jfmprof schrieb am 11.02.2022 14:27:
Stattdessen hat man mit "hammer & dance", "flatten the curve" dem Virus Zeit verschafft zu mutieren und Generation um Generation auszubilden,
Das glaube ich nicht. Sagen wir, in erster Näherung ist der Erwartungswert für die Zahl der Mutationen, die ausprobiert werden, einfach proportional zur Zahl der Infizierten. Mit "flatten the curve" geht das dann halt etwas langsamer. Wenn man der Pandemie einfach freien Lauf läßt, hat man dagegen eine große Zahl von Mutationen in kurzer Zeit, was mir wesentlich bedenklicher erscheint. In zweiter Näherung könnte es dann so sein, daß manche Menschen den Erreger schnell eliminieren und andere erst nach Monaten oder auch gar nicht, worauf In der Sache anscheinend hinaus will. Der Anteil der letzteren Gruppe an der Bevölkerung könnte dann von Land zu Land verschieden sein, je nach durchschnittlichen Impfstatus, Altersdurchschnitt, Verbreitung von AIDS usw.
Im Frühjahr 2020 war "flatten the curve" wohl das Gescheiteste, was man machen konnte. Gerade auch, um Zeit zu gewinnen, denn so viel hat man ja damals über die Krankheit noch nicht gewußt. Ich würde diese Maßnahme nach einer Art Regelutilitarismus beurteilen und komme dabei zu der Auffassung, daß man das in einer vergleichbaren Situation wieder so machen sollte.
Es handelt sich bei der Virenevolution aber gerade um keine lineare Entwicklung, wo eine Mutation aus der anderen hervorgeht. Im Prinzip bestehen alle Mutation von Anfang an gleichzeitig (vereinfachte Betrachtung), werden aber durch äußere Umstände selektiert. Eine Veränderung dieser Umstände führt dann mitunter zur Begünstigung einer anderen Mutation, die daraufhin in der Fläche dominant werden kann.
Man muss sich von der Vorstellung der zeitlichen Abfolge der Mutationen lösen, um dies zu verstehen, was zugegebenermaßen erstmal schwerfällt, widerspricht es doch der "gefühlten Evidenz".
Die, womöglich eben irrige, Hoffnung war dann die schnell zusammengewerkelte Impfung, von der man sich versprach, dass sie auf die ein oder andere Weise die Pandemie schnell zum erliegen bringen würde, sei es durch Sterilität, sei es durch "geringere Ansteckungsfähigkeit infolge verminderter Virenlast". Beides hat sich aber als nicht erfüllbar herausgestellt.
Ich habe mir im vorigen Jahr eine URL https://www.ndr.de/nachrichten/info/Coronavirus-Update-Drosten-Erste-Podcast-Folge-nach-der-Sommerpause-,coronavirusupdate204.html notiert, wo Drosten ernsthaft behauptet, man könne die Pandemie wegimpfen. Wobei ich nicht richtig sagen kann, ob er das ernsthaft geglaubt oder nur auf die Schnelle in einem Gespräch gesagt hat. Ich würde sagen, wer zu einem vernünftigen Maß an Skepsis neigt und sich die Schwierigkeiten zB der Ausrottung von Polio vor Augen führt, würde so etwas von vornherein nicht glauben.
Als Schutz gegen schwere Verläufe scheint es ja durchaus zu funktionieren, wenn auch weniger gut als wünschenswert.
Diese "Hausfrauensichtweise", dass man eine virale Epidemie einfach "wegimpfen" kann, ist leider sehr verbreitet. Dass es dazu steriler Impfung benötigt, etwas, was bisher nur selten gelang, ist den Laien nicht bewusst. "Die Spritze hilft, die Krankheit auszurotten" war und ist die Sichtweise etlicher Entscheidungsträger, die sich um medizinische Hintergründe keine Gedanken machen (können). Deren Horizont ist mitunter noch beschränkter als der des "gemeinen Mannes" und kommt über die mediale Vereinfachung selten hinaus. Auch Politiker sind zuallermeist nunmal medizinische Laien, oftmals zusätzlich noch weniger willens oder in der Lage, sich intensiver mit der Materie zu beschäftigen, über die sie im Parlament abzunicken haben.
Die wenigsten werden kapiert haben, dass eine Impfung im Prinzip immer eine Infektionssimulation ist und einzig das körpereigene Immunsystem "scharf schalten" kann, dass dann die Erregerbekämpfung übernimmt. Etliche werden tatsächlich in der Vorstellung behaftet sein, das Vakzin selbst eliminiert, wie ein Antibiotikum, die Viren im Körper. Es hat schon einen Grund, warum zur jeweiligen Entscheidungsfindung der Politker von den Medien keine Interviews geführt werden ;o)
Und was den Selbstschutz angeht, so warne ich eindringlich davor, hier womöglich auf statistische Artefakte, wenn man Manipulation mal ausschließen will, und hoffnungsgetriebene voreilige Schlüsse hereinzufallen. Anders herum sollte man sich selbst ehrlich fragen, was denn die Konsequenz wäre, wenn die versprochenen "Wunderimpfstoffe" eben überhaupt nicht das halten, was man sich von ihnen erwartet und erhofft hat?! Es wäre das Eingeständnis des völligen Versagens, wenn die Wunderwaffe zum Rohrkrepierer wird und man sträflich auf einen Plan B nicht nur verzichtet, sondern diesen als unnötig, gar kontraproduktiv, betrachtet und aktiv bekämpft hat.
Ohne diese Fähigkeiten jedoch stellt der Impfstoff nur einen weiteren Selektionsfaktor für die Virusentwicklung dar, der schneller überwunden wird, als die Vakzine angepasst werden können.
