kleines Licht schrieb am 13.08.2021 17:55:
Bis zum gegenüberliegenden Rand des Lochs 10 km, Tiefe ca 350 m.
Soll man das nach dem Ende des Braunkohleabbaus mit Wasser vollaufen lassen?
Darauf wird's wohl oder übel hinauslaufen (Falls nicht jemand auf die glorreiche Idee kommt, da einfach Europas größte Müllkippe oder sowas draus zu machen - rechnen muss man mit allem...). Speicherkapazität für Wasser kann man nie genug haben (ob nun zur Hochwasserrückhaltung oder als Vorrat für eine Dürre) und die Region wäre vermutlich auch froh, wenn sich das Grundwasser mal wieder dort sehen lassen würde, wo es früher mal war.
Aus geologischen Gründen kein so tolles Badewasser und schon gar kein Fischgewässer.
Du tust ja gerade so, als wären ein pH-Wert von 4 und flächendeckender Ockerschlick etwas Schlimmes. Die sollen sich mal nicht so anstellen, die Fische, jawoll! Außerdem ist das nur vorübergehend, um die 50..100 Jahre oder so.
Mal ernsthaft: Der Versauerung und Verschlickung kann man im Vorfeld entgegenwirken (die Alt-Tagebaue in der Lausitz sind das Beispiel dafür, wie man's nicht machen sollte - aber ok, vor der Wende hat's halt keinen interessiert und anschließend war's bequem, dass sich mit der Wende alle Verantwortlichkeiten erstmal in Luft aufgelöst hatten...), aber das muss man wollen, planen - und vor allem bezahlen.
Und bis es sich mit Regenwasser und dem Grundwasser der Umgebung wieder gefüllt hat, dauerts so lang, bis mein kleines Enkelkind im Altenheim ist.
Man könnte das theoretisch mit Wasser aus Rur und Enft unterstützen, aber das fehlt dann halt dort weiter stromab wieder. Wobei sich eh' die Frage stellt, was von den Flüssen noch übrig bleibt, wenn das eingeleitete Sumpfungswasser plötzlich wegfällt.
Oder man pumpt weiter (bei den Steinkohlebergwerken muss man das, weil sich sonst der Untergrund auflöst und die ganze Landschaft Meter um Meter versinkt).
Das Versinken ist bei Tagebauen in lockerem Sediment kein Thema, aber dafür die Rutschungsgefahr an den Böschungen. Trockener Sand ist bei einen Böschungswinkel von rund 45° (1:1) noch stabil - bei Staunässe bzw unter Wasser ist dagegen ganz schnell "Schluss mit lustig" und der Kram beginnt zu fließen. Schon bei konstantem Wasserstand geht man bei Baggerseen von einer Mindestböschung von 1:3 aus - kommen Wellenschlag oder gar wechselnde Wasserstände (es taucht ja immer mal die Idee auf, aus der Grube ein Pumpspeicherkraftwerk zu machen) hinzu, ist man ganz schnell bei 1:6 oder darüber. Bei einem 400m tiefen Loch bedeutet das eine 2500m breite Böschung...
Also weiterpumpen kostet Strom, der dann nicht mehr im Kraftwerk nebenan erzeugt wird.
Das wäre das kleinste Problem - man könnte ja die Sophienhöhe mit Windrädern und Solarpanels zupflastern, dann hätte man (angeblich) kostenlosen Strom direkt vor Ort, so lange man will. Im Durchschnitt zumindest.
Aber ob es in einer Zeit der Wetter- und Wasserextreme Sinn der Sache ist, auf die Speicherkapazität für Wasser zu verzichten und auch das Grundwasser auf Dauer abgesenkt zu lassen, ist eine andere Frage.
Eigentlich hat man nur die Wahl zwischen zwei Übeln. Mich würde mal interessieren, ob sich da seitens Politik und Wirtschaft schon mal jemand ernsthaft Gedanken gemacht hat oder ob wieder das übliche große Erschrecken (samt panischer Suche nach Notfallplänen) kommt, wenn dann RWE "So, wir sind dann mal weg, viel Spaß noch!" sagt...
Ein richtiges Hochwasser vom Rhein umleiten, dann ist das schnell erledigt. Bestes Beispiel Mitteldeutschland, beim Muldehochwasser war die Tagebauflutung in 3 Tagen erledigt, die man über Jahre umsetzen wollte. Viel spannender ist, ob dieses Loch nicht extrem rutschungsgefährdet ist, wenn es mit Wasser gefüllt wird.