Demos gegen hohe Preise? Was kann die Regierung da tun? Konzerne in den Erzeugerländern verstaatlichen und zu Preissenkungen zwingen? Ich denke, das wird alles viel unspektakulärer laufen. Zum einen sind wir auf dem Weg in eine fette weltweite Rezession. Das wird die Nachfrage und damit die Preise spürbar dämpfen und die Versorgungssituation verbessern. Zum anderen scheint man in der Regierung zu begreifen, daß man sich um die Probleme mit hoher Priorität kümmern muß, damit ihnen die Leute nicht aufs Dach steigen. Da werden wie durch Zauberhand ein paar Fördertöpfe mehr aufgehen - vielleicht ist das ja der Hintergrund dieser ungewohnt dramatischen Warnung von Baerbock...
Einen Krieg gewinnt man nicht allein auf dem Schlachtfeld. Je stärker Rußland Westeuropa jetzt unter Druck setzt, desto stärker wird hier die Einsicht reifen, wie schwer der Fehler war, sich derart alternativlos an die russischen Rohstofflieferungen zu binden. Die Russen dachten wohl, daß sie diesen Konflikt genauso aussitzen können wie die vorigen, als es ein paar halbgare Sanktionen gab, die schnell aufgeweicht wurden. Da haben sie sich wohl geirrt. Der Westen wird alles Menschenmögliche tun, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen - und das ist dann endgültig. Unseren Umstieg auf eine umweltfreundlichere Versorgung mit dezentral produzierter Energie können die Russen ja nicht einfach zurückdrehen.
Wozu haben die Russen diesen mörderischen Krieg begonnen? Die albernen, ständig wechselnden Kriegsziele, die sie nennen, sind hier oft genug durchgekaut worden, das spare ich mir einfach mal. Also, wozu das Ganze? Um dem Westen etwas zu beweisen? Um die Ukraine "heim ins Reich" zu holen? Um an die Gas- und Ölreserven zu kommen? Nichts davon wird ihnen am Ende etwas nützen. Selbst wenn sie auf dem Schlachtfeld siegen, was keineswegs ausgemacht ist, stehen sie anschließend mit einem völlig zerstörten Land da, einer Bevölkerung, die sie haßt und bei jeder Gelegenheit bekämpft, und mit Rohstoffen, die sie nur noch verschleudern können. Und es wird kein Zurück mehr geben zu den Zeiten, als es reichte, Rohstoffe und ein mächtiges (mächtig aussehendes) Militär zu haben, statt technologisch den Anschluß zu halten.
Insgesamt hoffe ich, daß der Westen diese Krise nutzen wird, um sich an die geänderten Gegebenheiten anzupassen. Das ist ihm schon öfter gelungen, wenn auch längst nicht oft genug. Für die Russen sieht es dagegen düster aus. Die sind es, die einen idiotischen Krieg begonnen haben, weil sie die Veränderungen der letzten Jahrzehnte nicht akzeptieren können, die Moderne ablehnen und von alter "Größe" träumen, von einer Zeit, als sie ihre Nachbarn noch ungestraft herumkommandieren und terrorisieren konnten.