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  • Karolis

mehr als 1000 Beiträge seit 25.01.2021

„Städtisches Leben“?

Die aktuell fertiggestellten Neubauviertel wirken überwiegend monoton, irgendwie steril, kaum nutzungsgemischt. Ihre Erdgeschosszonen erzeugen kein städtisches Leben.

Da drängen sich zwei Fragen auf:
Erstens: Wie kommt das?
Zweitens: Was stellt sich der Autor überhaupt als erstrebenswert vor?

Die Monotonie kommt schlicht und ergreifend aus dem Baurecht. Da ist so viel verboten und vorgeschrieben, dass man gar nicht anders als monoton bauen darf und kann.
Dazu kommt außerdem, dass es die Planung drastisch verbilligt, wenn man Hauspläne wiederverwertet. Das vermindert zudem die Baukosten. Und schließlich ist ja die von Linken so geliebte DDR-Platte, die am Fließband gebaut wurde, auch recht monoton.

Ladengeschäfte mit 50 €/qm Miete im Erdgeschoss verschwinden allmählich. Wer will schon über die Produktpreise fette Ladenmieten bezahlen (witzig, dass keiner „bezahlbare“ Ladenmieten fordert). Letztlich sind Ladengeschäfte unnötig geworden durch Supermärkte und Internet. Es fehlt einfach an tragfähigen Geschäftsmodellen.

Die Wohnorte sind steril? Also es gibt wenig Müll, Graffiti und Bauruinen? Es fehlt an Ratten und Hundekot und gebrauchten Spritzen auf dem Spielplatz? Klingt lebenswert. Wie können die Anwohner es wagen, ihren Müll nicht auf die Straße zu werfen und selbigen anderer Leute wegzuräumen? Sterile Spießer!

Kein „städtisches Leben“? Also Gestank und Lärmterror, die ganze Nacht hindurch? Schlaf wird ja auch überbewertet. Für linke Leute, die eher selten einer geregelten Arbeit nachgehen ist Schlaf optional.

Herumlungernde Banden, die aus Langeweile harmlose Passanten auf dem Nachhauseweg verprügeln oder die den Kindern auf dem Nachhauseweg Jacken, Handy und Taschengeld abziehen werden möglicherweise auch nicht von jedem vermisst.

Was wäre auch eine angemessener Nutzungsmix? Eine stinkende Schweinezucht mitten im Wohnviertel. Ein lärmender Kindergarten, wo der Arbeiter aus der Nachtschicht gerne schlafen möchte. Eine Schreinerei, wo den ganzen Tag die Kreissäge singt. Und mitten drin eine heimelige Containerunterkunft. Und natürlich darf die Open Air Disko in keiner Mitte eines Wohnviertels fehlen.

Sagen wir mal so: Die Bedürfnisse der Menschen sind leicht unterschiedlich. Und oft sind sie völlig unvereinbar. Da ist es ganz natürlich, dass sich die Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen zusammenfinden. Die einen in der aufgeräumten, stressfreien Einfamilienhaus-Siedlung. Die anderen im Multi-Terror-Szene-Kiez. Noch andere im Brennpunktghetto. So ist für jeden eine Nische da, wo er so wohnen kann, wie er will.

Schließlich wird keiner gezwungen, in so ein seelenloses Neubaugebiet zu ziehen.

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