Spät abends hat mich ein Mann am Tresen angesprochen. Wir würden alle fremdgesteuert, manipuliert und kontrolliert. Fast jeder hätte inzwischen so ein kleines Kästchen am Ohr, das die ständige Verbindung zu den Manipulateuren herstellen würde. Und die Presse würde das auf Befehl von oben verschweigen.
Manche Artikel bei Telepolis haben ähnlichen Charakter. Man nimmt Behauptungen, die in das eigene Weltbild so passen und schneidert dazu einen Beitrag. Der fängt dann meist mit dem Fragezeichen in der Überschrift an: "Flucht in die Lukaschenko-Diktatur?" und dann geht das so weiter mit ungeprüften Behauptungen von Dritten. Beispiele gefällig?
Erinnern wir uns an die Machwerke eines Florian Rötzers zum Abschuss der Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine. Da wurden ungeprüfte und falschen Behautungen eines "Privatermittlers" Josef Resch ausgiebigst zitiert - mit dem Ziel, die Schuld Russlands am Abschuss in Zweifel zu ziehen.
Oder jene georgischen Scharfschützen, die unter Anleitung von Micheil Saakaschwili, von einem Kiewer Hotel aus die auf dem Maidan protestierenden Bürger unter Beschuss nehmen sollten. Blöd nur, dass jener Saakaschwili zu dieser Zeit ein Einreiseverbot in die Ukraine hatte und zudem einen Lehrauftrag in den USA hatte.
Würde man bei Telepolis nur den geringsten journalistischen Grundsätzen folgen, dann hätte man zumindest ein paar eigene Recherchen angestellt. Telefonate mit polnischen Menschenrechtsorganisationen, die sich um die Flüchtlinge aus Belarus kümmern oder mit dem weißrussischen Roten Kreuz hätten für mehr Klarheit sorgen können. Aber das ist ja der Mühe zu viel. Man spekuliert besser - mit Fragezeichen: "Was, wenn an den Aussagen des polnischen Soldaten einen wahren Kern gibt? Wenn es auch nur eine Tötung gegeben hat?"
Aber ok - solch ein Machwerk dient wieder mal der ständigen Behauptung bei Telepolis, die Medien in Deutschland sind unfrei oder viel zu linientreu. Letztlich schaden solche Beiträge aber nur dem Blog Telepolis selbst - es ist niemals eine seriöse Quelle.