Ansonsten merkt man dem Journalisten eine Menge Bias an: Über ukrainische Kriegsverbrechen etwa möchte er nur dann berichten, wenn eine "professionelle Überprüfung der Videos ... Anhaltspunkte liefert":
Sollte eine professionelle Überprüfung der Videos ergeben, dass sie authentisch sind, dann müssen die Medien selbstverständlich darüber berichten
Bei Behauptungen der ukrainischen Propaganda über vermeintliche russische Kriegsverbrechen legt er dagegen restlos keinerlei Kriterien an. Zu dem vermeintliche Massaker in Buchta etwa reicht ihm die Vorlage von Videos überhaupt (ohne jede Überprüfung) und die Behauptung, dass es "keinerlei Zweifel" gäbe.
Wir erinnern uns an die vielen Fälle, in denen unsere NATO-Politiker "bar jeden Zweifels" Lügen über jeden Staat verbreitet hatten, der nicht bei drei auf den Bäumen war.
Wenn man genauer nachfragt, worauf dieses "keinerlei Zweifel" beruhen möge, landet man bei einem Zirkelschluss: Die Videos mit den ukrainischen Unterstellungen sind das einzige, worauf sich die Behauptungen stützen. Die zahlreichen Fälschungsvorwürfe, die übrigens nicht nur von russischer Seite vorgebracht wurden, werden von dem "edlen Journalisten" schlicht ignoriert.
Also: Den meisten Argumenten des Journalisten Michael Haller stehe ich mit großer Zurückhaltung bis Abneigung gegenüber. Es stinkt. Gegen den Wind.
Seinem letzten Satz allerdings kann ich nur zustimmen: Man muss sich in ausländischen Medien informieren, um einigermaßen sachliche Daten zusammenzukratzen. Von den Russen wird man unmöglich etwas zu deren desolater Lage im Militär gesagt bekommen. Von den Ukrainern völlig undenkbar etwas zu deren Verbrechen an der eigenen Bevölkerung, zum Missbrauch ziviler Einrichtungen, zur massenhaft um sich greifenden mittelalterlichen Selbstjustiz - gut: Verbrennungen nehmen sie nicht vor, aber alle möglichen anderen Folterungen sehr gern -, zu dem acht Jahre langen Krieg gegen russischsprachige Bezirke.
Man kriegt recht ordentliche Daten aus bestimmten Kanälen der USA, aus China, punktuell sogar von europäischen Reportern vor Ort. Ebenso punktuell von kritischen Journalisten aus Russland - die übrigens dort noch immer nicht in Gefängnisse geworfen wurden, sondern fleißig weiter arbeiten. Die Russen wenden ihre diesbezüglichen Gesetze wohl eher selektiv gegen tatsächliche Propagandaschleudern an, was ich nun wieder verstehen kann. Im Gegensatz zum Westen, wo derzeit massiv alles unterdrückt wird, was nicht Mainstream-konform ist.