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Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links

Oliver Schad schrieb am 23.10.2022 15:51:

Wer den Raub der Kapitalisten an den Arbeitern "schöner" machen will, humaner, der will womöglich auch Vergewaltigung erträglicher machen, indem man dem Opfer Tabletten gibt.

Volle Zustimmung!

Links kann nur sein antikapitalistisch zu sein und das will im Führungskader der Linkspartei NIEMAND. Wagenknecht kritisiert immer gewisse Höhen von Gewinnen der Reichen. Gewisse Menge des Reichtums. Aber doch nie Reichtum an sich und kapitalistische Ausbeutung an sich.

Auch da gehe ich mit, selbst bei der durchaus im Raum stehenden Kritik an Wagenknecht. Sie selbst gehört halt auch nicht zu der Klasse, die sie vertreten will.

Daher ist der Streit in der sogenannten Linkspartei mehr oder weniger zwischen 2 sozialdemokratischen Positionen, die im Rahmen des Kapitalismus eine schönere Wandtapete herrichten möchte. Beide Positionen sind ganz weit weg von links und sich diesen Streit zu eigen machen, ist auch völlig bekloppt.

Alles, was über Sozialdemokratie hinausgeht, wäre hierzulande als FDGO-feindlich nicht politisch vertretbar. Eine komplette Gesellschaftsumgestaltung im Sinne des Klassenkampfs wäre halt immer eine Revolution, welche sich automatisch gegen die etablierte Ordnung, sprich das Grundgesetz, wenden muss. Damit aber wäre eine solche Ansichten vertretende Partei de jure verfassungsfeindlich. Dies hat ja nicht zuletzt zur jahrelangen Beobachtung durch den Verfassungsschutz geführt und so mancher "rote Socken"-Kampagne und Häme seitens FDP und CDU (aber auch von den Konkurrenten der SPD) Vorschub geleistet. Wagenknecht wurde ja medial anfangs als Stalinistin bekämpft...

Tatsächlich beschränkt sich "Links" in DE darauf, am Tisch des Kapitals zu bitten und zu betteln, dass doch die Brosamen, die für das Proletariat abfallen, nicht zu gering ausfallen mögen, damit dieses davon noch gerade so überleben kann. Dafür sorgt man auch durch wertepolitische Schwerpunktsetzung für bessere Verwendbarkeit und Individualisierung, damit sich gar nicht erst kritische Masse bilden kann. Nur, wieviel mehr wäre denn tatsächlich möglich und auch realistisch erreichtbar?!

Wageknechts Position ist natürlich auch noch nationalistisch sozialdemokratisch, also deutsche Arbeiter vor Ausländerarbeiter. Links ist solidarisch weltweit zu sein und sich nicht ausspielen zu lassen gegeneinander. Das hieße dann zum Beispiel auch laufend zu thematisieren, wie es mit der Armut in der EU-Peripherie aussieht, wie es mit dem Welthunger aussieht.

Wann hat Wagenknecht jemals so Themen wie Welthunger, 10 Mio. Hungertote vorgetragen? Ich kenne als Gegenbeispiel Jean Ziegler, der in jedes Mikrofon vom Mord sprach, jeder Hungertote wird ermordet, denn aus niederen Motiven wird wissentlich und geplant ausgebeutet und verarmt: das ist das Wesen des Kapitalismus.

Wer hier auf die weltweite Solidarität der Arbeiterklasse abhebt, muss sich bewusst machen, dass diese mittlerweile zu einem Instrument des Kapitals verkommen ist, indem die letzten Versorgungsverpflichtungen ebendieser selbst anheim gestellt werden, wo solidarische Hilfe untereinander an die Stelle der Verpflichtung der Besitzenden tritt und zugleich ausgespielt wird, um die Umverteilung von unten nach oben noch zu beschleunigen.
Wie soll das notleidende Proletariat hierzulande denn weltweit die Hungerleidenden versorgen, wenn es bald selbst nichts mehr zu kauen hat?! Die Armen sollen die Armen unterstützen, während die Bonzen von oben darauf hinabsehen und sich ins Fäustchen lachen ob der so für so sprudelnden Gewinne; denn deren "Investments" profitieren am Ende auch noch von der Armut.

Ohne unerreichbare, ja, seit Marx und Engels in immer weitere Ferne gerückte, Weltrevolution wird man dem aber nicht beikommen können. Und da ist die weltweite Staatsgewalt, die mediale "Erziehung" und bewusste Spaltung der Gesellschaft davor...

