Den Ursprung eines Virus wissenschaftlich zurück zu verfolgen trägt einen Teil zur Erklärung der Eigenschaften bei, auch zum "Überspringen" von Tier auf Mensch, wenn es sowas denn war. Insofern ist die Frage danach auch nicht verkehrt und der Herkunftsort ist bei der Klärung der lokalen Bedingungen (Temperaturen, Feuchtigkeit, ...) vielleicht nicht ganz unwichtig.
In der medialen Behandlung des Herkunftsorts fällt aber immer wieder deutlich auf, dass es nicht um wissenschaftliche, epidemiologische Fragen des Ursprungs geht, bzw. dass sie sehr frei in einen Topf mit politischen Schuldzuweisungen oder -vermutungen geworfen werden, die gar nichts mehr mit der Virenfrage zu tun haben.
Neuauflage spekulativer Thesen
Die vom frz. HIV-Experten Luc Montagnier stammende "Laborthese" als Möglichkeit (die ich hier gar nicht bestreiten will) wurde bereits in einem TP-Artikel dargestellt, dort ausserdem verwiesen auf indische Forscher, die ihre "Laborthese" bereits zurückgezogen hatten.
https://www.heise.de/tp/features/pLai3-envLuc2-Wurde-mit-HIV-Pseudovirus-das-Coronavirus-fuer-den-Menschen-gefaehrlich-4705632.html
Die WHO hat laut diesem TP-Artikel ebenfalls Untersuchungen in der Richtung angestellt:
https://www.heise.de/tp/features/WHO-geht-dem-Ursprung-der-Coronavirus-Pandemie-zunaechst-in-China-nach-4844933.html
Übrig geblieben sind bis jetzt verschiedene Varianten der "Laborthese", mal als reines "China-Labor", mal als vor dem "Ausbruch" bereits beendete "China-US-Labor"-Kooperation, mal "militärisch-geheim", mal "zivil" auf HIV oder Sars-Forschung ausgerichtet, wieder mal soll "Gates" dabei gewesen sein, "Merkel vor dem Ausbruch zu Besuch in China" und nun (wie ich in Beiträgen hier lese) soll's auch eine "Drosten"-Connection geben ... die Sache wird also längst zum Politikum gemacht, nicht erst seit Li-Meng Yan's - oder Trump's - Verschleierungsvorwürfen an China, die angesichts der unmittelbar nach Auftreten der Erkrankungen recht unverschleierten "diktatorischen" Maßnahmen in Wuhan etwas merkwürdig erscheinen. Wenn meine Informationen aus der Anfangszeit nicht ganz verkehrt gewesen sind, hat (zumindest) Europa von chinesischer Experten-Kooperation nichts wissen wollen.
Dass China bei den ersten Covid-19-Fällen öffentlich einiges unter den Teppich gekehrt hat, ist kaum zu bezweifeln, weil jeder Staat, der Null wissenschaftliche Ahnung von einer solchen "Gefährdungslage" hat, erstmal auf "Panikvermeidung" und öffentliche Demonstration "völliger staatlicher Kontrolle" macht, - was eigentlich zur Beruhigung der Beunruhigten beitragen soll und daher auch dosierte Einschränkungen von "Panikmache" zur Konsequenz hat.
Das mit der Beruhigung hat in D. nicht so glänzend geklappt; die unsachliche Verlagerung auf nationale Schuldfragen wie "China! China!" trägt aber immerhin gut zur Ablenkung von jeder nüchternen, wissenschaftlichen - und un-patriotischen - Befassung mit dem Thema bei.
In Anbetracht der verheerenden Auswirkungen von Sars-CoV-2 und der Wichtigkeit, zukünftige Pandemien zu verhindern, hätten Forscher die Verantwortung, eine gründliche Analyse aller möglichen Ursprünge von SARS-CoV-2 durchzuführen.
Gründliche Analyse? Fledermäuse, Schuppen- und anderes Getier wird dafür von Wissenschaftler-Teams ja schon lange in verschiedenen Weltgegenden eingefangen und auf neue Virenarten untersucht, in Datenbanken festgehalten, usw.
Was aber soll es einem sagen, wenn der Herkunftsort von C-19 "eindeutig" China war, oder doch vorher schon Italien, Frankreich, USA, ...?
Genausowenig wird die Beschäftigung mit dem geheimen Kram zu irgendwelchen Erkenntnissen in der Covid-Frage führen. Bei den Hobby-Geheimdienstlern bezweifle ich ohnehin, dass sie sich mit einer offiziellen Information wie: "Ja, das geheime China-US-Militär-Gates-Labor hat da Scheiße gebaut" zufrieden geben würden. - Wer weiß schon, welche "gezielte Desinformation" da wieder "hinterstecken könnte".
Wer sich zeitlebens, wie bei Area 51, 911, u.ä., mit der Aufdeckung der unbekannten aber vermutlich wirklich noch schlimmeren Hintergründe beschäftigen will kann das ja ausgiebig tun.
Nichts gegen den Artikel hier über solche "Ursachenforschungen", aber mit zunehmender Masse von persönlichen Meinungen von Wissenschaftlerinnen, die eher im unwissenschaftlichen Bereich von "hätte, könnte und vorstellbar" liegen und politische Vorwürfe (wie "Verschleierung") nicht mal ansatzweise begründen, geht auch die Glaubwürdigkeit in die Binsen und das Interesse solche "Geschichten" theoretisch oder für weitere Recherche noch ernst zu nehmen.
Nur am letzten Beispiel - "The Lancet": Den Forschern wird von Segreto die bloße Vermutung eines "natürlichen Ursprungs" nahegelegt (im Artikel als "falsche Spurlegung?" in Frage gestellt). Sie hält ihre Vermutung dagegen, dass das Virus durch Manipulation entstanden sein "könnte" und bekräftigt "die Verantwortung" zur "gründlichen Analyse".
Für "vorstellbar" halte ich die "Laborthese" durchaus, aber macht das ihre Spekulation nun gründlicher oder - ausgerechnet! - "verantwortungsvoller" als die des Lancet?
Ich meine nicht. Die kritisierten Forscher würden ja auch unter "Analyse aller möglichen Ursprünge" fallen. Sie gibt sich und damit ihrer Vermutung nur den verantwortungsvolleren Anstrich.