Vielen Dank für Ihre differenzierte und fundierte Replik.
Leider ist es in diesem Format nicht immer möglich, Argumente ausreichend zu entwickeln und damit zu präzisieren, sodass sie manchmal Anlass zur Kritik oder Widerspruch geben.
Daher nehme ich Ihre Antwort zum Anlass, einige Punkte etwas "nachzuschärfen":
Der Punkt 1 ist natürlich nicht absolut und er ist nicht exklusiv. Man kann sich das wie in der Musik oder im Sport eher als Kontinuum vorstellen, mit Leuten, die eine verschieden gute/hohe Begabung in einem Gebiet haben: So weiß man etwa von den Spitzenmusikern, dass sie z.T. schon mit 1.5 oder 2 Jahren anfingen, von sich aus auf irgendwelchen Klaviertasten zu klimpern und Melodien, die sie gehört hatten, nachzuspielen. So ein enormes Talent geht dann nicht selten auch mit einem sehr hohen Eigeninteresse und Eigenmotivation einher, sich mit dem Gegenstand der eigenen Begabung ausführlich und intensiv zu beschäftigen.
Selbstverständlich würde man niemanden vom Erlernen des Klavierspielens abhalten, nur weil er kein absolutes Gehör hat und und deutlich weniger feinmotorisch und rhythmisch begabt ist - auch so jemand kann am Ende ein sehr passabler, ja sogar guter Musiker werden, vielleicht auch Klavierlehrerin etc.
Dennoch möchte man meinen: Wenn jemand nun rein gar nicht mit Menschen kann, jemand, der z.B. wenig Empathie hat, und auch besondere kognitive Operationen wie theory of mind ihm oder ihr nicht besonders gut liegen, wenn jemand also nur bedingt auf die motivationellen und emotionalen Bedürfnisse und Äußerungen der Schüler in der Lage ist zu reagieren, umso schwerer wird dieser Lehrperson das Unterrichten fallen und umso unbefriedigender wird der Unterricht für alle ausfallen. Solche Lehrkräfte landen nicht selten im Burnout, weil sie erheblich mehr Energie mit allerlei Konflikten verbrauchen, die sie mit etwas mehr Perspektivenwechsel eingespart hätten.
Und der Punkt #3 ist keineswegs als exklusive Strafinstanz zu sehen - es geht nicht darum, jeden der eine Verfehlung oder unerwünschtes Verhalten zeigt zu "bestrafen".
Vielmehr geht es darum, dass klare Grenzen aufgezeigt werden und dass sowohl Kindern und Eltern bewusst ist, dass es "rote Linien" gibt, die man entweder respektiert, oder Konsequenzen zieht.
Wenn man etwa wie kürzlich lesen muss, dass in manchen Schulen Kinder wohl regelhaft bewaffnet zum Unterricht erscheinen, mit Reizgas, Totschlägern oder Messern ausgestattet sind, und eine Schuldirektorin, die zwei randalierende Schüler beruhigen will, so gewaltsam umgestoßen wird, dass diese sich dabei die Knochen bricht, dann deutet das darauf hin, dass dieses Gefühl für Grenzen hier nicht bestanden hat. Und das kann ganz besonders an einer pädagogischen Einrichtung eigentlich nicht sein.
Grenzen sind ein pädagogisch essentielles Mittel, nicht weil sie jemanden zum Lernen motivieren wollen, sondern, weil sie ein Miteinander ermöglichen, welches für jedwedes produktives Wachstum und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit unabdingbar ist.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (22.12.2023 14:29).