Ihr nähert euch den Amerikanern an, für die Amerika nirgends und überall ist, weshalb die Mehrheit von ihnen Null Ahnung von irgendwelchen Ländereien haben, selbst wenn sie sie bereisen. Überall und nirgends die Ukraine?
Knapp 8x paßt Deutschland in das kasachische Territorium, das etwas mehr Einwohner hat, als Nordrhein Westfalen plus dem Landkreis Osnabrück. Von diesen knapp 19 Mio leben 3 Mio in Almaty (1,9) und Nursultan (1,1).
Der Artikel betont die "Kluft zwischen arm und Reich", was vom Standpunkt von Leuten, wie Ajsulu Tojschibekowa, verständlich ist, die Deutschland nicht kennen dürfte, zumindest nicht gut, wo die Kluft zwischen arm und reich BEI WEITEM größer ist, als in Kasachstan, während Irina Scherbakowa jemand ist, der Kasachstan bestenfalls aus Wohnzimmergesprächen in Almaty kennt.
Was andererseits viele kasachischen Städter selbst als "Kluft zwischen arm und reich" mißverstehen, sind Erscheinungsformen einer viel, viel größeren "Kluft", nämlich zwischen urbaner und ruraler Lebensweise. Das gilt für ganz Zentralasien, am Wenigsten wahrscheinlich für Turkmenistan.
Sicher, auch in solchen Gegenden ist es auswärtigen Stakeholdern prinzipiell möglich, Kämpfer für politische Zwecke zu rekrutieren, aber wirksam kann das nur werden, wenn - und in dem Maße wie - klerikale und / oder ethnozentristische Klüfte anderer Herkunft mit terroristischen Mitteln zu unheilbaren Rissen ausgeweitet werden können.
Das ist eine Option in Xingyiang, wo die urbane Herrschaft seit ewigen Zeiten als Fremdherrschaft der Han-Chinesen gedeutet werden kann. Und deshalb gibt es einen relativ beträchtlichen Anteil von "chinesischen" Herkünften in Kasachstan, Uiguren und Dugunen. Zwischen ihnen, und der jeweils örtlichen kasachsischen Bevölkerung gibt es in der Tat wirksame patriarchale Spannungen, Risse, die wiederholt auch in Pogromen entladen worden sind.
Aber seit mindestens 15 Jahren pumpen nun verschiedenste öffentliche und private Institute eine Masse Geld nach Kasachstan, mit dessen Hilfe uigurischer Separatismus in Xingyiang angefacht werden soll, weil Kasachstan zu den Rückzugsbecken uigurrischer Nöte mit der Herrschaft der Han-Chinesen zählt, und weil der Handels- und Geldverkehr zwischen Kasachstan und Xingyiang zu den tragenden Elementen der Reproduktion einer traditionalistischen Lebensweise der Uiguren in China zählt. Unter anderen Umständen müßte man davon ausgehen, das sowas unweigerlich innerkasachische Konflikte anfacht - und unter bestimmten Umständen anfachen soll.
Allein, es hat nicht funktioniert und läuft auch nicht so! Offenbar ist der tribale Zusammenhang immer noch stark genug, der Usurpation durch Staatshändel zu widerstehen.
Mir persönlich scheint die schlagenste Ausdrucksform davon die sehr spezifische Rolle, welche die Uiguren unter den imperialen / dschihadistischen Söldnertruppen in Syrien haben, aber das kann ich hier nicht auch noch erklären wollen.
Auch der politische Islam hat in Zentralasien nicht Fuß fassen können! An Versuchen hat es ja wahrlich nicht gefehlt, und die türkische "Turan-Bewegung" ist unter anderem eine Konsequenz davon, sie ist säkularer Natur, in deutlicher Absetzung vom Islamofaschismus der Türken selbst.
Schließlich ist zu allem einzurechnen, was ich hier angerissen habe, zur Rolle der Armee in Kasachstan.
Dem füge ich jetzt hinzu, daß ich erwarte und unterstelle, daß die Armee in Kasachstan genau der Faktor ist, der die Kluft zwischen urbanen und ruralen Lebensweisen überbrückt. Ihren Korpus stellen ja unweigerlich die Landstände, weshalb die Armee ein wesentlicher Faktor auch der ruralen Ökonomie ist und bleiben muß. Dies konservative Element in all den Bewegungen, die es infolge geopolitischer Projekte in Kasachstan gibt, ist vermutlich unverrückbar.