Die Neigung der Deutschen gegen die Obrigkeit aufzubegehren, ist im Vergleich zu den europäischen Nachbarn eher unterentwickelt. Es muss schon viel zusammenkommen, bis uns der Kragen platzt.
Sollte es aber überhaupt soweit kommen, dass Inflation und Energieknappheit den Frust und die Protestneigung befeuern, dann zuerst im Osten. Hier gibt es im kollektiven Gedächtnis noch die Erinnerung, dass Mut und ein gerader Rücken scheinbar unantastbare Systeme zum Einsturz bringen können. Das ist 1953 misslungen und 1989 geglückt. Somit kann der Osten auf eine ungleich reichere Demokratieerfahrung zurückblicken als die sogenannten alten Bundesländer, in denen vergleichbare Volksaufstände nie oder letztmalig 1848 stattfanden.
Stattdessen sind dort Staats- und Mediengläubigkeit sowie Russophobie leider weit verbreitet, so dass zwischen Emden und Passau noch gehörig Druck auf den Kessel kommen muss, ehe sich Familie Mustermann auf die Straße traut.
Bis dahin aber wird man es wie immer mit Ossibashing, Nazivorwürfen und der Diffamierung als Putintrolle versuchen - ich befürchte nicht ohne Erfolg.