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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Die Dekolonisierung der ehem. DDR

Wer in kolonialen Strukturen denkt, der kann zwischen freien und beherrschten Völkern unterscheiden. Freie Völker hatten in den letzten paar hundert Jahren maximal eine kurzzeitige Eroberung/Besetzung zu erdulden. Während der Besetzung eingeführte Normen und Vorstellungen der Besetzer wurden nach dem Ende der Besetzung übernommen oder verworfen. Ein Beispiel sind hier z.B. die von der französischen Besetzung zur Zeiten Napoleons übernommene Verwaltungsstrukturen in Deutschland.

Bei den beherrschten Völkern dauerte die Besetzung Jahrzehnte. Oft auch Generationen.
Die lokalen Herrschaftsstrukturen und Eliten orientierten an den Besatzern/Kolonialherren und gingen einen faustischen Pakt ein und versuchten die fremde Kultur weitgehend zu übernehmen und sich anzupassen.
Im Rahmen einer Dekolonisierung werden solche Beziehungen und kulturelle Übernahmen besonders kritisch betrachtet. Das schönste Beispiel dürfte hier die englische Sprache in Indien sein, die dort die Sprache der Juristen vor Gericht ist und Hindu-Nationalisten ein Dorn im Auge ist.

Umgekehrt gibt es auch viele kulturelle Übernahmen, die nicht im Kontext einer Herrschaftsbeziehung zu bringen sind, wie z.B. das Faible der Chinesen für klassische Musik.

Die Beziehung der Ukrainer, hierbei insbesondere der Kleinrussen zu den Russen (Großrussen) läßt sich wohlwollend als schwierig bezeichnen, denn denen wird eine kulturelle Eigenständigkeit von Russen abgesprochen.
Das drückt sich natürlich auch in der Literatur aus, die zur Zeiten der UdSSR (und auch später) verbreitet wurde.
Da habe ich durchaus verständnis, insbesondere unter aktuellen Rahmenbedingungen, wenn Ukraine auf die kulturelle Vereinnahmung allergisch reagieren.

A propos Dekolonialisierung:
Die DDR war 44 Jahre praktisch eine Kolonie der UdSSR. Da gab es nicht nur die Breschnew-Doktrin und das Land war voller Soldaten der UdSSR, sondern auch kulturell konsequent auf Moskau ausgerichtet. (Mit teilweise sehr mäßigem Erfolg, da auch die Ossis lieber nach Westen schauten.)
In diesem Tagen ist das Treiben im Osten unseres Landes doch manchmal äußerst befremdlich, wenn es um den ehem. Kolonialherrn geht.
Da bleibt noch viel zu tun.

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  • Avatar von Meinelhans
    • Meinelhans

    mehr als 1000 Beiträge seit 21.08.2019

    Antwort auf Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Mathematiker.

    Mathematiker schrieb am 09.03.2023 16:05:

    Die DDR war 44 Jahre praktisch eine Kolonie der UdSSR. Da gab es nicht nur die Breschnew-Doktrin und das Land war voller Soldaten der UdSSR, sondern auch kulturell konsequent auf Moskau ausgerichtet. (Mit teilweise sehr mäßigem Erfolg, da auch die Ossis lieber nach Westen schauten.)

    Das hast Du Dir ausgedacht, ist natürlich Unfug. Und nicht nur das, es ist sogar zum lachen.

    In der DDR konntest Du als normaler Bürger 40 Jahre lang leben, ohne Dich überhaupt um irgendwas "Russisches" zu kümmern. Zwar lernten die Schüler Russisch als Fremdsprache in der Regel ab der 5. Klasse, doch dieser Unterricht war durchweg sehr unbeliebt. Russische Sprache war in der DDR unter Schülern als "Halskrankheit" verschrien. Ansonsten ist das einzig wirklich "Russische" in der Erinnerung die Ausgabe des Sputnik von 1985 (?), der den Zerfall der Sowjetunion einleitete und was zum Verbot der Zeitschrift in der DDR führte. "Sowjetunion" / Russland war in der DDR ein sehr exotisches Thema und "russische Soldaten" sah man unglaublich selten, wenn überhaupt.

    Die DDR galt den Russen ausserdem als wirtschaftlich, kulturell und zivilisatorisch überlegen, es war also eine gute Sache für russische Bonzenfrauen, wenn sie eine Zeit lang in der DDR leben durften.

    Leider kannst Du Dir davon überhaupt keinen Begriff machen. Was die Ostler vielleicht unterscheidet ist der Mangel an antirussischer/antisowjetischer Dauerhetze, wie sie im Westen üblich war. In der DDR hat man sich den durchschnittlichen Russen als einen manchmal etwas einfältigen, aber doch guten Kerl, der zu viel säuft, ausgemalt.

