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  • Homonuclus

mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.2007

Zu viele eben.

Ein Arbeitsplatz an der Uni ist für viele attraktiv: relativ gute Bezahlung (je nach Fach ist das in der Wirtschaft oft unerreicht, selbst für einige Naturwissenschaftler -- z. B. Geologen, Biologen), Vertrauensarbeitszeit, man kann sich seine Arbeit aussuchen, bzw, kann lernen was man möchte, wann man möchte. Krisensicherer Arbeitsplatz, da öffentlicher Dienst, und bestimmt noch mehr Gründe warum man das Alles will.
Kurz: an vielen Uni-Stellen ist eine lange Schlange.
Wie soll da Sicherheit (sprich unbefristete Stellen) für alle überhaupt möglich sein? Es geht nur indem man viele schon sehr früh rausfeuert, naja, das ist vielleicht gar nicht so schlecht, sonst findet man sich später als 45 Jähriger, Hartz-IV-Privatdozent wieder.

Das Argument, dass neue Menschen und neue Ideen aber wichtig sind, ist nicht ganz haltlos. Auch, dass sich viele in der Sicherheit des öffentlichen Dienstes es erst mal "ruhig" angehen lassen.

Jetzt ist Wissenschaftler eben Knochejob: Vorträge halten auf Konferenz, Publikationen, Gutachten, Gelder einwerben, Lehre, Forschung. Da benötigt es schon gute Leute, aber was ich an der Uni oft sehe ist das umgekehrte Leistungsprinzip: der der nix kann wird gefördert, weil der findet sonst nix, und bei denen die was können sagt man: der findet schon was. Alles schon erlebt.

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    • Lasse Reden

    mehr als 1000 Beiträge seit 12.02.2012

    Antwort auf Zu viele eben. von Homonuclus.

    Homonuclus schrieb am 22.06.2021 18:41:

    Da benötigt es schon gute Leute, aber was ich an der Uni oft sehe ist das umgekehrte Leistungsprinzip: der der nix kann wird gefördert, weil der findet sonst nix, und bei denen die was können sagt man: der findet schon was. Alles schon erlebt.

    Das kann auch andrere Ursachen haben. Ich habe an der Uni erlebt, dass kurz vor Ablauf eines Drittmittelprojekt noch kein Anschlussprojekt da war, was dazu führte, dass die guten Leute sich alle wegbeworben haben und als das Anschlussprojekt dann endlich kam, schon anderswo eine Stelle hatten. Zurück blieben nur die Mittelmäßigen, die nichts gefunden hatten.

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    • linksblockde

    625 Beiträge seit 18.01.2021

    Antwort auf Zu viele eben. von Homonuclus.

    Homonuclus schrieb am 22.06.2021 18:41:

    ...

    Jetzt ist Wissenschaftler eben Knochejob: Vorträge halten auf Konferenz, Publikationen, Gutachten, Gelder einwerben, Lehre, Forschung. ...

    Die Reihenfolge sagt alles über das System aus: Lehre und Forschung am Ende Ihrer Aufzählung. Und über Sie.

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    • Homonuclus

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.2007

    Antwort auf Re: Zu viele eben. von Lasse Reden.

    Lasse Reden schrieb am 22.06.2021 18:53:

    Das kann auch andrere Ursachen haben. Ich habe an der Uni erlebt, dass kurz vor Ablauf eines Drittmittelprojekt noch kein Anschlussprojekt da war, was dazu führte, dass die guten Leute sich alle wegbeworben haben und als das Anschlussprojekt dann endlich kam, schon anderswo eine Stelle hatten. Zurück blieben nur die Mittelmäßigen, die nichts gefunden hatten.

    Das ist tatsächlich sehr weit verbreitet.

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    • Homonuclus

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.2007

    Antwort auf Re: Zu viele eben. von linksblockde.

    linksblockde schrieb am 22.06.2021 19:19:

    Die Reihenfolge sagt alles über das System aus: Lehre und Forschung am Ende Ihrer Aufzählung. Und über Sie.

    Das Beste kommt zum Schluss? Meinten Sie das?

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  • Avatar von franz (12)
    • franz (12)

    mehr als 1000 Beiträge seit 23.08.2020

    Zu wenig eben

    Antwort auf Zu viele eben. von Homonuclus.

    Wir leben in einer Übergangszeit. Durch die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft, durch die Automatisierung aller Arbeitsprozesse, wird es notwendig sein, die Arbeitszeit wesentlich zu verkürzen (mindestens 10 Stunden pro Woche). Damit der Mensch diesen Freiraum produktiv ausschöpfen kann, ist es notwendig, dass möglichst viele Menschen eine Ausbildung an der Universität erhalten. Die (immer weniger vorhandene) Erwerbstätigkeit muss durch die freie schöpferische Tätigkeit abgelöst werden. Es ist eine der Krankheiten und Absurditäten der Gegenwart, dass dieses ungeheure Potenial (die freie Zeit) für eine Höherentwicklung der Humantität völlig ungenutzt vergeudet wird.
    Man glaubt in einer Welt von Geisteskranken zu leben.

