Feldor schrieb am 04.10.2023 19:03:
Pearphidae schrieb am 04.10.2023 18:31:
Feldor schrieb am 04.10.2023 12:45:
Taiwan ist wirtschaftlich von der Volksrepublik China abhängig: 26% der Exporte gehen nach Festland-China, weitere 14,1 % nach Hongkong. Das heißt, dass über 40% der Exporte in die Volksrepublik gehen. Die USA sind an zweiter Stelle, allerdings nur mit 14,7% (Quelle: ).
Der chinakritische Kurs der derzeitigen taiwanesischen Regierung ist daher vor allem ideologisch motiviert, wirtschaftlich gesehen aber eher eine Geisterfahrt. Eine Kappung der wirtschaftlichen Beziehungen käme einem Totalabsturz der taiwanesischen Wirtschaft gleich. Kein Wunder, dass die meisten taiwanesischen Unternehmen das nicht mitmachen wollen, denn ohne den China-Handel bricht ihnen quasi die wichtigste Geschäftsgrundlage weg. Der chinesische Markt ist für Taiwans Unternehmen einfach viel relevanter und lukrativer als der westliche.
Andere Quellen weisen geringfügige Abweichungen auf, über den Daumen gepeilt ist das Bild jedoch gleich:
https://www.dpa-shop.com/shop/taiwans-exporte/
Der Wichtigste Punkt sind jedoch die ART der Exportgüter: Elektronik und IT-Produkte. Und da ist Taiwan nicht auf Abnehmer in China angewiesen. Die Sachen kriegen sie überall in der Welt los. Letztes Jahr war großes Gejammer in aller Welt, es gäbe zu wenige Chips.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1269335/umfrage/wichtigste-exportgueter-fuer-taiwan/
Genau genommen kann China froh sein von Taiwan bevorzugt behandelt zu werden.
Allerdings wird der Bedarf im Rest der Welt (der ja jetzt schon von Taiwan beliefert wird) nicht einfach plötzlich massiv steigen, wenn China nicht mehr beliefert würde. Der Bedarf an IT-Produkten ist ja nicht unendlich. Wenn 40% der Nachfrage einfach mal so wegfallen, dann kann man das nicht mal so eben ersetzen. Das wäre für die Unternehmen zwar nicht der Weltuntergang, aber es würde dennoch eben die Profite reduzieren und es würden auch weniger Beschäftigte benötigt, weshalb einige von ihnen ihren Job verlieren würden.
Das Hauptproblem ist, dass in China 1,4 Milliarden Menschen leben, die mittlerweile auch fast alle Handy und Computer haben. Das sind mehr Menschen als in allen westlichen Ländern+Russland zusammen und einfach eine riesige Masse an potentiellen Kunden. Da wollen die taiwanesischen Unternehmen natürlich gerne mitmachen. Hinzu kommt, dass viele taiwanesische Konzerne in der Vergangenheit viel Geld auf dem Festland investiert haben und natürlich nicht wollen, dass ihre Fabriken dort womöglich in Gefahr geraten.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Foxconn-Chef Terry Gou, ein taiwanesischer Unternehmer, der bei jeder Gelegenheit die chinesische Führung lobt und massiv auf dem Festland investiert hat (Foxconn ist die Firma, bei der Apple seine iPhones fertigen lässt). Foxconn musste zuletzt sogar eine Geldstrafe zahlen, weil sie ohne Genehmigung der taiwanesischen Behörden in eine chinesische Chipfirma investiert hatten: https://www.reuters.com/technology/taiwan-fines-foxconn-unauthorised-china-investment-2023-01-19/
Kurze Zeit später hat Terry Gou dann seine Präsidentschaftskandidatur verkündet. Die dürfte zwar aussichtslos sein (Umfragen sehen ihn bei maximal 14%), aber es zeigt eben, dass es insbesondere innerhalb der taiwanesischen Unternehmerschaft massive Widerstände gegen ein Decoupling von China gibt.
EineSchwalbe macht noch keinen Sommer und ein einzelner chinaaffiner Unternehmer steht nicht für eine gesamte Branche, deren Lieferzeiten bei ca. 25 Wochen liegt und deren Auftragsbücher Jahre im Voraus ausgebucht sind. Fällt China weg, reißen ihnen andere die Ware mit Handkuss aus den Händen.
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/neuwagenkauf/halbleiter-engpass/
https://www.computerbase.de/2022-10/abschwung-in-sicht-chip-lieferzeiten-fallen-so-stark-wie-seit-jahren-nicht/
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/autoindustrie-warum-der-chipmangel-noch-mindestens-bis-2025-anhalten-wird-a-4530e6ee-b64b-46d0-8390-d519a56bcfbc
Viele Länder bemühen sich derzeit eigene Chipproduktionen aufzubauen, aber das ist leichter geplant als getan und es wird noch lange dauern, bis man die Erfahrungen Taiwans nicht mehr braucht.