Man kann und muss eben zuerst auf der Ebene ansetzen, wo man überhaupt noch eine minimale Chance hat, etwas bewirken zu können, anstatt in utopistischer Manier gleich die ganze Welt retten zu wollen. Das mag dem indoktrinierten Neolinken ja als Nationalismus erscheinen, ist aber eigentlich eher Realismus und v.a. Pragmatismus.
Deutsche Politiker sitzen eben im deutschen Bundestag und in den Gremien der EU - nicht aber in einer fiktiven Weltregierung. Entsprechend beschränkt sich ihre Wirkmacht eben auch nur auf eben diesen Bereich, nicht jedoch auf die Sphären anderer Regierungen und Nationen.
Ist nicht gerade diese Einflussnahme, dieses "linke Zivilisation" zu den "Heiden" tragen, nicht selbst eher imperialistisch und kolonialistisch zu nennen?! Am "linken Wesen" soll die Welt genesen?!

Globale Veränderung - in Form einer Revolution - kann eben nur geschehen, wenn sich die Arbeiterklasse weltweit selbst von ihren Ketten befreit, nicht, wenn deutsche Salonlinke meinen auf dem Buckel der hiesigen Arbeiterschaft die Welt retten zu können und allem und jedem Vorschriften zu machen.

Bei Wagenknecht klingt das dagegen so, als müssten wir ein bissl netter zueinander sein und dann geht das schon.

Auch mir fehlt bei Wagenknecht oft genug die Schärfe und Entschlossenheit.
Aber ein vernünftiger Umgang auf Augenhöhe, ohne moralische Überlegenheitsdünkel, wäre zumindest mal ein Anfang, die Risse und Verwerfungen innerhalb der Arbeiterklasse zu überwinden und überhaupt erstmal wieder einen Klassenkampf zu etablieren.
Mittlerweile stehen sich ja Altmarxisten und neoliberale Ultraprogressivisten unversöhnlich zähnefletschend gegenüber, wobei letztere noch die Unterstützung der herrschenden Klasse hinter sich wissen, während die Gegenseite keinen Rückhalt mehr erfährt. Somit bereits ein aussichtloser Kampf...

Generell bin ich übrigens der Meinung, dass in einer Demokratie der Ausgleich zählt und das Schlimmste, was ihr passieren kann, die alleinige Übermacht einer Ideologie ist. Ich will weder eine rechte noch eine linke Dominanz, sondern eine Balance der Kräfte, mit starker Opposition. Dagegen haben wir derzeit - eigentlich schon beginnend unter Kohl - einen Einheitsbrei, wo es keinen Diskurs, keine Dissonanz, mehr gibt, sondern Gruppenkuscheln (außer mit den Stinkern von der AfD - irgendein Feindbild braucht es ja doch noch) oder Totalblockade.

So wie Strauß seinen Wehner, Kohl seinen Schmidt, hatte, so braucht es wieder den politischen Kontrast, offen ausgetragen in der parlamentarischen Arena, ohne weichgespültes Konsenztheater und Einheitsblock von PdL bis CSU. Parlamentarische Demokratie lebt vom Pluralismus, nicht von Koalitionsgeschacher und "taktischen Bündnissen".

Aber wer heute im Parlament noch seine Meinung sagt, ist raus; spätestens zur der nächsten Wahl, weshalb Politiker halt lieber Schildkröte spielen und beim geringsten Donnerwetter den Kopf einziehen. Mittlerweile ja auch etablierte Taktik im social engeneering, snowflakes heranzüchten, die sich bei der kleinsten Verbalinjurie getrigger fühlen und heulend den safe-space aufsuchen, wo sie dann mit Zeter und Mordio die Gewalten von Himmel und Erde gegen den bösen Widersacher heraufbeschwören, dass die ihn gefälligst canceln und "wegmachen" mögen.

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  1. - Oliver Schad -8 Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
    1. Freier_Waehler 71 Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
      1. Oliver Schad   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
    2. unbekannter Benutzer   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
    3. Subzero -30 Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
      1. Jian 40 Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
        1. Subzero   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
        2. Karl Sten   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
          1. unbekannter Benutzer   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
        3. wenigerquatschenmehrschieben   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
          1. Jian   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
      2. tzefix 10 Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
        1. Subzero   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
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            1. Subzero   Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
        2. Herr Jeheimrat -20 Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
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            2. Subzero 10 Re: Links == antikapitalistisch, alles andere ist NICHT links
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