Emrymer schrieb am 04.04.2023 09:59:
Sind Sie sicher, dass das dieselben Personen waren?
Denn mit den Neugeborenen waren ja vermutlich vor allem die Ärzte der Entbindungsstation befasst, und die werden vermutlich dann eher seltener mit Jugendlichen zu tun haben.
Wenn es nicht dieselben Personen sind, läuft, soweit ich sehe, der Vorwurf der "Doppelmoral" ins Leere: da haben eben verschiedene Leute verschiedene Vorstellungen, was für das jeweilige Kind "gut" sein sollte.
also zum einen braucht's da schon ein bisschen mehr dazu als nur einen Arzt auf der Entbindungsstation.... Solche frühkindlichen Operationen brauchen ja eine jahrelange Nachsorge und teilweisse Folgeoperationen, später eventuell noch Endokrinologen usw. Das Kind wächst ja. Das war ja kein first time final, sondern das waren jahrelange Behandlungen. Da haben sich schon ausgewiessene Spezialisten herausgebildet.
Berüchtigt in dem Zusammenhang wurde John Money (David Reimer!) am John Hopkins, der ja dann andersherum auch die extrem selektive und restriktive medizinische Behandlung von Transmenschen dort durchgeführt hat. Da gibt's durchaus Überschneidungen.
Zum anderen meinte ich jetzt nicht unbedingt nur die beteiligten medizinischen Professionen, sondern in erster Linie diejenigen, die sich aus vornehmlich politischen Gründen jetzt ausgerechnet Transjugendliche und Kinder als schutzwürdiges Sujet herausgepickt haben, die es vor Beeinflussung und medizinischer Hilfe zu schützen gälte.
Und natürlich ist es in gewisser Weise ein medizinisch/psychologisches Dilemma, weil für Transjugendliche eine frühe Angleichung natürlich vorteilhaft ist, nicht nur was das körperliche Ergebnis angeht. Die müssen die empfundene gegengeschlechtliche Pubertät wenn keine Behandlung passiert nämlich auch erst mal überleben. Speziell wenn die in einem wenig supportiven Umfeld leben. Viele tun das nicht. Insofern ist Warten und Vertrösten nicht wirklich eine Option.
Es ist andererseits natürlich immer auch schwierig von aussen zu entscheiden, wie tragfähig der Entschluss zur Angleichung in einem Alter ist, in dem bei einer normalen Entwicklung die psychosexuelle Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Nur ist eben aus der Sicht von Transjugendlichen an dieser Entwicklung nichts normal.
Insofern denke ich eben, bevor man da mit starren Schemata operiert, muss man eben das Kind/den Jugendlichen auch professionell begleiten und mit ihnen gemeinsam einen Weg finden. Der sollte aber auch nichts von vorneherein ausschliessen.