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  • tzefix

mehr als 1000 Beiträge seit 12.05.2010

Re: Zugegeben

Bajoran schrieb am 27.02.2022 12:55:

Bei all den drei großen Konflikten, die ich beschrieben habe, gab es die Möglichkeit einer friedlichen Lösung.

Sicher, wenn der Wille dazu da gewesen wäre.

Bei WW I + II vor Ausbruch des direkten militärischen Konflikts. Vor dem ersten Weltkrieg gab es eine gewaltige Friedensbewegung.

Es gab auch einen Kriegswillen. Sogar weit verbreitet in der Bevölkerung. Nach meinem Informationsstand führte die vorhergegangene Kriegstreiberei zu einem Gefühl der Befreiung, als es endlich los ging.

Keine Friedensbewegung konnte diesen Kriegswillen aufhalten.

Vor dem zweiten Weltkrieg war das speziell in Deutschland natürlich nicht möglich, aber wenn die Westmächte frühzeitig auf das Bündnisangebot der Sowjetunion eingegangen wäre... wer weiß? Aber nachdem die Kampfhandlungen ausgebrochen waren, war doch wohl eine friedliche Lösung nicht mehr drin, oder?

Auch der 2. Weltkrieg wurde herbeigesehnt. Gerade die Menschen in Deutschland sahen den Vertrag von Versailles als ungerecht, was er wohl auch war. Man wollte den Verlust des 1. Weltkrieges ausgleichen. Auch hier scheinen die Menschen mit Begeisterung in den Krieg marschiert zu sein.

Während des Kalten Kriegs gab es ebenfalls eine gewaltige Friedensbewegung, und trotzdem gab es zum Schluss einen Sieger, der ab 1990 der übrigen Welt seine Bedingungen gnadenlos aufzwang. Russland stand unter Jelzin kurz vor seinem Untergang.

Zweifellos. Der Kalte Krieg war eine ständige Bedrohung. Dass die Friedensbewegung deshalb stark wurde, ist ja nur logisch.

Aber dass sich die UDSSR auflöste war kein Erfolg der Friedensbewegung.
Nein, das war ein wirtschaftlicher Erfolg. Und dass die Menschen und die Politiker in der UDSSR selbst nicht mehr an die Utopie des Kommunismus glaubten.

Und jetzt? Wir hatten vor dem 24. Februar die Chance auf Frieden. Aber ich habe hier bei uns keine Friedensbewegung gesehen, du vielleicht?

Wie immer hätte auch eine aktivere Friedensbewegung den Lauf der Dinge nicht wirklich beeinflusst.

Letztendlich ist keiner Friedensbewegung zu keiner Zeit der Vorwurf zu machen, sie hätten einen Krieg verhindern können.

Die mit großer Konsequenz und Wucht im Dezember letzten Jahres vorgebrachten Vorschläge Russlands für eine europäische Sicherheitsarchitektur wurden vom Westen im nächsten Klo entsorgt.

DAS war eben ein weiterer Fehler des Westens, der Russland nach dem Ende der UDSSR nie auf Augenhöhe begegnete. Diese Arroganz müssen wir jetzt alle bezahlen.

Ich frage dich. Wo bin ich unterkomplex? Du musst schon etwas konkreter werden. Was ist jetzt zu tun?

Was JETZT zu tun ist? Machst Du Witze?
JETZT ist das Kind in den Brunnen gefallen. Jetzt sollten wir einen großen Teil der Ukraine abschreiben, das tun, was wir als Westen am Besten tun können - nämlich alles unter lautem Klagen geschehen lassen - und DANN erst, wenn alles vorbei ist, wieder diplomatischen Kontakt mit Russland aufnehmen als ob nichts geschehen wäre.

Ich habe mich übrigens entschieden. Der Westen begeht seit Jahrzehnten ungeheure Kriegsverbrechen, ein Land nach dem anderen wird verwüstet, Millionen sind schon gestorben. Das muss beendet werden.

Ja, ein Grund mehr zu verstehen, dass was für den Westen Recht ist, für Russland nur billig sein kann. Es ist lachhaft, dass der Westen sich jetzt auf das Völkerrecht beruft, auf welches er seit Jahrzehnten buchstäblich scheißt.
Genauso Menschenrechte. Sie einzufordern, während man gleichzeitig außerlegale Gefängnisse betreibt (Guantanamo) oder Flüchtlinge per "Push-Back" ersaufen oder erfrieren lässt - oder sie in libysche Lager mit Mord, Vergewaltigung und Folter zurückschickt - kann unmöglich erfolgreich sein.

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