Dies den Maßnahmen - so falsch sie grundsätzlich auch (gewesen) sein mögen - anzulasten, ist aber Kokolores.
Die von dir geschilderten Entwicklungen sind auf immanente Prozesse der Gesellschaft zurückzuführen, die eben durch die Maßnahmen weder erzwungen, noch bewusst ausgelöst, oder auch in Kauf nehmend begünstigt wurden.
Die dieser Gesellschaftsdynamik durch Volkserziehung gegenwirkenden langfristigen Maßnahmen wurden ja nicht ausgesetzt, sodass in dieser dennoch stattfindenden Entwicklung dann höchstens ein sträfliches Nichtbefolgen dieser durch eine zunehmende Bevölkerungsschicht ausgemacht werden kann.
Genausogut, und nach Willen unserer Gesellschaftsingenieure wünschenswert, hätte auch der Mann für die Familie daheim bleiben können und die Frau weiter arbeiten gehen. Es wurde eben nicht angeordnet, wer von beiden der Arbeit fernbleiben muss. Tatsächlich dürften sich auch viele Paare die familiären Aufgaben geteilt haben.
Eine direkte Wirkung der Maßnahmen in die Richtung einer herbeigeführten "Traditionalisierung" der Rollenklischees kann ich beileibe nicht ausmachen. Vielmehr wurden tatsächlich die Maßnahmen die ganze Zeit von der gesellschaftsreformerischen Propaganda begleitet, gerade, indem feministische, genderbezogene und LGBTQ*+-Interessen als besonders durch die Pandemie (synonym für die regierungsseitigen Maßnahmen gebraucht) bedroht und besonders zu schützen dargestellt wurden.
Nun könnte man eine derartige Entwicklung, die dennoch stattgefunden zu haben scheint, als "unerwünschte Nebenwirkung", als "nolens-volens" bezeichnen, eben als unbeabsichtigt und tatsächlich schwer absehbar, zudem eher eine der sozial und gesellschaftlich eher harmloseren und eher nicht breite Teile der Bevölkerung betreffende. Die Autorin hängt jedoch den Hauptteil ihrer Kritik massiv daran auf, damit implizierend, dass ausgerechnet diese Fehlentwicklung sehenden Auges und ohne Gegenmaßnahmen herbeigeführt wurde.
Da gäbe es aber zig andere Felder, die man zuerst und intensiver beackern kann und sollte, bevor man ausgerechnet auf dieses ansetzt.
Aus meiner Sicht werden hier wieder einmal ohnehin mittlerweile hochgradig geschützte Partikularinteressen über eine seichte allgemeine Sozialkritik gesetzt, wie es bei Der Linken (in deren Hauspostille die Autorin ja lange den Chefredakteursposten innehat, und in der ihre eigene Veröffentlichung weiterhin als Beilage erscheint) seit längerer Zeit en vogue ist.
Wie geschrieben, stimme ich der Autorin ja im großen und ganzen hinsichtlich ihrer sonstigen Kritikpunkte zu, störe mich aber an diesem aus meiner Sicht verschobenen Fokus, der dem Artikel dann doch die eigentlich dringend nötige Schärfe und auch die Gelegenheit zu linker Selbstkritik nimmt. Somit geht es mir primär um verschenktes Potential, nicht um eine Fundamentalkritik am Artikel selbst.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.07.2022 16:24).