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mehr als 1000 Beiträge seit 01.08.2017

Gegenargumente

Da Frau Dagdelem nun als Referenz zum Ukrainekrieg zitiert wird, verdienen Ihre Behauptungen einer kurzen kritischen Würdigung:

Nach neuen Umfragen ist die Mehrheit der Deutschen gegen die Entsendung von Kampfpanzern in die Ukraine.

Diese Aussage ist sachlich falsch.

Nachdem die Bundesregierung beschlossen hat, der Ukraine zur Verteidigung gegen Russland Kampfpanzer vom Typ Leopard zu liefern, stimmt nun auch eine knappe Mehrheit der Bevölkerung dieser Maßnahme zu. Laut einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa für RTL und NTV halten 53 Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger das Vorgehen für richtig, 39 Prozent finden es nicht richtig. Abgelehnt wird die Entscheidung weiterhin von einer großen Mehrheit der Ostdeutschen und vor allem von den Anhängern der AfD.

Quelle: https://www.stern.de/politik/deutschland/ukraine-blitzumfrage--mehrheit-der-deutschen-unterstuetzt-panzerlieferungen-33135386.html

Tatsächlich gab es hier wechselseitige Effekte zwischen der Haltung von Herrn Scholz und der Einstellung in der Bevölkerung. Scholz hatte durch sein "Njet" zu Panzerlieferungen nicht unwesentlich die Meinung in der Bevölkerung beeinflusst. Nachdem seine Haltung aber zusehend untragbar wurde, schwenkte er um und mit ihm auch die Einstellung in der Gesellschaft zu den Lieferungen.

Und dann ist da noch der 31. Januar, der 80. Jahrestag der Schlacht von Stalingrad. Jede Familie in Russland hat in dieser Schlacht von Stalingrad Angehörige verloren. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Verschickung deutscher Panzer gegen Russland in diesen Stellvertreterkrieg der Vereinigten Staaten eine noch stärkere Mobilisierung der russischen Gesellschaft zur Folge haben wird.

Hier sollte man Nachsicht mit der Autorin haben, es war ihr vermutlich nicht bekannt, dass "auf dem Territorium der von der Hitlerarmee besetzen Ukraine über 5,7 Mio. Menschen (4,148 Mio. Zivilisten und 1,571 Mio. Kriegsgefangene) umgekommen [sind]".
Quelle: https://texty.org.ua/projects/103857/okupaciya_de/#:~:text=Auf%20dem%20Territorium%20der%20von,Kriegsgefangene)%20umgekommen.

Verpflichtet uns nicht gerade dieser Massenmord an ukrainischen Menschen, den Hitlerdeutschland begangen hatte, ebendiese Menschen nun vor einem neuerlichen Massenmord und Massenvertreibung zu beschützen?

Es ist mir fast schon unangenehm, in einem intellektuellen Leserforum nochmal die Basics der Deutschen Geschichte wiederholen zu müssen: Hitlerdeutschland hatte damals die Sowjetunion (inkl. Ukraine, Russland etc.) überfallen, während heute die ganze zivilisierte Welt versucht, der Ukraine Material zu liefern, mit dem sie sich vor einem ähnlichen Angriff durch Russland wehren kann.

Die meisten gebildeten Menschen sollten doch die Fähigkeit erlangt haben, fundamental unterschiedliche Begriffe wie "sich wehren" und "jemanden angreifen" voneinander zu unterscheiden.

Wir haben eine wirklich extrem kriegstreibende Atmosphäre in Deutschland, verursacht durch die Mainstreammedien.

Die Prämisse dieser Aussage ist, dass "Unterstützung für Ukraine" mit "Kriegstreiberei" gleichgesetzt wird.
Ich kenne keine einzige relevante Tages- oder Wochenzeitung in Deutschland (FAZ, Spiegel, Focus, Zeit etc), die einen Krieg befürwortet. Jedoch sprechen sich weitgehend alle für eine angemessene Unterstützung der Ukraine aus, damit diese den brutalen Angriff Putins auf die ukrainischen Menschen abwehren kann.

Man könnte sogar den Spieß umdrehen und feststellen, dass es gerade das Versagen von Hilfe ist, das die Putin'schen Angriffsbemühungen unterstützt und damit selbst kriegstreiberisch ist. Und Frau Dagdelems ständige Vorwürfe der Kriegstreiberei wären letztlich nur die Projektion eigener aggressiver Tendenzen auf andere.

Also drängt man uns, die Deutschen, in dieses Feuer, in die Frontlinie des Kriegs

Ein klassischer Strohmann, dazu noch nicht mal subtil. Niemand hat gefordert oder erwartet, dass "die Deutschen" an die Front gehen.
Und mit welchem Recht - moralisch, völkerrechtlich und sonstigem - sollten wir der Ukraine verbieten, Fahrzeuge, Panzer, und andere Geräte innerhalb ihres Staatsterritoriums einzusetzen?

Wir folgen der Interessenpolitik der Vereinigten Staaten

Nur weil man vor 20 Jahren mal ein Buch von Brzezinski gelesen hat, heißt das noch lange nicht, dass man anno 2023 noch topaktuell informiert ist oder dass Brzezinskis geostrategische Gedanken nun eine hinreichende Erklärung für die aktuellen Geschehnisse liefern.
Auch hier hilft allen abgebrochenen Langzeitstudenten ein kurzer Blick ins Geschichtsbuch: Zusammenbruch des Warschauer Pakts und regelrechte "Migration" der Ostblockstaaten weg von Russland und hin zur NATO, um eine künftige befürchtete "Zwangseingemeindung" durch ein wiedererstarktes Russland zu verhindern.
Niemand kann ernsthaft bestreiten, dass es Russlands Imperialismus war, der die Anrainer um Schutz ersuchen ließ. Der Ukraine verwehrte man diesen Schutz, wenig überraschend marschiert Russland ein und versucht nun mit Gewalt, sich die Ukraine einzuverleiben.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (02.02.2023 17:16).

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  1. - unbekannter Benutzer -27 Gegenargumente
    1. Ratsdelftspucker 64 Re: Gegenargumente
      1. unbekannter Benutzer 0 Re: Gegenargumente
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          1. unbekannter Benutzer   Re: Gegenargumente
          2. Feiertage2022   Es gilt aber mein letzter Satz. Damit gut. *LOL*
          3. Talmex   Re: Gegenargumente
      2. auf_der_hut -10 Re: Gegenargumente
      3. BO_FC   Re: Gegenargumente
        1. unbekannter Benutzer   Re: Gegenargumente
    2. Holm Andree Jochmann 10 Re: Gegenargumente
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