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  • Species 8472

mehr als 1000 Beiträge seit 11.10.2013

Das wurde schon mal durchgerechnet

Irgendein Forent verlinkte hier schon einen Artikel, in dem der Autor durchrechnete, wie es funktionieren könnte. Ich gebe es mal zusammengefasst wieder:

Wir importieren 55 Mrd m³ Erdgas aus Russland. (Das erschöpft die Leistungsfähigkeit von North Stream 1; daher wurde North Stream 2 als Erweiterung gebaut; aber das nur am Rande.)

Es gibt weltweit 470 LNG-Tanker; alle sind ausgelastet und warten keineswegs darauf, dass Deutschland gern LNG statt "Leitungsgas" haben möchte. Jeder Tanker hat im Schnitt eine Kapazität von 147.000 m³ Flüssiggas (LNG). Die größten haben eine Kapazität von 250.000 m³ LNG.

Die Auslastung der Tanker dürfte mit der "Serien-Sanktion gegen Russland" eher steigen als fallen; so dass Deutschland sich bei den Bestellungen der Transporte einreihen müsste. Aber nehmen wir mal an, es gäbe durch ein Wunder genug Tanker für die deutschen Anforderungen.

Nun braucht man noch eine Zahl: Das Volumen von Flüssiggas (LNG) ist 260 Mal kleiner als das von "Leitungsgas" aus der Pipeline. Ein Tanker ersetzt also rund 38,2 Millionen m³ "Leitungsgas".

Der Rest ist einfache Mathematik aus der Grundschule:

55 Milliarden m³ "Leitungsgas" = 1.440 Schiffsladungen LNG = 4 Schiffe pro Tag
Für das Be- und das Entladen wird je 1 Tag benötigt; für die Hin- und Rückwege sieht der Autor 14 Tage vor.

Damit müssen permanent folgende Schiffe unterwegs sein:
+ 4 Schiffe liegen im Hafen zum Löschen der Ladung
+ 4 Schiffe liegen im Hafen zum Betanken

Damit auch wirklich jeden Tag 4 Schiffe ankommen, müssen je 56 Schiffe auf dem Hin- und auf dem Rückweg sein:

+ 56 Schiffe sind unterwegs nach Deutschland
+ 56 Schiffe sind unterwegs zum Betankungsort

= 120 Schiffe nur für Deutschland Nochmals: Es gibt derzeit gerade mal 470 LNG-Tanker weltweit. Deutschland braucht also GANZ ALLEIN schon 1/4 der weltweit verfügbaren LNG-Schiffskapazität. Und das auch nur, um den bisherigen Bedarf zu decken.

Die deutsche Wirtschaft darf also in den nächsten Jahren keinesfalls wachsen.

Dazu kommt: Die Schiffe gehören Deutschland nicht. Sie werden von privaten Reedereien betrieben. Und die orientieren ihre Transport-Preise an der Nachfrage ihrer Schiffe. Hoffen wir also alle, dass weltweit sonst niemand mehr LNG haben möchte (oder einfacher: dass nirgendwo auf der Welt die Wirtschaft wächst, denn Gas wird nicht nur zum Heizen gebraucht). Denn dann kann es schnell RICHTIG TEUER werden; ganz ohne Gaspreis-Erhöhungen. Wie teuer? Nun, in der Corona-Pandemie stiegen die Preise für einen einfachen Seefracht-Container von 1.800 auf 9.800 USD; stiegen also auf das 5,5fache. Und ja, da MUSS dann jeder beliebige aufgerufene Preis bezahlt werden; denn anderenfalls wird's kalt in Deutschland. Im Gegensatz zu "Leitungsgas"-Anbietern, die keine derartigen Krisen-Probleme haben und daher auf Langfristigkeit setzen, werden die Reedereien sich bei diesem Andrang hüten, allzu langfristige Verträge zu machen, denn neue Schiffe bauen dauert Jahre.

Quelle: https://egon-w-kreutzer.de/fluessiggas-vom-milchmaedchen

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (15.03.2022 20:35).

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  1. - Species 8472 100 Das wurde schon mal durchgerechnet
    1. RMinusP 87 Re: Das wurde schon mal durchgerechnet
      1. c.renée 85 Re: Das wurde schon mal durchgerechnet
        1. der_kleine_techniker 100 Re: Das wurde schon mal durchgerechnet
        2. Species 8472 30 Die wissen sehr genau, was sie tun --- also zumindest die Amis
    2. Tuko2000 100 Danke für diese Berechnung
    3. kasper993 40 Re: Das wurde schon mal durchgerechnet
    4. Bitte...   "Es gibt weltweit 470 LNG-Tanker"
      1. Species 8472   Nicht zu vergessen die Ruderboote mit Gaskanister! Dann gibt's locker 10.000.
    5. Ammerländer   Re: Das wurde schon mal durchgerechnet
      1. Species 8472   Danke (kwT)
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