Der "real existierende Sozialismus" als Vorstufe des Kommunismus kann keine Blaupause für ein kommendes antikapitalistisches System sein.
Der kommende Sozialismus wird frei sein, oder er wird nicht sein.
Einen anderen Sozialismus als den "real existierenden" hat es nie gegeben. Persönliche Unfreiheit gehört zum Wesen des Sozialismus, daran wird sich auch durch noch so viel Traumtänzerei nichts ändern. Persönliche Unfreiheit ist kollektivistischen Systemen wie dem Sozialismus wesenseigen.
Es gibt IMMER persönliche Freiheiten. Mal mehr, mal weniger. Je nach System.
In der DDR war eben z. B. die Urlaubsreise weitgehend beschränkt auf Ostsee oder Ungarn. Aber sie war grundsätzlich für JEDEN möglich.
Du warst KEIN Bürger der DDR, hab ich Recht? Und NEIN, selbst solche "Urlaubsreisen an die Ostsee" waren NICHT jedem möglich. Da gab es bspw. so feine Sachen wie die sogenannte "Ortsbindung". Heißt: Wer unliebsam auffiel (evtl. zu laut und zu oft eine abweichende Meinung äußerte), der wurde mit einer solchen "Ortsbindung" belohnt. Ausgesprochen wurde diese durch die Volkspolizei. Derjenige durfte dann seinen Wohnort nicht verlassen. Ortsbindungen wurden gern mit einem "Berlinverbot" und - ja, man höre und staune! - einem "Ostseeverbot" kombiniert.
Warum? Damit der Betreffende weder die Botschaft eines kapitalistischen Staates aufsuchen noch via Flucht über die Ostsee das Arbeiter- und Bauernparadies verlassen konnte.
Die "persönlichen Freiheiten", die man in der DDR "genießen" durfte waren äußerst begrenzt und konnten jederzeit wirksam und nachhaltig entzogen werden.
Freiheit, vor allem persönliche Freiheit, ist ein Konzept, dass ich für absolut unvereinbar mit der (prinzipiell kollektivistischen) Idee einer "sozialistischen Gesellschaftsordnung" halte.
Das ist ein Irrglaube. Denn die "persönliche Freiheit" ist in unserem kapitalistischen System ebenfalls stark eingeschränkt.
Es mag dich überraschen, aber mir ist die Freiheit, die ich im Rahmen unserer FDGO genieße, sehr viel lieber als der mir zwangsweise übergestülpte Kollektivismus der DDR.
Bei aller Kritik am Kapitalismus - es GIBT dort große persönlche Freiheit, und genau die gab es in der DDR nicht.
Die DDR hat die Grenzen nicht aus sozialistischen Gründen geschlossen. Zu viele Menschen verließen das Land, das wurde zu einem Problem - das bestenfalls indirekt mit Sozialismus zu tun hatte.
Du bestätigst damit, was ich geschrieben hatte.
Die DDR schloss am 13. August 1961 die Grenzen, und zwar NUR für ausreisewillige DDR-Bürger. Dieses Ausreiseverbot wurde mit Waffengewalt durchgesetzt. Die SED (und ausschließlich die!) bestimmte also darüber, wo der einzelne DDR-Bürger leben durfte und wo nicht. Die DDR dauerhaft zu verlassen wurde unmöglich. Das ist nichts anderes als eine Spielart der Leibeigenschaft.
Und JA, das waren sehr "sozialistische Gründe"! Warum die Menschen damals die DDR verließen, kannst du ja mal bei denen erfragen, die es vor 1961 taten: Das repressive sozialistische System der DDR nahm ihnen ihre persönlichen Freiheiten. Wie bspw. die Freiheit, den Wohnort selbst zu wählen, den beruflichen Werdegang selbst zu wählen usw. usw.
"Es gingen zu viele in den Westen, das hat die DDR wirtschaftlich nicht verkraftet, deshalb MUSSTEN die Genossen ja den antifaschistischen Schutzwall errichten und jene Unbelehrbaren erschießen, die ihn von innen her zu überwinden versuchten, um die DDR illegal zu verlassen!" - Ja, das sind ganz sicher KEINE "sozialistischen Gründe", schon klar ...
Aber DAS einem Nicht-DDR-Bürger zu erklären scheint wirklich ein aussichtsloses Unterfangen zu sein.
Die Versprechungen des Westens waren gülden - und niemand in der DDR dachte an die negativen Eigenschaften der "freien" Marktwirtschaft.
In die Freiheit und in eine größere wirtschaftliche Sicherheit, in den Wohlstand des "güldenen Westens" auszuwandern war das Recht und die persönliche, freie Entscheidung vieler DDR-Bürger.
Du kannst nicht diese damalige Entscheidung kritisieren oder verspotten und gleichzeitig die Migranten, die heute aus Afrika aus den gleichen Gründen in den "goldenen Westen" kommen, uneingeschränkt willkommen heißen.
Falls du das doch kannst, nennt man das kognitive Dissonanz.
Und bitte - nicht wieder die alte Leier "das war ja damals gar kein richtiger Sozialismus" ...
Das, was in ALLEN sozialistischen Staaten als Unfreiheit zur Staatsdoktrin wurde, war beleibe kein "Irrweg", sondern das reale Abbild der "Lehre von Marx/Engels/Lenin ..."Nein, das war auch kein "richtiger Sozialismus".
Den richtigen, freien Sozialismus, den muss man erst erfinden und neu schaffen.
Klar doch.
Ist ganz einfach, hätte man auch drauf kommen können ...
Ist ja nicht so, dass JEDES sozialistische Experiment in den vergangenen 105 Jahren wieder und wieder an genau den gleichen, systemimmanenten Fehlern des Sozialismus / Kommunismus gescheitert wäre ...
Nöö, ich finde nicht, dass der Kapitalismus das beste aller Systeme ist, aber ich ziehe ihn dem per se in die Unfreiheit führenden Sozialismus deutlich vor.
Und daran wirst du ebenso wenig ändern können wie ich an deinem Glauben, es gebe so etwas wie einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz".
Agree to not agree ...
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.10.2022 10:16).