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  • M.O.I Abt. Wiederbeschaffung

mehr als 1000 Beiträge seit 30.03.2020

Das ist keine "Gasumlage", das ist eine Sanktions-Abgabe

Und diese Abgabe ist ein echtes Novum in der deutschen Geschichte. Ein besonders bizarres Novum, denn einen durch Spekulation, Mitnahmeeffekte und staatliche Intervention explodierenden Preis für Energie noch durch eine weitere Abgabe zu belasten ist schon einmalig.

Vor allem, wo es im Wesentlichen um einen Konzern geht, Uniper. Bei dem auch noch nicht einmal nachvollziehbar ist, warum der eigentlich in Schwierigkeiten steckt. Denn das, was uns darüber in den Medien erzählt wird, ist offenbar ziemlicher Blödsinn.

Natürlich ist Uniper wichtig. 40% der deutschen Gasversorgung, Kraftwerke, das LNG-Terminal, usw. Aber warum dann keine "Staatsrettung" a la Lufthansa? Finanziert u.a. durch den Verzicht auf die Mehrwertsteuer-Senkung für Gas.

Der Grund ist vermutlich darin zu suchen, dass der Uniper-Konzern nicht nur russische Tochterunternehmen - 4000 Mitarbeiter - betreibt, sondern auch Nordstream-II. Da will man es sich mit unseren "Freunden" aus den USA natürlich nicht verderben. Wär ja auch zu blöd, wenn die dann ein deutsches "Staatsunternehmen" sanktionieren.

Natürlich schreibt Uniper nun für das erste Halbjahr 2022 massiv rote Zahlen, Nordstream-II ist als "Totalverlust" abgeschrieben, allein das macht wohl schon ein paar der 23 Milliarden aus. Wenn dann auch noch die "Werte" der russischen Tochterfirmen korrigiert wurden, kein Wunder dass es da zu massiven Verlusten auf dem Papier kommt.

Dass das laufende Gas-Geschäft von Uniper - also Cashflow und Liquidität - betroffen ist, ist kaum zu erwarten, die Verträge zur Gaslieferung vor allem mit Russland sind ja langfristig. Und Russland liefert. Möglicherweise waren die anderen Lieferverträge - immerhin 170TWh - nicht ganz so langfristig und da gibt es jetzt Probleme mit der Beschaffung. Und vermutlich Probleme beim Rating der Kreditwürdigkeit, BBB war ja 2021 angestrebt, das wird wohl nicht so ganz geklappt haben. Die Verlängerung des KfW-Kredites weist darauf hin, dass es genau dort wohl Probleme gibt. Was für einen Konzern, der von 2020 auf 2021 seinen Umsatz verdreifacht hat, garantiert ein Problem darstellt. Ein Problem, dem man aber durch weitere KfW-Kredite beikommen könnte.

Also, alles in allem - die "Sonderabgabe" aka Gas-Umlage ist völliger Blödsinn. Ein Geschenk, nicht nur für Uniper, auf Kosten der gebeutelten Verbraucher in Deutschland, die das nun noch zusätzlich zur Teuerung schultern dürfen. Und wo gar nicht klar ist, was damit eigentlich finanziert wird. Denn dass die Verordnung so geschrieben wurde, wie sie geschrieben wurde, war nicht Dämlichkeit, sondern Absicht.

Ist schon die Frage, was noch passieren muss, damit sich unsere Spitzen-Politiker mal auf die Hinterbeine stellen, die eigenen Sanktionen gegen Russland aufheben und vor allem mit den "Freunden" in den USA mal ein ernstes Wort reden.

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  • Avatar von spintronic
    • spintronic

    976 Beiträge seit 02.10.2015

    Antwort auf Das ist keine "Gasumlage", das ist eine Sanktions-Abgabe von M.O.I Abt. Wiederbeschaffung.

    Sorry, aber wie ich auch erst vor kurzer Zeit hier im Forum [1] erfahren habe, ist es definitiv keine Sanktionsabgabe. Die Gasumlage dient der Gewinnabsicherung der Energieversorgungsunternehmen. Wer es nicht glaubt, ich konnte es zu Beginn auch nicht glauben, sollte sich die Bundespressekonferenz vom 22. August 2022 [2] ansehen, dort verkündet es die Sprecherin des Wirtschaftsministerium hochoffiziell. Es ist ein riesiger Skandal. Meiner Meinung nach währe "Gewinnabsicherungsumlage" treffender.

    [1] https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Gasumlage-Es-knirscht-im-Gebaelk-der-Koalition/Herr-Mueller-sind-die-Fakenews-so-beabsichtigt-oder-ist-es-eine-Wissensluecke/thread-7166564/#posting_41523556
    [2] https://www.youtube.com/watch?v=hBLcE0tx1DI

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  • Avatar von alt_und_naiv
    • alt_und_naiv

    mehr als 1000 Beiträge seit 13.11.2019

    Antwort auf Das ist keine "Gasumlage", das ist eine Sanktions-Abgabe von M.O.I Abt. Wiederbeschaffung.

    M.O.I Abt. Wiederbeschaffung schrieb am 30.08.2022 10:39:

    Ist schon die Frage, was noch passieren muss, damit sich unsere Spitzen-Politiker mal auf die Hinterbeine stellen, die eigenen Sanktionen gegen Russland aufheben und vor allem mit den "Freunden" in den USA mal ein ernstes Wort reden.

