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  • HayoS

541 Beiträge seit 14.05.2003

Fehlgesteuerte Zielwerbung

Die Autorin beschreibt, wie diese Art der Werbeauswahl bei ihr ankommt. Da kommt es nicht darauf an, ob die humorig beschriebene Kausalkette vollständig zutrifft. Die tatsächlichen Zusammenhänge dürften ähnlicher Natur sein. Entscheidend ist, dass die Werbevermittler (Facebook, AdDingsBums,...) ihren Werbekontakten damit auf den Zeiger gehen. Das mag den Umsatz der Werbevermittler optimieren, mindert aber m.E. den möglichen Gesamtumsatz aller Werbetreibenden. Eine klassische Fehlsteuerung.

Anderes Beispiel (von AdDingsBums): Ich bekomme seit zwei Wochen immer wieder dieselbe Brillenwerbung angezeigt (mindestens 1/3 aller Kontakte). Einfach weil das Modell einer Nichte ähnlich sieht und ich seit Cookie-Reset einzig auf diese Werbung geklickt habe.

Die Lösung wäre ganz einfach: die Anzeige bestimmter Werbetreibender und Themengebiete auf eine erträgliches, insbesondere schwer erkennbares, unterschwelliges Maß beschränken. Leute, haltet mich für genial: ich halte die Algorithmen für dumm und den Artikel für klug.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (26.02.2021 09:42).

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  • Avatar von OdinX
    • OdinX

    mehr als 1000 Beiträge seit 14.01.2010

    Antwort auf Fehlgesteuerte Zielwerbung von HayoS.

    Leute, haltet mich für genial: ich halte die Algorithmen für dumm und den Artikel für klug.

    Die Algorithmen sind schlau, im Sinne dass sie durchschnittlich besser als herkömmliche Werbemethoden wirken, und zwar mit weniger Aufwand.

    Die Algorithmen sind aber auch dumm, weil sie eigentlich nur ganz primitiv der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.

    Und deshalb ist der Artikel dumm, denn es wird behauptet, dass die Werbung auf Klischees basieren würde, und das tut sie eben nicht.

    Stattdessen basiert die werbung auf gemessenen statistischen Erfolgsfaktoren.

    Klar, der Algorithmus kann nicht jeden einzelnen Menschen spiegeln, weil dazu die Informationen und die logischen Zusammenhänge fehlen, aber der Algorithmus kann sehr gut Gruppen spiegeln.

    Wenn also die Autorin Diätpillen angeboten bekommt, dann weil sie einer Gruppe zugehörig ist, in der diese Strategie relativ erfolgreich ist. Wie feingranular diese Gruppe ist, kann dabei nicht gesagt werden. Vielleicht sind Diätpillen zum Zeitraum X bei Frauen im Alter von A bis B einfach sehr erfolgsversprechend, oder vielleicht ist die Gruppierung auch viel feingranularer, und Frauen im Alter von A bis B, zum Zeitraum X, in der geographischen Region R mit politischer Einstellung P, Hobby H, die Haustier Q besitzen sind eine gute Zielgruppe. Vielleicht ist sogar individuelles miteingeflossen. Vielleicht hat sie auf Facebook viele übergewichtige Freundinnen, und das impliziert statistisch, dass sie auch Gewichtsprobleme haben könnte.

    Was ich sagen will, die Möglichkeiten sind endlos, sie legt sich aber einfach auf die dümmste Interpretation weit und breit fest.

    Das mag den Umsatz der Werbevermittler optimieren, mindert aber m.E. den möglichen Gesamtumsatz aller Werbetreibenden.

    Das ist wenigstens schon mal eine Theorie, die man diskutieren kann. Damit bist du der Autorin schon weit, weit voraus.

    Allerdings wär das aus Sicht der Werbevermittler gar nicht schlecht, denn sie steigen ihren eigenen Umsatz, und senken dabei den Gesamtumsatz der ganzen Branche, wodurch sie ihren Marktanteil gleich doppelt verbessern.

    Ich glaube ja nicht, dass du damit recht hast, aber ganz sicher bin ich mir da auch nicht.

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  • Avatar von S Rech
    • S Rech

    354 Beiträge seit 27.01.2021

    Antwort auf Re: Fehlgesteuerte Zielwerbung von OdinX.

    Ne, die Algos legen sich nich auf die dümmste, sondern auf die wahrscheinlichste Korrelation fest. Is wie bei einem Schachprogramm, bei dem sich FB für die Suchtiefe bezahlen lässt. Holzklasse, Holzklasse mit Plüschüberzug, - drüber hinaus is bei TP nich viel möglich, denn die Verlage leben von ihren Anzeigenkunden - hab ich aus dem Internet.

    B-)

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  • Avatar von szul
    • szul

    mehr als 1000 Beiträge seit 25.06.2003

    Klischees und statistische Relevanz

    Antwort auf Re: Fehlgesteuerte Zielwerbung von OdinX.

    OdinX schrieb am 26.02.2021 10:10:

    Und deshalb ist der Artikel dumm, denn es wird behauptet, dass die Werbung auf Klischees basieren würde, und das tut sie eben nicht.

    Stattdessen basiert die werbung auf gemessenen statistischen Erfolgsfaktoren.

    Warum sollen sich diese beiden Dinge ausschliessen?

    Vielleicht interessieren sich 1/4 der Frauen im Alter A bis B sehr für X,
    aber eben 3/4 für 1000 andere Dinge.
    Dann ist dieses 1/4 statistisch relevant,
    aber die Annahme, dass sich alle Frauen im Alter A bis B für X interessieren,
    ist eben (nur) ein Klischee.

