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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Der große (Selbst-)Beschiss

Die Inflationsrate wird in Deutschland anhand eine Wägungsschemas errechnet, dass zuletzt 2015 das letzte Mal angepasst worden ist. Hier einmal die Übersicht:

01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 96,85
02 Alkoholische Getränke und Tabakwaren 37,77
03 Bekleidung und Schuhe 45,34
04 Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe 324,70
05 Möbel, Leuchten, Geräte u.a. Haushaltszubehör 50,04
06 Gesundheit 46,13
07 Verkehr 129,05
08 Post und Telekommunikation 26,72
09 Freizeit, Unterhaltung und Kultur 113,36
10 Bildungswesen 9,02
11 Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen 46,77
12 Andere Waren und Dienstleistungen 74,25
(In Promille.)

Zum einen fällt auch, wie gering der Bereich für den unmittelbaren Lebenserhalt gewichtet ist. Gerade einmal ~10%. In den Anfangstagen der Bundesrepublik machte dies einmal das einmal den Löwenanteil bei den Ausgaben aus.
Zudem werden für die Vergleichbarkeit gerne Grundnahrungsmittel genommen.
Die Leute fressen aber immer mehr Convenience Food-Abfall, bei dem die Industrie schon seit Jahren den Anteil der hochwertigen Nahrungsbestandteile drückt und trotzdem kräftig bei den Preisen zulangen kann.

Zudem sollte man sich auch einmal den Anteil der Deutschen an der Wertschöpfung in diesen Bereichen anschauen. In der BRD unmittelbar vor der Wiedervereinigung, lag dieser Anteil locker bei 95% Klar, das Rohöl und den Reis produzierte man nicht selber, aber den großen Rest.
Der deutsche Arbeitnehmer befand sich also immer auf beiden Seiten der Rechnung.
Lohnerhöhungen trieben zwar die Inflation, aber federten sie zugleich ja auch bei der arbeitenden Bevölkerung ab. Fast so etwas, wie ein Nullsummenspiel.

Dank der tollen Wirtschaftspolitik seit der Wiedervereinigung, sieht die Sache jetzt doch sehr viel anders aus.
Da fallen ganze Warengruppen praktisch komplett (Bekleidung und Schuhe, Möbel, Leuchten, Geräte u.a. Haushaltszubehör)
Bei anderen ist der deutsche Wertschöpfungsanteil massiv gesunken:
(Freizeit, Unterhaltung und Kultur, Post und Telekommunikation, Verkehr)
Oder die Löhne prekarisiert und nicht mehr kostendeckend.
D.h. die Angestellten benötigen, trotz Vollzeitbeschäftigung, zusätzliche Transferleistungen der Gemeinschaft.
(Freizeit, Unterhaltung und Kultur, Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen, Andere Waren und Dienstleistungen)

Aber die richtigen Preistreiber befinden sich in den Bereichen
Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe
und
Verkehr

Richtig, man wollte ja den CO2-Preis erhöhen und die Primärenergie verteuern.
Ups, da steigen dann ja die Preise und damit die Inflation.

Der anderen Aspekt:
Hier verstecken sich auch Löhne, die sich weder in Billiglohnländer auslagern, noch prekarisieren lassen. Wie z.B. das Handwerk
Das macht das Wohnen, im Vergleich zu den anderen Warengruppen, auch so teuer.
Man kalkuliert so rund 2600 € pro Quadratmeter und zwar ohne das Grundstück
D.h. man muss da noch den Grundstückwert und die laufen Wohnkosten, sowie Zins und Tilgung draufrechnen. Das ist schon lange eine Lebensaufgabe geworden, die in bestimmten Regionen für immer mehr Menschen, totz Doppelverdienerhaushalt, nicht mehr finanzierbar sind.

Inzwischen denkt auch die EZB darüber nach, die Preise für selbstgenutzte Wohnimmobilien mit in die Inflationsrate aufnehmen.

