Zuerst sei mal angemerkt: Der Weltuntergang findet nicht global, sondern regional statt. All die im obigen Artikel aufgezählten Beispiele belegen das: Zahlreiche regionale Weltuntergänge, die von Zeit zu Zeit an verschiedenen Orten stattfinden, sich dabei teilweise überschneiden, überlagern und gegenseitig bedingen. Während wir z.B. hier in Deutschland seit unserem letzten Weltuntergang 1945 einen strahlenden Weltaufgang erlebten, der vor einigen Jahren seinen Zenit überschritten hat und nun sich wieder dem Weltuntergang zuneigt, gab es zur gleichen Zeit in anderen Ländern der Erde schreckliche Weltuntergänge und dann auch wieder Weltaufgänge. Die meisten davon haben wir hier nicht mal mitbekommen oder höchstens als unwichtige Randnotiz ignoriert. Und während der globale Klimawandel hierzulande einen Weltuntergang iniziiert, wird er am anderen Ende der Welt zu einem Weltaufgang führen.
Was Menschen als Weltuntergang empfinden und wahrnehmen, ist außerdem so verschieden, wie ihre jeweilige Kultur und Religion oder individuelle Vorlieben, aber große Naturkatastrophen wie anhaltende Dürren mit folgenden schweren Unwettern, die die Nahrung auf den Feldern zerstören und Hungersnöte zur Folge haben, sowie massive Überschwemmungen, egal ob durch Wasser (häufig) oder Erde, Lava (selten), die Städte vernichten und Landschaften verändern, werden überall auf der Welt gleichermaßen als Weltuntergang empfunden.
Ich bin vor Jahren bei meinen zahlreichen Recherchen zu allen möglichen und unmöglichen Themen mal auf einen renommierten Historiker gestoßen, der festgestellt hatte, dass schleichende Katastrophen wie ein Klimawandel zu massiven gesellschaftlichen Folgen bei den Menschen führen. Er führte als uns noch präsentes Beispiel den Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 an und belegte, dass dieser eine direkte gesellschaftliche Folge der damaligen kleinen Eiszeit sowie der Pestpandemie war. Sowas können wir Menschen natürlich erst seit kurzem erkennen und verstehen, im Mittelalter fehlten uns dazu das Wissen und die Kommunikationsmöglichkeiten. Aber es ist kaum von der Hand zu weisen, dass die damaligen natürlichen Katastrophen (Dürren-/Regenperioden, die das Korn wahlweise verdorren oder verfaulen ließen) direkt menschliche Katastrophen nach sich zogen, welche u.a. die Pestpandemie ermöglichten und verstärkten und direkt zu massiven gesellschaftlichen Verwerfungen einschließlich anhaltender kriegerischer Auseinandersetzungen führten. Damals wurde das westliche Europa von Hunger, Krankheit und Gewalt regelrecht entvölkert. Es war ein echter Weltuntergang.
Gerade erleben wir (mindestens) in Europa erneut eine solche Phase wie damals anno 16XX. Zu unserem Glück oder Leidwesen, je nachdem, aus welcher Perpektive man da drauf schauen will, haben wir heute das Wissen und Können, um die natürlichen Katastrophen aka Klimawandel nicht nur in Echtzeit zu verfolgen und zu verstehen, wir können sie sogar vorausberechnen und ihre naturbezogenen Folgen mit ziemlich guter Treffsicherheit voraussagen. In meinen Augen und denen vieler anderer Menschen wäre dies eigentlich die Chance, die schlimmsten Auswirkungen auf uns Menschen und unsere Gesellschaften abzuwenden oder wenigstens abzumildern, erleben tun wir aber seit drei bis vier Jahrzehnten genau das Gegenteil. Weil wir Menschen sind und Menschen im Grunde immer noch nicht viel mehr als Tiere sind. Und ich prophezeihe: Es wird noch viel schlimmer werden, bevor es besser wird.
Der größte Nachteil, den wir heute allerdings haben, ist die umfassende Globalisierung menschlicher Aktivitäten, obwohl sie zugleich auch ein enormer Vorteil ist bzw. sein könnte. Nicht nur, dass wir binnen weniger Stunden einmal um den ganzen Erdball reisen können, wir können auch in Sekundenschnelle erfahren, was am anderen Ende der Welt gerade vor sich geht. Das hilft uns erstmal allerdings herzlich wenig, es ist geradezu kontraproduktiv und behindert die Menschheit massiv in ihrer Entwicklung. Weil wir heute alle Katastrophen überall auf der Welt gleichzeitig und in Echtzeit wahrnehmen können, wirken diese Katastrophen sehr viel größer und schrecklicher als sie sind und erzeugen sehr viel tiefgreifenderen Fatalismus und Resignation. Man nehme nur den vom Menschen beschleunigten/gemachten Klimawandel und unsere faktisch bestehenden Möglichkeiten, diesen nicht nur aufzuhalten, sondern sogar umzukehren - und all die Leute, die aufgrund der Tatsache, dass in China säckeweise der Reis umfällt ... sorry, ich meine natürlich massiv klimawirksame Abgase in die Athmosphäre geblasen werden, völlig resigniert schulterzuckend die Hände in den Schoß legen mit den Worten: Warum soll ich auch nur einen Kilometer weniger mit meinem benzingetriebenen Auto herumgurken, es ändert doch überhaupt gar nichts, solange die in China ungehemmt immer mehr Dreck in die Luft schleudern.
