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  • Pnyx (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.2017

Sprachmode

Irgendwann verliert man die Lust auf die Lektüre von Schillos Ausführungen. Beim besten Willen ist nicht auszumachen, was genau uns eigentlich der Autor mitteilen will.

Das einleitende Klingbeil-Zitat ist ein hervorragendes Beispiel für eine uneigentliche Begriffsverwendung. Wer von einem 'Narrativ' spricht, zeigt damit eine kritische Distanz zu dem so Bezeichneten an, Klingbeil dagegen wendet den Begriff ins Positive. Natürlich kann es sein, dass sich diese Verwendung durchsetzt. Seit Wittgenstein weiss man ja - ausserhalb von Fachsprachen definiert die Verwendung die Begriffsbedeutung, nicht umgekehrt. Das wäre allerdings der Anfang seines Endes, denn das negativ Einfärbende ist ja gerade sein Distinktivum, konstituiert seine ursprüngliche Attraktivität.

Die vielen weiteren angeführten Verwendungen deuten schon auf einen Hype hin. Das Narrativ ist zur Verbalfeder verkommen, mit der man sich schmückt. 'Seht her, wie wohl ich mich ausdrücke.' Mit anderen Worten - das ist schon der absteigende Ast. Es lohnt schon nicht mehr, sich damit ausführlich auseinanderzusetzen.

Bald wird ein anderer, einem vielgelesenen soziologischen, politologischen oder gar philosophischen Werk entliehener Begriff seine öffentliche Karriere antreten, um buchstäblich konsumiert, seines Inhaltes entledigt zu werden.

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    • unbekannter Benutzer

    mehr als 1000 Beiträge seit 18.01.2007

    narrare - erzählen. Narrativ - die können mir viel erzählen?

    Antwort auf Sprachmode von Pnyx (1).

    Ich habe mich auch gefragt: Was soll ich mit dem Artikel anfangen? Wo/was ist die Botschaft?
    Wenn der Zweck des "Narrativs" die Sinnstiftung ist, bin ich dann noch im Bereich der Politik oder schon auf der Ebene der Religion? Sinnstiftung im Bereich der Politik klingt auch so, als ob man mir etwas schmackhaft machen oder mir etwas verkaufen will. Vermutlich Konstruktionen, die eigentlich gar nicht gehen, oder nicht zusammen passen. Widersprüche in den Ausgangspositionen der drei Ampelkoalitionäre lassen sich überwinden, indem man das Ergebnis in einer "Narrativen Verpackung mit Schleifchen" anbietet?
    Der Artikel bleibt da auch sehr allgemein und abstrakt. Das einzige konkrete, das ich darin gefunden habe, waren die FDP und das Tempolimit.
    Und wenn ich Worthülsen wie "Durchbruch", "Reform", "Agenda" oder "Erneuerung" höre oder lese, dann halte ich automatisch mein Portemonnaie fest.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (06.11.2021 06:11).

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