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  • Avatar von OdinX
    • OdinX

    mehr als 1000 Beiträge seit 14.01.2010

    Antwort auf Klischees und statistische Relevanz von szul.

    Vielleicht interessieren sich 1/4 der Frauen im Alter A bis B sehr für X,
    aber eben 3/4 für 1000 andere Dinge.
    Dann ist dieses 1/4 statistisch relevant,
    aber die Annahme, dass sich alle Frauen im Alter A bis B für X interessieren,
    ist eben (nur) ein Klischee.

    Es kann sogar noch viel extremer sein. Je teurer ein Produkt, umso weniger Erfolgswahrscheinlichkeit braucht man, damit sich die Werbung lohnt.

    Verteile ich Werbung für teure Autos and 10'000 Leute und bezahle dafür ein paar tausend Euro, dann lohnt es sich schon, wenn einer der 10'000 daraufhin ein Auto von mir kauft.

    In dem Falle waren 0.01% genug für einen Gewinn.

    Die Werbebranche arbeitet nicht auf basis von Klischees, stattdessen wird gemessen, ob sich die Werbung gelohnt hat und auf Basis der vergangenen Kampagnen geschätzt, ob sich die nächste Kampagne lohnen wird.

    Niemand sagt, dass 50% der Frauen Schönheitsoperationen machen wollen, nur dass sich die Werbung dafür lohnt, und gerade bei Schönheitsoperationen ist das schon dann erreicht, wenn sich ein relativ geringer Prozentsatz wirklich wegen der Werbung dazu entscheidet.

    Aber die Autorin hat darin hineininterpretiert, dass Werbefirmen auf Basis von Klischees über Frauen arbeiten würden, anstatt dass diese knallhart kalkulieren, was sich lohnt und was nicht.

    Wie gesagt, die Werbebranche ist der Spiegel der Gesellschaft. Aber man muss den Spiegel auch zu interpretieren wissen. Nur weil 80% der Frauen im durchschnitt 3 mal pro Tag Werbung für Schönheitschirurgie gezeigt bekommen, heisst das noch lange nicht, dass ein grosser Anteil das auch tut, sondern eben nur, dass ein genügend grosser Anteil das dann auch will, damit es sich für den werbenden lohnt.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (26.02.2021 12:15).

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  • Avatar von szul
    • szul

    mehr als 1000 Beiträge seit 25.06.2003

    Antwort auf Re: Klischees und statistische Relevanz von OdinX.

    OdinX schrieb am 26.02.2021 12:13:

    Aber die Autorin hat darin hineininterpretiert, dass Werbefirmen auf Basis von Klischees über Frauen arbeiten würden, anstatt dass diese knallhart kalkulieren, was sich lohnt und was nicht.

    Wie gesagt, die Werbebranche ist der Spiegel der Gesellschaft.

    Ich denke es geht in beide Richtungen:

    Einerseits ist die Werbebranche der Spiegel der Gesellschaft,
    aber andererseits will die Werbebranche die Gesellschaft nach ihren Wünschen formen.
    Denn wenn die Werbebranche die Gesellschaft nicht beeinflussen könnte,
    dann wäre ihr Unterfangen ja von vorneherein sinnlos.

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  • Avatar von OdinX
    • OdinX

    mehr als 1000 Beiträge seit 14.01.2010

    Antwort auf Re: Klischees und statistische Relevanz von szul.

    Ich denke es geht in beide Richtungen:

    Einerseits ist die Werbebranche der Spiegel der Gesellschaft,
    aber andererseits will die Werbebranche die Gesellschaft nach ihren Wünschen formen.
    Denn wenn die Werbebranche die Gesellschaft nicht beeinflussen könnte,
    dann wäre ihr Unterfangen ja von vorneherein sinnlos.

    Guter Einwand!

    Allerdings denke ich, dass die Änderungskraft der Werbeindustrie langfristrig immer auch eine Gegenkraft erzeugt.

    Nur wenn die Gesellschaft eine Änderung vollständig akzeptiert gibt es keine Gegenkraft mehr.

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    • HayoS

    541 Beiträge seit 14.05.2003

    Antwort auf Klischees und statistische Relevanz von szul.

    szul schrieb am 26.02.2021 11:52:

    OdinX schrieb am 26.02.2021 10:10:

    Und deshalb ist der Artikel dumm, denn es wird behauptet, dass die Werbung auf Klischees basieren würde, und das tut sie eben nicht.

    Stattdessen basiert die werbung auf gemessenen statistischen Erfolgsfaktoren.

    Warum sollen sich diese beiden Dinge ausschliessen?

    Vielleicht interessieren sich 1/4 der Frauen im Alter A bis B sehr für X,
    aber eben 3/4 für 1000 andere Dinge.
    Dann ist dieses 1/4 statistisch relevant,
    aber die Annahme, dass sich alle Frauen im Alter A bis B für X interessieren,
    ist eben (nur) ein Klischee.

    Zitat aus der Wikipedia: "Ein Klischee ist eine ehemals innovative Vorstellung, Redensart, ein Kunstwerk oder ein Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht erscheint.".

    Demnach wäre das durch einen blinden Algorithmus gefundene "Klischee" der Nachweis, dass es sich tatsächlich gerade nicht um ein Klischee handelt. Es wird nur von einem Teil der beworbenen Gruppe so empfunden, weil ihre Peer Group etwas als veraltete Vorstellung empfindet, was ein Viertel noch so lebt.

    Das eröffnet ganz neue Forschungsansätze für Soziologen. Allerdings nur, wenn die Algorithmen tatsächlich ohne vorgebene Annahmen arbeiten. Und das wissen wir nicht.

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