senfa schrieb am 23.02.2022 17:15:
Finde zwei Fehler.
Nur zwei? Hab vier gefunden ;)
Bitteschön:
Das ist das Gute an Studien, man kann die Ergebnisse beliebig schon im Vorfeld bestellen, es gibt nichts, was sich nicht veröffentlichen lässt, wenn es mit der Tagespolitik konform ist
1. Du unterstellst, nur weil man Studien nach Wunsch "manipulieren" und beeinflussen kann, und das natürlich auch immer mal wieder vorkommt, würde das mit allen Studien zwangsläufig so passieren.
Oder zumindest bei allen Studien die etwas anderes belegen als das was du für richtig, wahrscheinlich oder wünschenswert erachtest.
Weder du noch ich können sagen, inwieweit diese "Studie" korrekt und unbeeinflusst von "äußeren" Akteuren ist.
Wir können lediglich nach Wahrscheinlichkeiten gehen.
2. Ich gehe davon aus, dass du es für eine Studie im klassischen Sinn hältst. Da führt der Focus leider in die Irre mit seiner Formulierung. Kann man aber merken, wenn man das ganze nicht nur kurz überfliegt.
Eigentlich handelt es sich um simulierte Berechnungen im Handelsmodell "KITE" des IfW Kiel. Es wurde lediglich ein Stopp von Im- und Exporten bestimmter Wirtschaftsgüter simuliert und das Programm hat die Auswirkungen berechnet.
Natürlich können kleine Störungen im Modell die damit errechneten Auswirkungen stark beeinflussen. Dass von vorneherein ein bestimmtes Ergebnis "bestellt" wurde, ist aber äußerst unwahrscheinlich
Wir kaufen Gas von den Russen sehr billig, das steht fest. Die Russen könnten ihr Gas mittelfristig woanders teuerer verkaufen...
3. Implizierend, es gäbe einen Abnehmer der noch mehr benötigt als Russland ihm nicht ohnehin bereits liefert.
Und der zudem im besten Fall über Pipelines an russisches Gas angebunden ist (sonst wirds für einen potentiellen Einkäufer erheblich teurer und unsicher).
Welcher wäre das, der von mittelfristig die ca. 190 Mrd. m³ Erdgas, die Russland jährlich an die EU liefert, zusätzlich benötigt?
Nicht dass ich sagen will diese Rechnung kann nicht aufgehen! Klar kann sie das, gesichert ist das aber keineswegs.
...und wir müssten Gas woanders teurer einkaufen. Zwei Schlussfolgerunen aus dem Artikel:
1. Ein Energieembargo der EU gegen Russland würde die russische Wirtschaft nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hart treffen
2. Die Wirtschaft in Deutschland und der EU aber kaum
... und Fehler Nr. 4:
Der Artikel schlussfolgert zu den Auswirkungen eines höheren Gaspreises gar nichts. Und stellt auch nicht in Frage, dass es zu einem höheren Gaspreis kommen und dadurch die Bürger der betroffenen Länder wirtschaftlichen Schaden davontragen würden.
Die Simulation berechnet einen Einbruch des russischen BIP von 2,9% bei einem Gasembargo.
Für Europa und insbesondere Deutschland berechnet die Simulation einen Anstieg des BIP von 0,1% (höhere Importpreise wirken sich nicht allein dadurch dass sie höher sind negativ (oder sonstwie) auf das BIP aus... der Mechanismus ist weitaus komplexer)
Die Gründe hierfür sind im Artikel (zumindest im Original) nachvollziehbar aufgeführt.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.02.2022 15:46).