Der Hypothese von der Willensfreiheit in einem Menschen, wobei man immerhin einen Zusammenhang zwischen dem willensmäßigen Impuls, eine Entscheidung zu treffen, die dann auf den Körper wirkt und der Tätigkeit des Gehirns ausgeht, steht die Hypothese von dessen Unzurechnungsfähigkeit entgegen.
Man hat das Gefühl, frei zu sein, also dass das eigene Wollen mit den Umweltbedingungen so in Übereinstimmung gebracht werden kann, dass es kein unüberwindbares Hindernis gibt, den Willen durchzusetzen. So kann man frei sein, durch eine offene Tür zu gehen, bei einer abgeschlossenen Tür gelingt das nicht und schon ist man gefangen und fühlt sich unfrei.
Davon zu unterscheiden ist, dass dem Gefühl der Freiheit auch eine inneren Hemmung entgegenstehen kann, den Willen umzusetzen. So kann man sich nicht erfolgreich entschließen seinen Atem länger als 2 Minuten anzuhalten oder auf einen Turm zu steigen, wenn man Höhenangst hat.
Eine weitere Form des Willensmangels ist die Unfähigkeit eine Alternative wahrzunehmen. Diese Unfähigkeit wird nur von außen als Unfähigkeit wahrgenommen, während der in seiner Sozialisation Befangene, sie gar nicht hinterfragt. So wird eine unemanzipierte Frau beispielsweise ihre Unfreiheit nicht als Mangel erkennen, sondern sie als unbezweifelbare Natur ihres eigenen Daseins hinnehmen.
Selbst im Strafrecht, das ja die Willensfreiheit postuliert, nur um deren Vernichtung als schuldhafte Verfehlung zu begründen, wird Willensfreiheit immer nur relativ betrachten. Irgendwo gibt es dann eine magische Grenze der Irrationalität, hinter der man dem Täter keinem freien Willen mehr zurechnen will, der eine Schuld begründet.
Eine Gesellschaft, die mehr und mehr dazu übergeht, den Willen der Menschen innerhalb der Gesellschaft zielgerichtet zu lenken und zu manipulieren, wird andere Zugriffsmechanismen erfinden, als den Schuld- und Sühneausgleich durch Gerichtsbeschluss. Sie wird chemisch oder neuronal auf das Hirn einwirken, um die Impulse zu kontrollieren oder anderweitige Konditionierungsmöglichkeiten favorisieren; sie wird die Spritze für ein angepasstes Verhalten setzen, um dem Manipulationsobjekt die passende Substanz einzuflößen, die ihm sagt, was er zukünftig will und nicht will oder gleich sein Gehirn dafür passend umbauen.
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