten Krisen auch die richtigen Lösungen zu finden.").

    Ach, hast du von dem Artikel auch nur Anfang und Ende gelesen? Ich auch. Bei mir hat es sogar nur für den Namen des Autors und den abschließenden Punkt gereicht. Wenn die Kommentare nicht wären, könnte Herr Alt einpacken ...

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