    Die aktuelle Truppe wird die Volkswirtschaft beerdigen und sich anschließend wundern, wie das den passieren konnte. Den Schuldigen dafür haben sie ja schon ermittelt.

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  • Avatar von Ammerländer
    • Ammerländer

    mehr als 1000 Beiträge seit 24.01.2021

    Antwort auf Das ist keine "Gasumlage", das ist eine Sanktions-Abgabe von M.O.I Abt. Wiederbeschaffung.

    M.O.I Abt. Wiederbeschaffung schrieb am 30.08.2022 10:39:

    ...
    Natürlich schreibt Uniper nun für das erste Halbjahr 2022 massiv rote Zahlen, Nordstream-II ist als "Totalverlust" abgeschrieben, allein das macht wohl schon ein paar der 23 Milliarden aus.
    ...

    Uniper hat knapp 1 Mrd. Euro für Nord Stream 2 abgeschrieben.

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  • Avatar von teqq.at
    • teqq.at

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.09.2014

    Antwort auf Re: Das ist keine "Gasumlage", das ist eine Sanktions-Abgabe von alt_und_naiv.

    alt_und_naiv schrieb am 30.08.2022 11:21:

    M.O.I Abt. Wiederbeschaffung schrieb am 30.08.2022 10:39:

    Die aktuelle Truppe wird die Volkswirtschaft beerdigen und sich anschließend wundern, wie das den passieren konnte. Den Schuldigen dafür haben sie ja schon ermittelt.

    Ich denke, Sie haben da recht, denn die Truppe, die dieses Problem geschaffen hat ist schon bei der Problemschaffund überfordert gewesen, mit der Lösung sind sie es erst recht. Dazu ein wenig Lektüre, es gibt auch ein Video, versprochen:

    „Ich wusste, dass es ein dramatischer Preisanstieg werden würde, aber wie dramatisch es werden würde, das wusste ich auch nicht.“

    https://www.welt.de/wirtschaft/plus240707619/Robert-Habeck-Da-kommen-ganz-andere-Preissteigerungen-auf-uns-zu.html

    Das Zitat fasst es gut zusammen. Viel netter ist allerdings dieser Herr hier:

    https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2JlcmljaHQgYXVzIGJlcmxpbi8yMDIyLTA4LTI4XzE4LTAwLU1FU1o

    Herr Nouripour hat mehrmals darin gesagt, dass der Gasmarkt sehr komplex und die Rechtsfragen so hochkompliziert seien, und dass sie das nicht gewusst haben, dass das auf dem Gasmarkt alles so komplex und verflochten ist. Der Moderator fragte mal, ob man sowas als Wirtschaftsminister nicht eigentlich vorher wissen müsste.

    Er ist übrigens der Vorsitzende der Grünen, also nicht einfach irgendwer.

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  • Avatar von pkcp
    • pkcp

    939 Beiträge seit 10.10.2017

    Man kann es auch Solidaritätsabgabe für die Ukraine nennen

    Antwort auf Das ist keine "Gasumlage", das ist eine Sanktions-Abgabe von M.O.I Abt. Wiederbeschaffung.

    Klar, wenn wir uns von den USA (böseböseböse!) abwenden würden und mit den Russen auf Liebkind machen ("war nicht so gemeint, jetzt wo uns kalt wird, merken wir, wo der wahre Feind sitzt"), kriegen wir vielleicht wieder billisch Gas.

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    • M.O.I Abt. Wiederbeschaffung

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.03.2020

    Re: Nee, das kann man nun wirklich nicht

    Antwort auf Man kann es auch Solidaritätsabgabe für die Ukraine nennen von pkcp.

    pkcp schrieb am 30.08.2022 17:12:

    Klar, wenn wir uns von den USA (böseböseböse!) abwenden würden und mit den Russen auf Liebkind machen ("war nicht so gemeint, jetzt wo uns kalt wird, merken wir, wo der wahre Feind sitzt"), kriegen wir vielleicht wieder billisch Gas.

    Warum sollten wir solidarisch mit einer Ukraine sein, die reihenweise jeden unserer Politiker, der mal die Worte "Frieden" oder "Verhandlung" öffentlich ausspricht, als unerwünschte Person brandmarken und die Einreise verweigern?

    Weiter möchte ich zu dem Thema lieber nichts sagen

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    • pkcp

    939 Beiträge seit 10.10.2017

    Antwort auf Re: Nee, das kann man nun wirklich nicht von M.O.I Abt. Wiederbeschaffung.

    Ich glaube dass es da schon einen Unterschied der Sensibilitäten zwischen Osteuropäischen Ländern und uns gibt. Da sind schon welche dabei, die mit der zögerlichen Haltung unserer Regierung unzufrieden sind. Und in diese Richtung, glaube ich, geht auch Hrn. Melnyks Empfindlichkeit. Ich meine, so wie manche Leute sagen, wir haben auf russische Empfindlichkeiten zuwenig Rücksicht genommen (etwa mit der Idee eines Abkommens der Ukraine mit der EU), so kann man genausogut sagen, wir haben die Bedenken einer ganzen Reihe ostreuropäischer Länder lange nicht ernsthenommen (etwa mit NordStream 2).

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