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Avatar von tin_duck
  • tin_duck

mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.2001

Ineffizienter Wasserstoff?

Ich sags mal so...

Sehr oft werden regenerative Energiequellen abgeregelt, weil ein Überangebot besteht oder noch schlimmer, irgendwelche EU-Quoten schon erfüllt sind.

Anstatt diese Anlagen abzuregeln, vor Ort Wasserstoff elektrolytisch erzeugen und speichern. Was ist daran ineffizient? Den Wasserstoff gibts dann quasi geschenkt, weil die zur Erzeugung benötigte Energie nirgendwo fehlt.

Man kann sich dann überlegen, ob man bei Flaute/Nacht den Wasserstoff vor Ort wieder in Energie umwandelt (notfalls mit schnöden BHKWs) oder ihn per Leitung oder Tankwagen dorthin bringt, wo er genutzt werden kann.

Mich stört an den laufenden Diskussionen, dass es immer DIE eine Lösung für alles sein muss. Das klappt natürlich nicht. Der von mir skizzierte Ansatz rettet nicht die Welt, würde aber zu einer stabileren Energieversorgung beitragen. Und mit solchen 'kleinen Schritten' kommt man einer vernünftigen Gesamtlösung immer näher. Aber nicht mit Sprüchen wie 'Wasserstoff ist ineffizient'.

P.S.: warum stellt eigentlich niemand Wasserstoff her, wenn der Strompreis an der Energiebörse negative Werte wg. Überangebot erreicht? :-)

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.10.2022 16:45).

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  • Avatar von Chrysophylax
    • Chrysophylax

    mehr als 1000 Beiträge seit 22.01.2000

    Die Chinesen...

    Antwort auf Ineffizienter Wasserstoff? von tin_duck.

    ... bauen nun die größte Batterie der Welt, soll 800MWh speichern, ist eine Flussbatterie.

    Wasserstoff ist eher etwas für die Großkunden von Methan.

    Sonnige Grüße aus Rom.

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  • Avatar von debugfix
    • debugfix

    mehr als 1000 Beiträge seit 24.01.2000

    Antwort auf Ineffizienter Wasserstoff? von tin_duck.

    tin_duck schrieb am 17.10.2022 16:44:

    Ich sags mal so...

    Sehr oft werden regenerative Energiequellen abgeregelt, weil ein Überangebot besteht oder noch schlimmer, irgendwelche EU-Quoten schon erfüllt sind.

    Anstatt diese Anlagen abzuregeln, vor Ort Wasserstoff elektrolytisch erzeugen und speichern. Was ist daran ineffizient? Den Wasserstoff gibts dann quasi geschenkt, weil die zur Erzeugung benötigte Energie nirgendwo fehlt.

    Man kann sich dann überlegen, ob man bei Flaute/Nacht den Wasserstoff vor Ort wieder in Energie umwandelt (notfalls mit schnöden BHKWs) oder ihn per Leitung oder Tankwagen dorthin bringt, wo er genutzt werden kann.

    Mich stört an den laufenden Diskussionen, dass es immer DIE eine Lösung für alles sein muss. Das klappt natürlich nicht. Der von mir skizzierte Ansatz rettet nicht die Welt, würde aber zu einer stabileren Energieversorgung beitragen. Und mit solchen 'kleinen Schritten' kommt man einer vernünftigen Gesamtlösung immer näher. Aber nicht mit Sprüchen wie 'Wasserstoff ist ineffizient'.

    P.S.: warum stellt eigentlich niemand Wasserstoff her, wenn der Strompreis an der Energiebörse negative Werte wg. Überangebot erreicht? :-)

    1) Weil bei der Elektrolyse auch die Kapitalkosten (und Verschleiß) der Anlage wichtig sind. Der Strom mag "umsonst" sein aber eine Elektrolyseanlage die nur ein paar Stunde am Tag und im Winter praktisch gar nicht läuft wird den Wasserstoff nicht gerade billig machen.
    2) Je kleiner die Anlage desto ineffizienter. Dezentrale Energieversorgung ist ein Märchen. Inbesondere wenn man korrekterweise auch noch die Transportinfrastruktur für Strom und Gas berücksichtigt.
    3) Wasserstoff zu speichern ist erstaunlich schwierig und teuer. H2 ist so ziemlich der sperrigste (im wörtlichen wie übertragenen Sinne) chemische Energieträger den man sich vorstellen kann.