Ich persönlich möchte zwar nicht gerne zu einer Impfung gezwungen werden, mir aber diese auch nicht verbieten lassen, nur weil dann im Fall einer Infektion das Virus in meinem Körper Varianten ausprobieren kann, die vielleicht dem verwendeten Impfstoff ausweichen. Um selber vor derartigen Varianten geschützt zu sein, habe ich mich für die Kombination J&J/Moderna entschieden, die anscheinend relativ selten ist. Wobei natürlich zu diskutieren wäre, ob das wirklich hilft.
Ich will niemandem die Impfung verbieten!
Es soll aber stets eine freie Entscheidung ohne Zwang sein, sowohl in die eine wie in die andere Richtung!
Und es soll weiterhin Forschungsdruck da sein, die Impfstoffe zu verbessern, stets erneut auf die wissenschaftliche Goldwaage zu stellen und nach möglichen Alternativen zu suchen; auch hinsichtlich eines Plan B im Falle des vollständigen Versagens.
Man stelle sich vor, im Falle von AIDS wäre damals auf die hoffnungsgeladenen Stimmen gehört wurden, die da posaunten, binnen weniger Monate einen wirksamen Impfstoff zu haben, weshalb man Präventionskonzepte nicht bräuchte und das Geld für die Behandlungsmedikation, bzw. deren Entwicklung, locker einsparen könne.
Wären nicht Milliarden in die Medikamentenentwicklung geflossen, so hätten wir heute immer noch die Todesraten der 1980er und eine tatsächlich bedrohliche, tödliche "Volksseuche".
So ist ja meine Forderung als Querdenker auch nicht, die Impfungen komplett abzuschaffen, ...
Danke. Ich möchte wie gesagt selber entscheiden, welcher Impfschutz für mich vorteilhaft ist.
... sondern weiter an besserem, zuverlässigerem und auch sichererem Impfstoff zu arbeiten, mit dem nicht nur die nötigen Ziele besser erreicht werden können, sondern der auch ein deutlich vorteilhafteres Nebenwirkungsprofil zeitigt.
Solange wir den nicht haben, sollte man sich meiner Meinung nach mit einem der vorhandenen Impfstoffe impfen lassen dürfen. Und ich glaube auch, daß es für die meisten Erwachsenen sinnvoll ist, dies zu tun.
Nochmal, es geht überhaupt nicht darum, die Impfungen zu "verbieten"! Wer sich auf eigene Entscheidung hin (aber damit auch auf eigenes Risiko!) für die Impfung entscheidet, dem soll sie gewährt werden.
Nur die unehrliche Impfpropaganda muss endlich aufhören, dass Unterschlagen der Risiken, der Druck auf Ärzte, unbedingt alles und jeden mit der Spritze zu beglücken, das unseelige Unterschlagen der Nebenwirkungen und möglichen zukünftigen Gefahren. Es geht um einen ehrlichen Umgang mit der Impfung, anstatt sie zur V2 der Medizin zu erklären.
So habe ich ja hier auch meine eigenen Erfahrungen mit der Impfung beschrieben und im Fazit lediglich festgestellt, dass ich derzeit diese "nicht empfehlen" kann. Das ist aber himmelweit davon entfernt, sie verbieten zu wollen und primär als Aufruf zu werten, an einer Verbesserung zu arbeiten, anstatt das Angebot realitätsverweigernd als Allheilmittel anzupreisen wie der Schlangenölhändler im wilden Westen sein Tonikum.
Alternativen wären vielleicht nasal zu verabreichende Impfstoffe wie RadVac. Aber bei RadVac läßt sich nicht richtig ausmachen, ob es funktioniert.
Solange es immer noch ungeklärte Fragen hinsichtlich des Wirkprinzips selbst gibt, ist die Applikationsform ein zu vernachlässigender Nebenschauplatz.
Ich habe vor einigen Tagen einen Artikel gesehen (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211124721011086), wonach die Kombination eines gegen das Spikeprotein S gerichteten Impfstoffes mit einer gegen das Capsidprotein gerichteten Drittimpfung besser vor Long Covid mit Beteiligung des Gehirnes schützen soll als die dreimalige Impfung mit einem Impfstoff gegen S. Das gilt aber wohl nur für die Drittimpfung, die beiden ersten sollten gegen S gerichtet sein. Danach wäre T-Zell-Aktivität gegen Zellen, die Schnipsel des Capsidproteins über ihr MHC-1 präsentieren, möglicherweise wünschenswert. Neutralisierenden Antikörpern ist anscheinend die Bindung an das Capsidprotein sterisch verwehrt. Diese Diskussion mit In der Sache hatten wir hier schon vor einigen Monaten, https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/2G-in-Bayern-und-das-schwarze-Schaf-in-der-Landesregierung/Re-Impfdurchbruch-Impfstoffversagen/posting-39966722/show/.
Über solche Fragen wird man wahrscheinlich lange diskutieren können. Aber das Warten auf den Wunder-Impfstoff ist möglicherweise vergebens.
Man kann ja jetzt, wo bereits über die Hälfte zweifach geimpft ist, schlecht eine anderslautende Empfehlung aussprechen. Man stelle sich vor, es käme heraus, dass die beste Kombi eine Erstimpfung mit Protein-, Zweitimpfung mit Tot- und Drittimpfung mit mRNA-Impfstoff ist. Wäre ja für die Mehrheit gar nicht mehr umsetzbar...
Eine ausführliche Diskussion über die bisherige Unterbewertung der T-Zellimmunität bei gleichzeitiger Überhöhung der Bedeutung von spezifischen Antikörpern unter Ausblendung fast aller anderen immunologischen Prozesse, bis hin zum weiten Feld der noch nicht hinreichend erforschten, würde den Rahmen des in diesem Thread Möglichen leider sprengen.