Die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft, die ein unbegrenztes Potential für die Automatisierung aller relevanten Produktionsprozesse ermöglicht, führt zu dem Hauptproblem der Gegenwart. Diese neuen Technologien produzieren freie Lebenszeit, das ist diejenige Lebenszeit eines Menschen, die außerhalb der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit liegt. Wenn 25% der heutigen Arbeitszeit insgesamt nötig ist, um die Lebensbedingungen der gesamten Gesellschaft zu reproduzieren, dann kann die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit von heute 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche auf 10 Stunden reduziert werde. Die Bedeutung dieser freien Lebenszeit ist enorm, denn das ist dasjenige Medium, in welchem der Mensch seine schöpferischen Kräfte und Anlagen voll entfalten kann. Ferner lässt sich mit Sicherheit ein Konzept entwickeln, so dass einerseits die freie Lebenszeit wächst, gleichzeitig der Verbrauch an materiellen Ressourcen - vor allem im Sinne des Schutzes der Natur – bei vernünftiger Organisation und Planung - begrenzt wird. Man kann den kulturellen Wirkungsgrad einer Gesellschaft daran messen, in welchem Umfang die freie Lebenszeit in Werke der Kultur und Wissenschaft umgesetzt wird. Die Kultur der alten Griechen erscheint uns heute als mustergültig, und jene Philosophen und Dichter (Aristoteles, Platon, Aischylos, Euripides, ….(eine lange Liste) erhielten diese freie Zeit (die sogenannte Muße) durch die Arbeit der Sklaven, die heute durch die Roboter ersetzt werden können. Aristoteles ist damals keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen, sondern er war frei schöpferisch tätig. Wir müssen eine klare Unterscheidung zwischen freier schöpferischer Tätigkeit und Erwerbstätigkeit einführen. Die heutige Zeit ist reif, von der Erwerbstätigkeit zu einer freien schöpferischen Tätigkeit überzugehen. Wer das nicht verstanden hat, wie der größte Teil der der Diskussionsteilnehmer, lebt bereits in der Vergangenheit. Diese haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt und können sich wohl eher das Ende der Welt als das Ende des Kapitalismus vorstellen.
Noch ein Gedankenexperiment: Nehmen wir an, Aristotles wäre in unsere heutige Zeit versetzt und würde unsere Gesellschaft analysieren. Er würde schnell erkennen, dass die damaligen Sklaven die heutigen Roboter sind. Er würde dann fragen, warum nutzen diese Menschen nicht ihre freie Zeit Zeit, um interessante Werke zu schaffen? Er würde auch fragen: Was ist ein akademisches Prekariat? Das sind doch ausgezeichnet ausgebildete Leute, die könnten doch – frei von irgendwelchen Belästigungen- ihrer Forschung nachgehen. Bei einer 8 h-Woche ist das doch alles machbar. Ich vermute, dass Aristoteles unsere (kapitalistische) Gesellschaft als eine Gesellschaft von Geisteskranken ansehen würde.
Meine Betrachtung ist so einfach und elementar, dass ich mich wundere, dass sie nicht im Zentrum der gesamten Politik steht. Oder sind die vermeintlich normalen Leute (diejenigen die sagen, dass es keine Alternative gibt - die VWL des Mainstreams und ihre Wirtschafts"weisen") vielleicht schon völlig verrückt geworden? Wir leben in einer Zeit, in der das vermeintlich Normale (TINA= There Is No Alternative) das Verrückte, und das von den heute herrschenden Machteliten betrachtete Verrückte das Vernünftige, und damit das Normale ist.
Ferner hier ein Link über das Hereinbrechen einer primitiven Vorzeit in die Gegenwart: Das Fetisch-Denken. Wollen wir hoffen, dass dieser Unsinn bald beendet wird.
https://youtu.be/cI2Oniil5zw?t=2369#Fetisch
Gespräch mit:
Philipp Felsch (Humboldt Universität)
Dr. Patrick Eiden-Offe
Die Absurdität des akademischen Prekariats
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Antwort auf Die Absurdität des akademischen Prekariats von franz (12).