    All dies Einzelfaktoren erklären warum seröse Publikationen (Nature) die Energieeffizien von "electric to chemical" auf 5%-35% schätzen. Die von ihnen vorgeschlagen Lösung (dezentral nur Überschüsse und lokla speichern) liegt dabei eher am unteren Ende.
    Auf die 35% kommt man nur unter optimalen Annahmen (kontinuierlicher BEtrieb, zb Nuklear), Großanlage und Verwendung sofort vor Ort z.B für Stahlproduktion.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.10.2022 19:06).

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  • Avatar von werner2k
    • werner2k

    58 Beiträge seit 12.10.2022

    Antwort auf Ineffizienter Wasserstoff? von tin_duck.

    Ihre Idee scheitert leider an einigen physikalischen und technischen Unmöglichkeiten. Zum einen braucht eine Elektrolyse eine konstante Stromversorgung - die lässt sich nicht einfach ein- und ausschalten wie eine Glühbirne, da die Elektroden den dabei auftretenden Kaviationseffekt gar nicht mögen - ihre Elektrolyse wäre sehr bald nur noch Schrott. Zum andern ist die Speicherung von H2 sehr schwierig - enweder Druck- oder Kryotanks. Beide Techniken brauchen verdammt viel Energie.
    Wollen sie den gewonnen H2 dann vor Ort wieder verstromen, brauchen sie entweder eine H2-taugliche Gasturbine samt Generator oder eine passende Brennstoffzelle inkl. der notwendigen Heiz- und Regeltechnik.
    Die Abregelzeiten von Windkraftanlagen sind relativ gering - eine solche Investition würde sich nie rechnen. Ihr Vorschlag würde den Strom aus Windkraft endgültig eliminieren (was eigentlich nicht schlecht wäre).

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  • Avatar von Chris Grisuu
    • Chris Grisuu

    3 Beiträge seit 01.08.2022

    Antwort auf Ineffizienter Wasserstoff? von tin_duck.

    Danke! Genau das ist der ausschlaggebende Punkt. Deutschland hatte 2021 einen Stromüberschuss von 17 TWh.. das ist aber nicht gleich bedeutend mit wir produzieren mehr als genug Strom für alle im Land, leider haben wir einen Stromüberschuss tagsüber und ein Defizit morgens und abends.

    Damit das Stromnetz aber stabil bleibt müssen wir den Überschuss ins Ausland verkaufen (aktuell meist nach AT und CH) und das zu äusserst geringen Preisen und morgens/abends kaufen wir ihnen zurück

    Und genau an dem Punkt wird das Effizienzargument gegen Wasserstoff völlig irrelevant, denn wir haben Strom im Überfluss den wir nutzen MÜSSEN.

    Diese Situation wird sich in den nächsten 10 Jahren auch noch verschärfen, weil wir immer mehr PV Anlagen haben die tagsüber liefern und immer weniger Kraftwerke die die Grundlast abdecken (Kohle, AKW, Gas).

    Also entweder wir bauen Batterieparks(wie das aktuelle Versuchobjekt in BW) oder wir produzieren mit dem massiven Stromüberschuss Wasserstoff den wir dann wiederum beliebig weiterverwenden und vor allem langfristiger speichern können.

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    • tin_duck

    mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.2001

    Antwort auf Re: Ineffizienter Wasserstoff? von werner2k.

    Könnte man ja auch zentral in Großanlagen machen, der Strom schafft es schon bis dahin.

    Im Prinzip geht es ja nur darum, bei Strom-Überangebot sinnvolle Verbraucher (=Elektrolyseanlage, Pumpspeicherwerk, whatever) zuzuschalten, anstatt abzuregeln.

    Wenn Akkubänke oder Flussspeicher effektiver sind - nur her damit.

    Wir brauchen mal ein paar mehr Leute, die sagen, was geht - und nicht 80 Millionen 'Experten', die kreischen, was nicht geht und sich von der Energielobby durchs Dorf treiben lassen.

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