Antwort auf Re: Ist eigentlich klar, was genau das Problem bei Uniper ist? von M.O.I Abt. Wiederbeschaffung.
M.O.I Abt. Wiederbeschaffung schrieb am 29.08.2022 14:09:
murdock01 schrieb am 29.08.2022 09:24:
M.O.I Abt. Wiederbeschaffung schrieb am 29.08.2022 08:58:
Die grundsätzliche Frage ist doch schon, was ist bei Uniper eigentlich so schief gelaufen, dass Uniper sich um 23 Milliarden (!!) verspekuliert hat?
Und warum soll die Allgemeinheit ein Unternehmen retten, das sich um 23 Milliarden verzockt hat? Und dann noch quasi "bedingungslos" ?!?
Wie konnte das überhaupt passieren bei Uniper? Hat Uniper Gasmengen vertickt, für die Uniper noch gar keine Einkaufsverträge hatte?
Kurze Antwort: Anscheinend ja.
Lange Antwort: Die Gasimporteure haben sich nur relativ geringe Mengen vertraglich gesichert (und die werden anscheinend auch von Gazprom geliefert). Die haben darauf gesetzt, sich die dann noch benötigten Mengen am Spotmarkt zuzukaufen, wenn sie liefern müssen. Bis zu den Sanktionen gegen Rußland hat das auch funktioniert, da Gazprom die Leitungen (speziell NS1) ausgelastet hat und sie sich dort die optional benötigten Mengen im Zweifelsfall (wenn der freie Markt gerade ungünstige Preise erlaubt) zu niedrigen Preisen nachkaufen konnten. Und haben dann Lieferverträge mit anderen Ländern abgeschlossen, in der Hoffnung, billig gekauftes Gas teuer weiterzuverkaufen und damit Gewinn zu machen.
Durch die Sanktionen geht das aber nun völlig in die Hose, Gazprom liefert nur noch die vertraglich vereinbarten Mengen und die Option, an NS1 Gas billig einzukaufen und dann teuer zu verkaufen funktioniert nicht mehr.
Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass die Sanktionen grade bei Uniper der wahre Quell des Übels sind. Und der Spotmarkt war schon letztes Jahr um diese Zeit relativ teuer.
Wie gesagt, bei Uniper passt das zeitlich alles nicht ins Bild.
Naja, die Sanktionen waren letztendlich nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bestand doch bis zu dem Zeitpunkt noch die Möglichkeit, über NS1 Gas deutlich unter Spotmarktpreisen tagesaktuell zu bekommen, was durch die Beschränkung der Russen auf die tatsächlich vertraglich gebundenen Gasmengen plötzlich weggefallen ist.
Die tiefere Ursache ist die Gasmarkt-Liberalisierung der EU, d.h., dass alle Gaslieferungen über Leitungen, die unter diese Regelung fallen, zum aktuellen Spotmarktpreis verrechnet werden müssen. Deshalb ist auch NS2 keine Lösung, die würde unter diese neuen Preisregelungen fallen (und Gazprom könnte NS2 auch nur zu max. 50% ausnutzen - auch eine Folge der Gasmarkliberalisierung der EU).
Nun müssen die Importeure aber liefern und zahlen die Differenz aus Einkaufspreis (Spotmarkt-Preis) und vertraglich vereinbartem Verkaufspreis. Tja, bei Leerverkäufen kann schonmal was schiefgehen. Und die Zeche sollen jetzt die Deutschen per Umlage zahlen.
Da hätte sich Uniper dann aber doch sowas von verzockt, dass sie allein schon deswegen vom Markt bereinigt werden müssten.
Ich denke wenn man sich die Sache im Konzern mal genauer anschaut, könnten sich da durchaus Abgründe auftun. Zumal sich gerüchteweise der Vorstand von Uniper ja auch schon einen ordentlichen Millionenschluck aus der Pulle gegönnt haben soll.
Ja, und genau das passiert ja aktuell nicht in der deutschen Politik. Da ist immer nur schwammig von "erhöhten Preisen aufgrund des Ukraine-Konflikts" die Rede, nie von Vertragsverletzungen Russlands. Und wenn man sich den Geschäftsbericht von Uniper ansieht, dann stell man fest, dass Uniper nur einen Bruchteil seiner Gasmenge vertraglich vereinbart hat, der weitaus überwiegende Teil sind Käufe zu volatilen Preisen. Wenn man dann aber Kunden zu Festpreisen beliefern soll, selbst aber nicht zu Festpreisen eingekauft hat, kann das schonmal ins Auge gehen.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (29.08.2022 14:20).