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  • unbesorgt

160 Beiträge seit 27.06.2019

Pfahl-Traughbers "Fehlwahrnehmungen und Zerrbilder"

Armin Pfahl-Traughber wirft Maximilian Fuhrmann "Gesinnungsbekundungen […] Fehlwahrnehmungen und Zerrbilder" vor. Irgendwelche "Gesinnungen" konnte ich dem nüchternen Aufsatz von Fuhrmann eigentlich nicht entnehmen.

"Fehlwahrnehmungen und Zerrbilder". Damit kommt man der Sache schon näher. Allerdings erinnert man sich in diesem Zusammenhang eher an Pfahl-Traughbers eigene verharmlosenden Urteile zum Rechtsextremismus.

Im Jahr 2006 schrieb Pfahl-Traughber im Jahrbuch Öffentliche Sicherheit:

daß die Neonazi-Szene "in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation (…) in militantem und terroristischem Vorgehen kein angemessenes Mittel“ sieht, daß "es auch in Zukunft kaum einen längerfristig agierenden Rechtsterrorismus im organisierten Sinne geben wird“ und „daß es weder rechtsterroristische Strukturen gibt, noch die Entwicklung einer Braunen Armee Fraktion wahrscheinlich ist.“

Wir erinnern uns: das Jahr 2006 war das Jahr, in dem der NSU bereits neun Morde an Ausländern begangen hatte.

(Zitiert nach der Dokumentation NSU-Komplex auflösen.
http://www.nsu-tribunal.de/wp-content/uploads/2017/05/NSU-Tribunal_Anklageschrift.pdf, S. 31)

Pfahl-Traughber nimmt für sich in Anspruch, daß er auch schon bei Gelegenheit den Verfassungschutz kritisiert habe. Was genau seine Kritik gewesen sein soll, teilt er nicht mit.

Hat er an der Tatsache Anstoß genommen, daß kein einziger Mitarbeiter und Beamter des Verfassungsschutzes ernsthaft bestraft wurde, weil er tief in den Sumpf des NSU-Terrors verwickelt war?

Etwa Andreas Temme, der am Tatort war, als Halit Yozgat ermordet wurde.

Oder "Lothar Lingen", Referatsleiter in der Abteilung Rechtsextremismus des BfV, ein Mann den Pfahl-Traughber aus seiner Zeit beim Verfassungsschutz persönlich kennen dürfte. Der Beamte, der 2011 rasch die Akten zum NSU vernichtete, bevor die Öffentlichkeit auf die Tatsache aufmerksam wurde, daß die Rechtsterroristen von einem Netz von V-Leuten des Verfassungsschutzes unterstützt wurden?

Nein? Vermutlich läuft die Kritik Pfahl-Traughbers in den Bahnen des damaligen staatstragenden Narrativs, daß das alles bedauerliche "Pleiten, Pech und Pannen" gewesen sind. Die Art von "Kritik", die in den letzten Jahren dazu geführt hat, daß nach jeder "Panne" die Finanzmittel und Kompetenzen des Verfassungsschutzes wundersam vermehrt wurden.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (11.05.2021 10:20).

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