Tatsache ist aber: Die Aktivitäten einiger weniger fortschrittlicher Menschen haben tatsächlich weitreichende positive Auswirkungen und beeinflussen die Entwicklung nachhaltig zum Besseren für die Menschen insgesamt. Und zwar schon immer, solange es die Menschheit und ihre Katastrophen auf der Erde gibt und geben wird. Als bestes Beispiel sei nur mal die Katastrophe des Ozonloches angeführt: In meiner Jugend war das Ozonloch eine allgegenwärtige Bedrohung für die ganze Menschheit, sogar die in Deutschland. Aber es gab einige Menschen, die herausfanden, was das Ozonloch verursachte, und einige andere Menschen, die herausfanden, wie man es wieder wegmachen kann, sowie einige Menschen, die die Macht hatten und nutzen, dafür zu sorgen, das möglichst viele Menschen genau das taten, was zum Verschwinden des Ozonloches führen würde, nachdem sie erkannten, dass es furchtbar teuer und wenig reichtums- und machtfördernd ist, wenn massenhaft Leute an Hautkrebs erkranken und verrecken, statt Werte und Fortschritt zu schaffen. Mittlerweile ist das Ozonloch keine Bedrohung mehr, denn es hat sich geschlossen, weil über viele Jahre hinweg der Ausstoß jener Stoffe, die es verursachten, weltweit reduziert bzw. abgestellt wurde. Gerade erleben wir wieder eine Umkehr dieser Entwicklung, weil wieder mehr Menschen solche Stoffe in die Athmosphäre blasen. Ein Ergebnis der schwindenden Bedrohung. Es war damals aber erst nötig, das furchtbar viele Menschen überall auf der Welt die Folgen des Ozonloches direkt auf ihrer Haut zu spüren bekamen, um ein Umdenken und ein Tätigwerden überhaupt zu ermöglichen.
Und so ist es auch mit dem menschengemachten beschleunigten Klimawandel: In den letzten drei Jahrzehnten passierte förmlich nichts, eher im Gegenteil, aber jetzt bekommen wir am eigenen Leibe die direkten Folgen sehr schmerzhaft zu spüren. Und zum Glück gab es die ganzen Jahre über zahlreiche Menschen, die sich damit befassten, Lösungen zu finden, und diese auch gefunden haben, so dass jetzt, wo die Folgen langsam so teuer werden, dass auch die Mächtigen Herrscher mit Verfügungsgewalten nicht mehr weggucken können, weil ihre Jachten und Jagdschlößchen in Jahrhundertfluten vernichtet werden, die Mittel zur Behebung des ursächlichen Problems bereits zahlreich und vielfältig bereit stehen und nur noch massenhaft eingesetzt werden müssen.
Ich bin tatsächlich angesichts der Geschichte der Menschheit hoffnungslos optimistisch: Vielleicht wird die zweite Hälfte meines Lebens darin bestehen, dem Weltuntergang (= Klimakatastrophe, 3. Weltkrieg, Pandemie hatten wir ja grade, die nächste kommt bestimmt) beiwohnen zu müssen, aber ich halte es für hochwahrscheinlich, dass mein Kind in der zweiten Hälfte seines Lebens den nächsten großen Weltaufgang erleben wird. Und der historischen Erfahrung nach folgt auf jeden Weltuntergang eine neue Blütezeit menschlichen Fortschritts. Dass die Menschheit aussterben wird, halte ich hingegen für ein übles Gerücht. Selbst, wenn wir es tatsächlich hinkriegen, einen vernichtenden Atomkrieg auszulösen, was ich stark bezweifle, auch wenn grad West- und Ostmächte mal wieder eifrig mit ihren Atombomben herumwedeln, bin ich überzeugt, dass es genug Menschen überall auf der Welt geben wird, die diese Katastrophe überleben. Es reichen hundert zeugungsfähige Menschen, damit es weiter geht. Derzeit leben 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Und so viele Atombomben werden nicht fallen, um überall auf dem Erdball alles zu zerstören, es werden einige wenige reichen, um dem ganzen Spuk für mindestens fünf Generationen dauerhaft ein Ende zu setzen. Auch hier sagen die Erfahrungen von Hiroshima, Nagasaki, Tschernobil und Fukuschima: Die Menschheit kann atomare Verseuchung sehr wohl überleben. Vielleicht mutieren wir dann schneller - und nicht jede Mutation ist destruktiv, die eine oder andere wird im evolutionären Überlebenssinne überaus konstruktiv ausfallen.
Es wäre natürlich schön und irgendwie auch erstrebenswert, wenn wir Menschen endlich mal aus unserer eigenen Geschichte lernen und nicht immer erst warten, bis irgendeine Katastrophe uns droht, den Garaus zu machen. Aber auch da bin ich guter Dinge: Da wir uns schon lange überwiegend von der biologischen Evolution abgekoppelt haben und stattdessen uns per kultureller Evolution mittels Wissenstransfer an nachfolgende Generationen weiterentwickeln, stehen die Chancen ganz gut. Es bedarf nur noch der einen oder anderen Katastrophe, um die entwicklungsunfähigen Exemplare zu dezimieren und den entwicklungsfähigen Raum zur Verbreitung zu verschaffen. Jüngst las ich diesen Artikel, der meine Hoffnungen in Bezug auf die Entwicklung der Menschheit im Zuge von Katastrophen untermauert:
In der Hitze ist der Schatten von Baumkronen eine wertvolle, lebensrettende Ressource. Die Forschenden erklärten, dass tolerantere Affen, die schattige Stellen teilten, einen Überlebensvorteil hatten. Deshalb nahm die Zahl der aggressiven Artgenossen, die seltener Schattenplätze bekamen, ab, berichtet das Forschungsteam im Fachmagazin "Science".
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/vermischtes/id_100432578/karibik-hurrikan-macht-affen-population-friedlicher-.html