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  • exkoelner

mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

Das ist wohl die größte Sorge der beteiligten Regierungen. Eigentlich ein altbekanntes Phänomen. Schon Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel entdeckte den Verkauf von "Landeskinder" an die Briten, um die amerikanische Revolution nieder zu schlagen, als Einnahmequelle. Eine damals nicht unübliche Praxis. Der 30jährige Krieg hätte wohl nie 30 Jahre gedauert, wenn es keine Söldner gegeben hätte.

Was heute neu ist, bzw. war, das man Menschen nicht durch Zwang zur Teilnahme an solchen Irrsinn bringt, sondern durch orchestrierte, wenn nötig auch manipulierte Massen-Medienberichte. Deswegen, wohl aus der deutschen Geschichte gelernt, hatte ja der Medien-Profi Hans-Joachim Friedrichs wohl auch mal den Satz: "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache." gesagt. - Denn, ob eine Sache ne "gute" war, wird nach Kenntnis vieler Fakten später oft völlig anders beurteilt, als zeitgenössisch angenommen.

Ich dachte bisher, die 2 Weltkriege des 20. Jahrhunderts von Deutschland intensivst befördert, wären eine kollektive Erfahrung gewesen, die zu einer radikalen Abkehr von jeglicher, bis dahin üblichen Kriegs-Logik geführt hätte, Krieg ist Mist, egal aus was für einem Grund. Am Ende stellte sich immer regelmäßig heraus, es waren erbärmliche und das dadurch verursachte Leid, keinesfalls rechtfertigende Gründe.

Und um das fast zeitgenössisch nochmal zu bestätigen, waren angeblich freie Kriegsbericht-Erstatter, unabhängige Journalisten während des Vietnam-Kriegs in den 70ern, wichtiger Teil des Endes des Vietnam-Kriegs. Das von diesen öffentlich gemachte Massaker von My Lai der US-Army an der vietnamesischen Zivilbevölkerung, war wohl der Höhepunkt:

"Die GIs marschieren durch das Dorf, gehen von Hütte zu Hütte. Phan Tanh Cong war damals elf Jahre alt. „Wir saßen in der Küche, als die Amerikaner hereinstürmten. Wir waren sechs in meiner Familie. Sie schrien VC, VC, also Vietcong, und stellten uns an der Wand auf. Dann haben sie geschossen. Ich fiel mit den anderen um, aber ich war nicht getroffen. Die Leichen meiner Eltern und Geschwister lagen über mir. Und die Amerikaner hielten mich wohl auch für tot, deshalb habe ich überlebt. Ich fühle noch heute den Horror. Meine Brüder und meine Schwester – zwei, vier, sechs Jahre alt – wie können die Vietcong sein?“

https://www.deutschlandfunk.de/vietnamkrieg-das-massaker-von-my-lai-und-seine-folgen-100.html

Nur, war das der Grund für das Ende des us-geführten Vietnamkrieg? Oder gab es andere, womöglich ökonomische Gründe? Fast zeitgleich fiel die Dollar-Gold-Bindung, und die USA kam ökonomisch ins Trudeln. Jedenfalls änderte die US-Army ihre Strategie später in Sachen Kriegs-Journalismus, und es entstand der embedded journalism. Kann man seit dem noch von neutraler Berichterstattung in Kriegen sprechen? Vor allem, wenn man geopolitisch und ökonomisch einseitig interessiert ist?

Deutschland, West- wie Ost, war nie neutral. Aber wenigstens die bis 1990 praktizierte, Enthaltung an direkten militärischen Beteiligung, durch False-Flag, orchestrierte Propaganda getriggerten Konflikten, war eine gute, aus der Erfahrung mit vielen, schrecklichen und historisch belegten, falschen Schlussfolgerungen in der Vergangenheit, die einzige vernünftige Schlussfolgerung. Und jetzt mitzuerleben, dass das Wissen und die Erfahrungen von Generationen, komplett ignoriert wird, ist bitter.

Ein Land, mit solch dressierten, suizidalen Untertanen, das aus seinen Erfahrungen nicht lernen will, hat vielleicht wirklich keinen Platz mehr auf diesem Planeten? China, Russland, Indien wird es nach wie vor geben, womöglich die USA, aber ob es Deutschland noch lange geben wird, bei einer solchen Unbelehrbarkeit, das halte ich für fraglich. Und das hat mit den guten oder schlechten Kriegs-Reportern fast nix zu tun.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (06.04.2022 12:26).

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