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mehr als 1000 Beiträge seit 10.01.2003

Globalismus als Umweltsünde (und Klimakiller)

Eigentlich, so sollte man meinen, sind die logischen Zusammenhänge direkt mit wenigen Blicken auf den Sachverhalt zu erkennen. Aber offenbar ist das nicht so, sonst kämen wir ja spürbar voran bei der Weltrettung.

Die Globalisierung war mal ein Segen, machte die Welt zum Dorf, jedenfalls für jene, die es sich leisten konnten. Es gab exotische Waren, die gesamte Menschheit stand nun zur Verfügung als Erfinder, als Entwickler, als Marktteilnehmer, als Arbeiter und als Konsument. Und normalerweise hätte man das Potenzial vielfältig nutzen können, um Wohlstand und Zukunftsperspektiven für eben diese gesamte Menschheit erreichbar zu machen. Ist so nicht passiert, wir wissen warum und weshalb. Letztlich nützt die Globalisierung in der heutigen, stark pervertierten Form nur noch einer ständig schrumpfenden Minderheit und ganz besonders einer Elite, die transnationalen Konzernen vorsteht und sich kaum mehr um nationales Recht kümmern brauchen. Gewissermaßen stehen sie so entrückt von der Lebenswirklichkeit von uns allen, dass sie nicht "dazugehören" - und es auch gar nicht wollen. Wessen größte Sorge es ist, wie er all die Milliarden gewinnbringend investieren kann, der kann sich nicht vorstellen, wie es ist, kein Geld für Miete, Kühlschrank oder Strom übrig zu haben.

Sei's drum.

Heute dient die Globalisierung in der aktuellen Form nicht der Menschheit. Ich muss nur die letzten paar Jahre anschauen um zu sehen, wo die Schwächen liegen, wie anfällig alles ist, wenn nur genügend kritische Ereignisse zeitnah aufeinander folgen. Egal ob Corona als echte oder falsche Pandemie bezeichnet wird, am Ende waren es politische Entscheidungen, welche empfindliche Schläge gegen die Globalisierung gesetzt haben: in China wurden wichtige Häfen wegen einzelner Corona-Fälle geschlossen, ganze Werkskomplexe blieben stehen. Ein komplexes Produkt wie ein modernes KFZ besteht aus vielen Einzelteilen, die von dutzenden Zulieferern an beliebig langen Lieferketten zugeführt werden. Fehlt auch nur eines - beispielsweise der Hauptprozessor des Bordcomputers - kann das Fahrzeug nicht fertiggestellt werden, die Bänder stehen spätestens dann still, wenn dutzende unfertige Fahrzeuge im Lager stehen und auf die fehlenden Teile und die nötigen Nacharbeiten warten.
Ein großer Teil der Pharmazieprodukte stammen aus China, als die Pandemie ausbrach, wurden Lieferungen eingestellt, um den eigenen Markt zu versorgen. Auch auf verschiedenen Ressourcen haben Länder wie China, Russland, die Ukraine, Saudi-Arabien usw die Finger drauf und wollen zunächst den Eigenbedarf stillen, bevor sie an den Export denken.
Es ist die Waffe der Wahl in der Globalisierung, Rohstoffe und Halbzeuge zurückzuhalten und die Bänder am anderen Ende der Welt zum Stillstand zu bringen.
Sanktionen stellen eine andere Waffe dar, aber die kann zum Bumerang werden, wenn man sich die Russlandsanktionen vor Augen führt, die vor allen Dingen die europäische Wirtschaft schädigen. Eine Waffe, die denjenigen verwundet, der sie führt, ist nicht sinnvoll.

Wirklich zum Knacken bringt aber ein größerer Krieg die Globalisierung. Die letzten 20 Jahre wurden von den USA verschiedene kleinere Kriege im Nahen Osten begonnen oder gefördert mit begrenztem Einfluss auf die Weltwirtschaft. Abgesehen von den Ölpreisen tat sich wenig, auch weil der Nahe Osten sonst kaum Gewicht hat in der Welt. Die Ukraine ist da etwas gewichtiger, wenn beispielsweise das Land als Teil der europäischen Wirtschaftssphäre aufgrund des Krieges nicht mehr liefern kann. Kabelbäume an VW lassen sich durch VW auch andersweitig beschaffen, wenn denn noch Hersteller am Markt Kapazitäten haben und zertifiziert sind.
Aber wirklich kritisch wird's erst, wenn es ein Russlandembargo gibt, der die halbe (westliche) Welt abschneidet von Öl- und Gaslieferungen aus dem Land. Ersatz soll Frackinggas aus den USA sein - Gas, was ebenso umwelt- wie klimaschädlich aus dem Boden geholt wird, wie Braunkohle und dann auch noch per Frachter durch die Welt geschippert wird, statt per Pipeline mit tausendfach höherer Transportkapazität beim Importeur zu landen.

Die Globalisierung ist vor allen Dingen eins in diesen Tagen: ein gefährlich instabiles Konstrukt, obendrein aufgrund des massiven Aufkommens an Frachtschiffen, -Flugzeugen und straßengebundener Frachtbewegung alles andere als umweltfreundlich. Sicherlich mag die Verstromung fossiler Brennstoffe die CO2-Emissionen in die Luft treiben, die gesammelte Frachterflotte auf den Weltmeeren, die schweren Schiffsdiesel und Altöl verfeuert, gibt's aber nicht zum CO2-Nulltarif. Und das ist nur ein einziger Aspekt. Ausgediente Frachtschiffe landen am Ende an irgendeinem Abwrackstrand in Indien, Restöl kontaminiert Boden und Bucht. In vielen Ländern dieser Erde, die sich aufmachen, wichtige Global Players zu werden, gibt es praktisch keine Umweltstandards. Abwässer und Abgase landen ungereinigt in der Umwelt. Bergbau ohne Sicherheitsvorkehrungen. Edelmetalle werden mit chemischer Suppe aus dem Gestein getrennt. Brandrodung der Regenwälder in Südamerika für landwirtschaftliche Flächen. Und in Deutschland konkurrieren die Flächen miteinander beim Nahrungsmittelanbau, den "Biokraftstoffen" und den Wäldern als CO2-Speicher.

Wir, in Deutschland, stellen 1% der Weltbevölkerung, sind ursächlich für 2% der CO2-Emissionen. Wir haben einen halbwegs funktionierenden Umweltschutz, hinken aber bei der Renaturierung hinterher und forsten zu wenig auf.
Selbst wenn wir morgen kollektiven Selbstmord begehen würden und unser CO2-Anteil auf einmal auf 0 fiele, merkt das weder die Welt noch das Klima. Und Umweltschutz in unserem Flecken Land macht das Kraut offenbar nicht fett, wenn anderswo jeden Tag fußballfeldweise fruchtbarer Boden vergiftet wird mit ungeklärten Abwässern und Schlämmen.

Ja, wir können vor Ort noch viel tun. Aber irgendwelche Wunder erwarten können wir nicht, wenn nicht einmal unser Verschwinden vom Erdenrund etwas bewirken würde.
Vielleicht sollte die Menschheit an sich einsehen, dass die Globalisierung ganz großer Mist ist, weil nicht mehr der Menschheit dienend, sondern eher schadend.

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