Ich finde deinen Beitrag erfrischend positiv hier im Forum, wo so viele andere sonst einfach nur Migrantenbashing betreiben. Dein 3. schließt aber dein 1. aus und das lernt man tatsächlich in der Einführung in die Fachdidaktik, bevor im Referendariat und danach die Autoritarismus-Lehrer:innen einem dein 3. einbläuen. Wenn ich auf die Schiene gehe, dass die "bösen" unbedingt härter bestraft werden müssten, als sie es derzeit werden, treibe ich nur ihr Othering voran und je mehr die von mir geothert sind, desto weiter entferne ich mich von Pranges didaktischem Dreieck. Bei Fuck Ju Göthe ist das fürs Privatwerbefernsehen alles ziemlich extrem überzeichnet, aber wenn man das als Vergleich heranzieht, dann machst du dich damit zu Ingrid Leimbach-Knorr. Zeki Müller schafft in der comichaften Zeichnung des Films das Dreieck herzustellen, weil er in seiner Jugend genau so war wie seine Problemschüler. Die Schutzbehauptung, die Eltern wären nicht bestrafend genug gegen ihre Kinder, kann ich nicht teilen. Aber ich weiß, dass die Mehrheit der Lehrer:innen das glaubt. Ich saß schonmal in einem Raum in einer Besprechung zwischen Lehrern, Eltern und Schulpsychologen, wo die Mehrheit der Lehrer:innen und auch die Schlusshaltung der Direktorin den Eltern an allem die Schuld zuwies, obwohl der Psychologe, der als einziger die Situation zu Hause kannte, gerade zwei Stunden lang dargelegt hatte, warum die Vorurteile der Lehrer:innen falsch sind. Aber es kann nicht sein, was nicht sein darf, und schließlich brauch tman immer einen Sündenbock. Diese Art Lehrer:in sind auch die, die dann den Satz rezitieren" Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander", während sie permanent die Eltern beleidigen - klar, ich schaffe miteinander, indem ich die anderen beleidige -- aber ist ja keine Beleidigung, wenn ich keine Wörter aus der offiziellen Beleidigungswörterliste verwende...? Die Zustände sind krass schlimm, so schlimm, dass du an jeder Schule einzelne Lehrer:innen findest, die in ihren Pausen das Lehrer:innenzimmer meiden wie die Pest, damit sie sich dem nicht aussetzen. Aber wer Schuld und Mehr Strafe sagt und dabei die Stimme mild hält, hat heutzutage immerschon recht, das passt zum Rechtsruck, Professor Schnauz wird gedisst und
der autoritaristische Lehrer, bei dem die Kinder spuren, ist die goldene Zukunft - wie sich das für einen Defa-Film aus dem Jahre 1944 gehört. Schweden, dort wie die Rechtsaußenpartei die Regierung stützt, schlägt gerade diese Woche einen Wechsel weg von Diversifizierung und Selbstständigkeit, hin zum guten alten Frontalunterricht vor. Man redet sich halt ein, dass die Lernresultate früher besser gewesen wären, scheiß auf die Wissenschaftler:innen, die sich damit wissenschaftlich auskennen. VW und BMW sollten gefälligst auch aufhören, Ingenieure die Autos konstruieren zu lassen, und stattdessen Mechaniker an die Zeichenbretter setzen?
Letztenendes steckt aber auch in deinem 1. eine Gefahr, weil da schon der Perfektionismus schlummert, der jede Lehrer:in verurteilt, wenn sie nicht diese Resultate schafft. Gute Lehrer sind die so perfekten und wer das nicht ist, solls einfach nicht werden? Wir haben irgendwie zu wenige Lehrer:innen und ich kann mich halt auch fragen, obs nicht eventuell besser ist, die Kinder ab und an von jemand etwas weniger überpefektem Superstar unterrichten zu lassen, als wenn ich sagen muss: Sorry Leute, dieses Schulhalbjahr müsst ihr wieder mit Lehrbuch allein ohne Lehrer pauken, Zeki Müller unterrichtet schon im Tandem 12 Klassen alleine und mehr schafft auch er nicht.