In Deutschland hat man schon lange das Äquivalent, d.h. den Mietwert von
Eigentümerwohnung hinzugenommen.

Wir haben hier in Deutschland wieder einmal ein selbstgeschaffenes Problem.
Die Großstädte bekommen nach dem Königssteiner Schlüssel Migranten zugewiesen, als wenn auch Grundstücke und Wohnungen in beliebiger Menge dort verfügbar wären.
Man gönnt sich bei Hartz IV eine vollständige Kostenübernahme der Warmmiete bei einem großzügigen Wohnraum.
Wohnraum, den die Städte selbstverständlich, als gern gesehene, weil punktliche und problemlose Mieter den Leuten abgraben, die aufgrund ihres selbsterworbenen Einkommens, auf eine günstige Wohnung angewiesen sind.

Dank exessiven "Altmieter-Schutz", zahlen die Alteingessenen nur Winzmieten, die oft kaum noch die Instandhaltungskosten abdecken. Nach-Justieren geht da oft nurnoch über die Neuvermietung, die sich kaum ein Altmieter leisten kann.
Die Folge: Auch die Alten bleiben in ihren Wohnungen hocken, die sie in einer Zeit bezogen hatten, als sie noch kleine Kinder hatten.
Trotz Wohnungsmangel steigt die Wohnfläche pro Person in den Boomtowns schon seit Jahren an. Wer sich eine Familie gönnt, der darf als "Selbstzahler" dann irgendwo in den Speckgürtel und kräftig Pendeln. Neben den Alteingessenen, die langsam wegsterben, bestehen viele Innenstädte unserer Großstädte immer mehr aus Prekariat und Migranten mit kleinen Wohlstandsinseln.

Eine popelige Eigentumswohnung in einer der Legebatterien aus dem Gruselkabinett kostet in Frankfurt ca. 500 000 €. Ein wirklicher Lebensraum und Neudeutsch "Kietz" sind die Dinger aber nicht. Weil die Problembürger quasi auf der anderen Straßenseite wohnen, tut man sich dort keinen Gefallen, wenn man diese noch darauf hinweist, dass man dort seine Bleibe hat. D.h. die Bewohner wohnen dort nur und fliehen ganz schnell in die informellen Gated Communities, bei denen man dann wieder in Massen unter sich ist und in dem die Problembürger nicht reinkommen oder sich nicht wohlfühlen.
Der ganze linksromantische Quatsch mit irgendwelche Sitzecken, Spielplätzen oder Sportmöglichkeiten, der irgendwie die Leute zusammenbringen sollte, hatte nur den Effekt, dass sich die Problembürger dort wohlfühlen. Die Besseresser sieht man dort nicht.
So eine Parkbank, auf der eigentlich die Bürger sitzen, sich entspannen und miteinander kommunizieren sollen, wird zudem gerne von Obdachlosen okupiert.
Die dann dort die Nachbarschaft "unterhalten". Daher geht man dazu über, die Dinger wieder abzumontieren.

Das Problem mit dem Wohnungsmangel könnte man ganz einfach dadurch lösen, dass man durch Neubauten den Markt entlastet.
Aber da gehen dann die Einwohner der Nachbarstädte, in denen sich die Mittelschicht verkrümelt hat, auf die Barrikaden.
In Frankfurt will man da beidseitig einer vielbefahrenen Autobahn ein neues Viertelchen hochziehen. Aber den Bürgern dieser Nachbarstädte ist durchaus bewusst, wer in dieses Viertelchen ziehen wird. Daher kämpfen die wie die Löwen, um ihre kleine Idylle (und natürlich auch den Marktwert ihrer Immobilien) zu erhalten.
Nein, eine Parallelgesellschaft und Clangebiet direkt vor der Haustüre, möchte niemand haben.