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  • Avatar von Orca30
    • Orca30

    mehr als 1000 Beiträge seit 18.11.2004

    Antwort auf Re: Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Meinelhans.

    Meinelhans schrieb am 09.03.2023 16:28:

    Leider kannst Du Dir davon überhaupt keinen Begriff machen. Was die Ostler vielleicht unterscheidet ist der Mangel an antirussischer/antisowjetischer Dauerhetze, wie sie im Westen üblich war.

    Ein Ossi will über die Wessis urteilen.

    Da sage ich nur

    Leider kannst Du Dir davon überhaupt keinen Begriff machen.

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  • Avatar von Dr. Phibes
    • Dr. Phibes

    mehr als 1000 Beiträge seit 31.01.2009

    Kolonie

    Antwort auf Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Mathematiker.

    Da kann ich noch ein Erlebnis beisteuern.

    Gerichtsverhandlung wegen Sanierung des Wohnblocks (von 100 Wohnungen sind noch 5 von den ursprünglichen Mietern bewohnt).
    Ostdeutsche Großstadt.
    Richter: alte Bundesländer
    Käufer des Wohnblocks: alte Bundesländer
    Anwälte: alte Bundesländer
    Mieter: neue Bundesländer
    Richter und Besitzer grüssten sich per Vornamen.
    Ging übrigens unentschieden aus.

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  • Avatar von Lookeye
    • Lookeye

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.08.2009

    Antwort auf Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Mathematiker.

    Mathematiker schrieb am 09.03.2023 16:05:

    A propos Dekolonialisierung:
    Die DDR war 44 Jahre praktisch eine Kolonie der UdSSR.

    du weißt ja nichtmal wann die DDR gegründet wurde und willst uns was erzählen...44 Jahre...tststs

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  • Avatar von Ackerwertzahl 100
    • Ackerwertzahl 100

    mehr als 1000 Beiträge seit 20.11.2022

    Antwort auf Re: Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Meinelhans.

    Entschuldigung, an den Russischunterricht habe ich etwas andere Erinnerungen. Den Begriff "Halskrankheit" habe ich in meiner ganzen Schulzeit nicht gehört. Und ich habe gerne Russisch gelernt. Auch wenn ich heute damit wenig anfangen kann. Was mich belustigt, ist, dass ich besser Englisch spreche als viele Westdeutsche meines Alters. Und das bei weniger Unterricht. Und dass die Sowjets nicht bzw. nur wenig aus ihren Kasernen rausgekommen sind, lag auch daran, dass die nicht sehen sollten, dass es den Besiegten besser ging als den Siegern. Ohne die sowjetische Gängelei in der Wirtschaft wäre uns vermutlich sehr geholfen gewesen.

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  • Avatar von mouse-net
    • mouse-net

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.04.2004

    Antwort auf Re: Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Lookeye.

    Lookeye schrieb am 09.03.2023 18:01:

    Mathematiker schrieb am 09.03.2023 16:05:

    A propos Dekolonialisierung:
    Die DDR war 44 Jahre praktisch eine Kolonie der UdSSR.

    du weißt ja nichtmal wann die DDR gegründet wurde und willst uns was erzählen...44 Jahre...tststs

    lol
    Vorher hiess das SBZ.

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  • Avatar von Formosus
    • Formosus

    mehr als 1000 Beiträge seit 13.03.2018

    Antwort auf Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Mathematiker.

    Ja mei, ...
    "Die lokalen Herrschaftsstrukturen und Eliten orientierten an den Besatzern/Kolonialherren und gingen einen faustischen Pakt ein und versuchten die fremde Kultur weitgehend zu übernehmen und sich anzupassen."
    Deshalb jettet man halt mal ins Zentrum der Macht.
    God bless America.

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  • Avatar von Bigbirl
    • Bigbirl

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.08.2021

    Antwort auf Re: Die Dekolonisierung der ehem. DDR von Meinelhans.

    Daß in der DDR Russisch unterrichtet wurde, war einer der Vorteile. Wir mußten uns leider mit Englisch abgeben - also der in Europa nicht so bedeutenden Sprache. Tatsächlich ging es dabei auch nie um Englisch - die wenigsten Deutschen haben irgendeine Beziehung zu GB, sondern um die USA und amerikanisches „Englisch“. Es ging um Kolonisierung durch die USA - und die ist leider gelungen, sowohl kulturell als auch politisch.

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  • Avatar von Bigbirl
    • Bigbirl

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.08.2021

    Antwort auf Re: Die Dekolonisierung der ehem. DDR von mouse-net.

    Und ich Narr dachte, die DDR sei als Ergebnis des 2. Weltkriegs und der Weigerung des Westens, sich an die Vereinbarungen von Jalta und Potsdam zu halten, ein geeintes Deutschland beizubehalten. So kann man sich täuschen!

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