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    • Homonuclus

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.2007

    Antwort auf Zu wenig eben von franz (12).

    franz (12) schrieb am 23.06.2021 23:10:

    Wir leben in einer Übergangszeit.

    Das tun wir immer, alles ist im Fluß.

    Durch die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft, durch die Automatisierung aller Arbeitsprozesse, wird es notwendig sein, die Arbeitszeit wesentlich zu verkürzen (mindestens 10 Stunden pro Woche).

    Das wäre nur so, falls nicht neue Arbeitsgebiete erschlossen werden. Dabei war der Mensch aber schon immer sehr kreativ.

    Die (immer weniger vorhandene) Erwerbstätigkeit muss durch die freie schöpferische Tätigkeit abgelöst werden. Es ist eine der Krankheiten und Absurditäten der Gegenwart, dass dieses ungeheure Potenial (die freie Zeit) für eine Höherentwicklung der Humantität völlig ungenutzt vergeudet wird.

    Das Ergebnis schöpferischer Tätigkeit will ja auch verkonsumiert werden: Millionen/Milliarden an Musikstücken, Filmen/Serien, Büchern usw.
    Und darunter ebenfalls Millionen/Milliarden an Quatsch der einfach schlecht ist. Das geht nicht auf.
    Mit die großartigsten Ergebnisse gab es bei wenigen "Schöpfern" und vielen Bauern.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.06.2021 08:11).

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  • Avatar von franz (12)
    • franz (12)

    mehr als 1000 Beiträge seit 23.08.2020

    Antwort auf Re: Zu wenig eben von Homonuclus.

    Das Wesentliche über die freie schöpferische Tätigkeit (anstelle von Erwerbstätigkeit)
    ist in der berühmten Schrift von Oscar Wilde behandelt "Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus." Jeder der über eine neue Gesellschaft nachdenkt, sollte das lesen.
    In einer freien Gesellschaft (intendiert von Oscar Wilde) gibt es einen unauschöpfbaren Bereich kreativer Tätigkeiten. Den gibt es schon heute, den gab es in der Vergangenheit.
    Betrachten wir die Wissenschaft. Da brauchen keine "neuen Arbeitsbereiche" erschlossen werden, da die Zahl der ungelösten Probleme schon heute sehr groß ist, weiter wachsen wird. Ferner: Nach dem Philosophen Schopenhauer kann einer, der für Geld schreibt, nichts Großes zustande bringen. Das erste Grundsatz einer freien Wissenschaft, ist,
    dass sie kein bezahltes Gewerbe sei. Ich habe den Eindruck, dass Homonuclus den Unterschied zwischen freier schöpferischer Tätigkeit und Erwerbstätigkeit nicht verstanden hat.

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    • Homonuclus

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.08.2007

    Antwort auf Re: Zu wenig eben von franz (12).

    franz (12) schrieb am 24.06.2021 20:38:

    Betrachten wir die Wissenschaft. Da brauchen keine "neuen Arbeitsbereiche" erschlossen werden, da die Zahl der ungelösten Probleme schon heute sehr groß ist, weiter wachsen wird.

    Das ist doch die Definition von "neue Arbeitsbereiche erschließen". Neue Fragestellungen finden und diese dann auf eine Lösung hin bearbeiten -- egal ob in Wissenschaft oder Produktion.

    Ferner: Nach dem Philosophen Schopenhauer kann einer, der für Geld schreibt, nichts Großes zustande bringen.

    Das hat er nie gesagt, er hat z. B. die Leistungen Nietzsches (er hat noch ein paar andere Namen genannt die mir gerade nicht einfallen) voll anerkannt. Er hat gesagt, dass die die das für Geld machen müssen irgendwann verrückt werden, da sie ihren Hirn zu sehr anstrengen müssen, und dieses wie ein Muskel ist, das eben auch irgendwann ermüdet. Er war dafür nicht mehr als 2- 4 Stunden am Tag angestrengt zu denken.
    Wilde habe ich nie gelesen, Schopenhauer aber sehr wohl.

    Das erste Grundsatz einer freien Wissenschaft, ist,
    dass sie kein bezahltes Gewerbe sei.

    Der erste Grundsatz von Wissenschaft allgemein ist: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge." - Heraklitus
    Trotzdem wollen wir den vermeiden.

    Ich habe den Eindruck, dass Homonuclus den Unterschied zwischen freier schöpferischer Tätigkeit und Erwerbstätigkeit nicht verstanden hat.

    Mag sein.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (29.06.2021 12:57).

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