Auf der anderen Seite haben unsere Helden in Berlin die ganzen Gebietskörperschaften im Westen massiv entreichert.
Obwohl die dort eine gute Beschäftigung haben, zahlen die dort die höchste Abgabenquote, für die die nichts bekommen, weil die ganze Knete in die Zinszahlung ließt. Die Städte gammeln immer mehr runter und sind dadurch selbstverständlich nur wenig attraktiv.

Alles die Konsequenz der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Berliner Republik.
Planlose Deppen und Deppinnen, die alle nicht bis 3 zählen können und mit dem Arsch das eine Porzellan herunterreißen, während sie gerade versuche das Andere zu flicken.

Nein. Die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bürger werden weiter verarmen, bis sie auf dem Niveau der DDR angekommen sind.
Irgendwann ist dann auch die Party mit dem AAA und der Geldleiherei vorbei.
Dann geht es uns wie Argentinien. Die waren auch einmal eines der reichsten Länder der Welt, bis geistige Zwerge das Land konsequent in die Grütze geritten haben.

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  • Avatar von kulinux
    • kulinux

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.01.2001

    Antwort auf Der große (Selbst-)Beschiss von Mathematiker.

    Mathematiker schrieb am 27.06.2021 13:27:


    Alles die Konsequenz der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Berliner Republik.
    Planlose Deppen und Deppinnen, die alle nicht bis 3 zählen können und mit dem Arsch das eine Porzellan herunterreißen, während sie gerade versuche das Andere zu flicken.

    Und noch jemand, der glaubt, dass es an der Dummheit der Münze liegt, wenn sie immer nur auf dieselbe Seite fällt …

    Nein. Die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bürger werden weiter verarmen, bis sie auf dem Niveau der DDR angekommen sind.

    … mit ca 18.000 DM (!) Verschuldung pro Kopf (die die Köpfe abzuzahlen haben, nicht die Kleptokratenhände), 0% Arbeitslosigkeit, medizinischer Versorgung gratis, sicherer Rente, keiner Angst vor Wohnungskündigungen aus "Eigenbedarf" … Das dürfte für die Mehrheit der Deutschen heute paradiesisch klingen, wenn sie davon denn wüssten – aber selbst dann würden sie das nicht wollen und dagegen protestieren, weil das ja einhergeht und gehen muss
    – mit Unterdrückung und Bespitzelung (gegen BND und VS war die Stasi ein Amateurverein, was die Bespitzelung der eigenen Bürger anbelangt s. Foschepoth, "Überwachtes Deutschland"),
    – mit Einschränkung der Meinungsfreiheit (von der man heute uneingeschränkt Gebrauch machen darf, weil es entweder nichts nützt oder weil man als "Coronaleugner" diffamiert wird, wenn man die Regierungspolitik als den Wahnsinn beschreibt, der sie ist)
    – mit Einschränkung der Reisefreiheit (immer nach dem Motto: "Deutsche Arbeiter! Die SPD will Euch Eure Villen im Tessin wegnehmen!" jetzt neu als: "Fliegen zum Ballermann wird 10€ teurer!!")

    Irgendwann ist dann auch die Party mit dem AAA und der Geldleiherei vorbei.
    Dann geht es uns wie Argentinien. Die waren auch einmal eines der reichsten Länder der Welt, bis geistige Zwerge das Land konsequent in die Grütze geritten haben.

    … ach ja, wieder eine Münze, die dummerwiese immer auf dieselbe Seite fällt … vielleicht weil der IWF sie wirft?

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  • Avatar von borkys
    • borkys

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.01.2004

    Zusammengefasst gibt es in den unteren Ränge immer weniger

    Antwort auf Der große (Selbst-)Beschiss von Mathematiker.

    zum verteilen weil aller Wertschöpfung konsequent nach oben transferiert wird.

    Das ganze ist inzwischen so konsequent und effizient wie normal geworden das möglichen Alternativen das Licht des Lebens genommen wird weil schon die dazu nötigen Überlegungen gar nicht in die Köpfe der Leute kommen...

    ...absolut Perfekt umgesetzt diese Ideologie...

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