Die Krise der Düngemittelproduktion ist auf jeden Fall durchaus eine Chance, sich eingehend mit der Optimierung der Kreisläufe von wirtschaftseigenem Dünger zu beschäftigen. Tatsächlich leben wir hier in Mitteleuropa ja in landwirtschaftlichen Gunstgebieten oder - als Ökologe gesprochen - in ökologisch vergleichsweise belastbaren Ökosystemen gemäßigter Breiten. Dennoch sind wir agrarstrukturell vielfach bereits jenseits der Belastungsgrenzen unterwegs. Die Nitrate im Grundwasser sind ein Beleg. Wenn Optimierungen Ertragseinbußen bedeuten, kann das durchaus zielführend für das Gesamtsystem sein und oft gibt es genügend Anpassungsmaßnahmen z.B. in der Fruchtfolge, um Schadwirkungen auch in den Geldbörsen zu minimieren. Das frühere landwirtschaftliche Credo Stickstoff ersetzt Wasser, wird vermutlich so aber nicht weiter funktionieren. Ich bin auch sehr gespannt, ob man allein wegen der Schadstoffe im menschlichen Urin überhaupt eine (neue?) N-quelle finden kann? Für mich viel bedeutender ist es aber, die landwirtschaftlichen Systeme in der Dritten Welt abzusichern. Zweidrittel der Menschheit haben ganz andere Sorgen als wir hier. Quantität und Qualität von Agrarprodukten entscheiden über Hunger und die regionale Wirtschaft. Wir haben da die Verantwortung. Und deshalb bin ich strikt gegen Sanktionen und wenn gesagt wird, Lebensmittel und Dünger werden nicht sanktioniert, ist das scheinheilig und falsch. Wenn Frachter nicht fahren, weil es keine gültigen Papiere gibt, Häfen nicht offen sind oder Treibstoffe, Ersatzteile etc. versagt werden, dann laden sich Politiker Schuld auf. Wenn N-Dünger wegen der Gaspreise bei uns nicht mehr produziert werden und woanders produziert werden müssen, weil Gas dort billiger ist, entstehen letztlich wieder neue Abhängigkeiten mit unerwünschten Rückkoppelungen, unnötige Transporte uvm. Eine optimierte globale Düngerwirtschaft klappt nur ohne Sanktionen und zwingt zum Wohle der Weltgemeinschaft zu fairen (Friedens-) Verhandlungen, insbesondere unter den Supermächten USA, China und Russland. Und noch eins: Eine zurückgehende weltweite Agrarproduktion in Folgejahren dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben, mag ja - wie immer - politisch nahe liegen und von eigener Schuld ablenken, wird aber wissenschaftlich seinen Wahrheitsgehalt finden.
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