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  • Klongeiger

580 Beiträge seit 02.01.2016

Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben

Jedes ihrer Worte spricht von völligem Unverständnis davon, was Schule ist und Verachtung derjenigen, die sie besuchen, ob als Lehrkraft oder Schüler:in.

Nur mal ein paar Beispiele:
Multiple-Choice-Tests bereiten Schülerinnen und Schüler nicht auf die Prüfungen vor, die sie dann tatsächlich zu bestehen haben.

Beispiel Deutsch, Original-Abituraufgabe: „Stellen Sie Michael Jaegers Interpretationsansatz dar". Da bin ich aber mal gespannt auf die Multiple-Choice-Optionen.

Wie eine vollautomatische PC-Auswertung einer Aufgabe wie „Berechnen Sie den Schnittpunkt der Geraden mit der Ebene“ aussehen soll, wenn in Zeile 1 ein Vorzeichenfehler ist, der Rest aber korrekt gerechnet will ich auch mal sehen. Von den Problemen bei der Texterkennung der Prüfungsarbeiten mal ganz abgesehen. Ach so, die sollen auch am Computer gemacht werden? Viel Spaß mit dem Formeleditor, wir sehen uns dann nächste Woche wenn ihr fertig seid.

In vielen Bundesländern gibt es auch zentrale Prüfungen, nix mit Zufallsgenerator. Wie sollte der denn in einem Fach wie Geschichte auch aussehen? "Welche Ereignisse fanden im Jahr Math.RandomInt(-6000,2020) statt und welche Bedeutung hatten sie im historischen Kontext?"

Manche Elterngespräche mögen ja vielleicht wirklich reine Zeitverschwendung sein, das sind dann aber die bei der die Schule eine Klage an den Hals kriegt wenn man nicht kommt. Das hat aber auch gar nichts mit Naivität zu tun, sondern mit viel schlechten Erfahrungen. Von den tumben Verallgemeinerungen die Sie da zu Eltern mit Migrationshintergrund ablassen wollen wir mal gar nicht reden. Und die Schulen, in denen es echte Probleme gibt (da können sicher für jede Großstadt welche genannt werden) machen die Arbeit für die Lehrkräfte ja nicht einfacher, sondern schwerer.

Die Lehrer:innen können an den Verhältnissen erst mal gar nichts ändern, als Beamte sind sie schließlich an die Weisungen des Dienstherren gebunden. Und bei denen liegt ja das Problem. Da kann man nicht einfach sagen "Ich mach nur noch Multiple-Choice-Tests, da spare ich mir viel Zeit beim Korrigieren". Zwei Klausuren pro Halbjahr, Minimum. Die Schülerinnen und Schüler wollen es nicht, die Lehrkräfte wollen es nicht. Aber die Kultusminister und eventuell noch die Eltern. Und die Wirtschaft. Weil man dann eine schöne Zahl hat, mit der man die Absolventen "vergleichbar" machen kann. So ein Schwachsinn. Eine 3 in Deutsch, was ist das? Kann nicht reden? Kann nicht verstehen? Kann nicht schreiben? Ist schlau, macht aber nie Hausaufgaben und bereitet sich nicht auf Klausuren vor? Hat die Lektüre nicht gelesen und darum keine Antworten gehabt? Hat beim Multiple-Choice-Test zu schlecht geraten?

Letztlich kann man nur mit den Füßen abstimmen: bestehende Lehrkräfte scheiden aus, entweder mit Burnout oder um diesen zu vermeiden. Neue gibt es nicht, weil keiner sich den Stress geben will. Nicht mal bei 14 Wochen "Urlaub" im Jahr. Da kommen ja die Probleme her. Das ist nicht der Fehler der Lehrkräfte, sondern der Politik.

Zusätzlichen bezahlten Bildungsurlaub bis zu fünf Tage bekommt man übrigens je nach Bundesland auch im normalen Arbeitsverhältnis. Da muss man kein Lehrer für sein. Und zwischen "angehalten sein" und "dienstverpflichtet" ist auch noch ein Unterschied.
Das ist aber auch ein falsches Argument, schließlich geht es nicht darum, ob es Berufe gibt, die noch mieser oder noch anstrengender sind (die gibt es ganz ohne Frage), sondern darum, wie man dem drohenden Mangel an Lehrkräften entgegenwirkt.

Denn auch der Maurer muss wissen, wie man den Bauplan liest und auch ein Pfleger muss die Dosis am Chemo-Tropf einstellen können. Keine Lehrkräfte -> keine Schule -> keine Wirtschaft. Ist aber nur ein weiteres Problem, was die Politik auf kommende Generationen abwälzt. Apropos Politik: schätzen Sie mal, wie viele der amtierenden Mitglieder der Kultusministerkonferenz selber mal Lehrer waren oder wenigstens Lehramt studiert haben? 4 von 35 (und einer ist direkt nach dem achtjährigen(!) Studium in die Wirtschaft gewechselt und stand vermutlich nie vor Schüler:innen. Dafür jede Menge Juristen, Volkswirte und Politologen. Da wundert es auch keinen mehr, dass sechs Jahre nach den geburtenstarken Jahren plötzlich nicht genug Schulplätze zur Verfügung standen.

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  1. - unbekannter Benutzer -33 Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
    1. Sinerider   Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
    2. pewoo -10 Hatte doch jeder die Chance, Lehrer zu werden
      1. unbekannter Benutzer   hält jung
    3. Klongeiger 17 Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
      1. unbekannter Benutzer -29 Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
        1. Klongeiger 20 Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
          1. unbekannter Benutzer   Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
            1. Klongeiger   Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
            2. Heb Stone   Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
    4. unbekannter Benutzer   Re: Wenn man bedenkt, wieviele Tage (bezahlten) Urlaub pro Jahr Lehrer haben
    5. unbekannter Benutzer   andere schaffen ganzjährig überhaupt nichts
    6. Randy19   Re: Extrem oberflächlicher Schwachsinn
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