+++++ Danke für deinen Beitrag. Ich teile jeden einzelnen Gedanken.
Momentan sieht es so aus, daß ich in den letzten 4 Jahren meiner akademischen Absurdität (das Wort "Laufbahn" wäre ein schlechter Witz) an ca. 20 (Drittmittel)Anträgen mal sehr intensiv, mal eher am Rande beteiligt war. Von diesen 20 Anträgen wurde genau einer bewilligt (ein hochschulinterner Antrag). Auf dieser Stelle "sitze" ich nun. Pikanterweise hat diese Stelle das primäre Ziel, weitere Drittmittelanträge zu schreiben (neben ein wenig Alibi-Forschung und Mithilfe in der Lehre). Jetzt wirke ich nun - gottseidank nicht federführend, nur unterstützend - an einem weiteren Antrag mit, welcher wiederum - neben Forschungsstellen - auch Stellen schafft, die quasi nur dafür da sind, damit weitere Anträge geschrieben werden. Willkommen in Absurdistan, wo Forscher:innen ihre kostbare Lebenszeit damit verbringen, Anträge mit offensichtlich immer weiter sinkender mittlerer Bewilligungsquote zu schreiben, um dann im Bewilligungsfall bereits am nächsten Antrag zu feilen.
Nunja - diese absurde, künstliche Konkurrenzschaffung und Zeitvernichtung scheint ja politisch genau so gewollt zu sein.Nur als Beispiel zu diesem Theater eine rein zufällige Stellenausschreibung (hab damit nix zu tun):
https://jobs.zeit.de/jobs/wissenschaftliche-r-referent-in-m-w-d-zur-unterstuetzung-eines-exzellenzclusterantrages-universitaet-bielefeld-bielefeld-1070374Wir suchen eine Person mit Erfahrung in der Wissenschaft, die den Prozess der Beantragung eines Exzellenzclusters aktiv und koordinierend unterstützen kann. Die Aufgaben umfassen die Koordination von Workshops und Meetings, sowie deren Vor- und Nachbearbeitung. Konkrete inhaltliche Beiträge zu dem Antrag in Form von Recherchen und Textbeiträgen werden ebenfalls erwartet.
Thematisch gesehen ist der Antrag im Bereich der interaktiven intelligenten Systeme und der kognitiven Robotik angesiedelt. Da es sich um eine interdisziplinäre Initiative handelt, suchen wir eine Persönlichkeit die gerne in einem interdisziplinären Team arbeiten möchte. Die Stelle ist offen für verschiedene Fachdisziplinen (z. B. Geisteswissenschaften, Linguistik, Psychologie, Soziologie, Medizin, Gesundheitswissenschaften, etc.).
Das Verfolgen einer eigenen Forschungstätigkeit oder die Fortführung eines Promotionsprojektes werden ausdrücklich erwünscht und unterstützt.
Die Ausschreibung erfolgt unter Vorbehalt der Mittelbewilligung.
Ihre Aufgaben
Unterstützung des Antrages auf ein Exzellenzcluster durch Recherchen und Textbeiträge (30 %)Koordination des Schreibprozesses des Antrags (20 %)
Vorbereitung und Moderation von Meetings und Workshops zur Vorbereitung des Antrages auf einen Exzellenzcluster (10 %)
eigene Forschungstätigkeit (40 %)
Befristet auf 2 Jahre..
soso. Haben die Herren Professor:innen selber keine Lust mehr, Anträge federführend zu pushen und zu schreiben und wollen ebenjene Tätigkeit "outsourcen"? Mit der Karotte vor der Nase, daß man ja 40% nebenbei forschen kann? (wer's glaubt daß das nebenbei Forschen gut klappen wird.. wird seelig..)
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (24.01.2023 12:57).