Antwort auf Re: Vernichtung der Ukraine? von kleinrudi.
kleinrudi schrieb am 06.04.2022 16:47:
"Whataboutism" ist das letzte "Argument" vor dem intellektuellen Offenbarungseid.
Unsinn. Wer diese Methodik anwendet zeigt, daß er selber der ursprüngliche Kritik nur durch Ablenkung vom Thema begegnen kann. Also dessen Offenbarungseid ist es.
"Whataboutism" wird gerne als Vorwurf erhoben, also Ablenkung vom eigentlichen Thema. Es ist aber keine Ablenkung, wenn man auf die Heuchelei und Doppelmoral, die unterschiedlichen Bewertung ähnlich gelagerter Fälle hinweist, sondern eine Widerlegung.
Wenn also jemand auf eine Völkerrechts- oder Menschenrechtsverletzung hinweist, und meint, die müsse geahndet werden, dann irrt er sich. Muss sie nämlich nicht, wie zahlreiche Fälle belegen.
Was du offenbar nicht verstehst: es ist keine Relativierung. Es ist der Nachweis, dass das Völkerrecht Mittel und nicht Zweck ist. Die USA wollen es benutzen, sich doch aber nicht in ihrer Handlungsfreiheit durchs Völkerrecht einschränken lassen.
Ist doch gar nicht so, dass Landnahme per se als Verbrechen gilt. Egal, ob mit Militär erzwungen, per Abstimmung durchgeführt oder schlicht, weil irgendwer irgendwo mal eine Flagge in den Boden gerammt hat.
Ein Angriffskrieg ist es im Gegensatz zu einer Abstimmung schon. Denn im letzteren Fall hat die Bevölkerung zugestimmt.
Du tust immer so, als wären das eindeutige Begrifflichkeiten mit klaren Anwendungsfällen, und ohne Interpretationsspielraum. "Angriffskrieg" ist eine Schuldzuweisung und nicht die Sachlage. Das ist Kindergartenniveau: "Russland hat aber angefangen!"
Nicht einmal das ist eindeutig feststellbar. Deine "Feststellung" verdankt sich der Willkür, einen bestimmten Zeitpunkt zu nehmen, also den, wo russische Soldaten die Grenze überschreiten.
Und dir fällt nicht mal mehr auf, dass dieses Moment für sehr viele Kriege zu ganz unerwünschten Beurteilungen führen würde. Die USA sind ständig auf fremden Terrtorium unterwegs - auch ohne eingeladen zu sein.
"Angriffskrieg" ist ein Argument für Leute, die von der Sache nichts wissen wollen. Und sich dann mit dem Aufschrei "Whataboutism" behelfen, wenn man ihnen nachweist, wie haltlos ihre Definition ist.