Stephan Schleim schrieb am 09.04.2022 13:08:
Sie sind ja ein Lyriker!
Einfach ein Mensch, der schrieb, was ihn bewegt hat.
Und sich bedankt fürs Lesen - wenn es Menschen, die Ähnliches erlebt haben, auch hilft,
dann hätt' ich einen Beitrag geleistet für gegenseitiges Verstehen.
ananemona schrieb am 09.04.2022 11:28:
Da draußen in der Welt gibt es trotz allem Elend auch noch immer viel Schönes zu entdecken. Jeden Tag!
Ja – das halte ich auch für entscheidend. Jeder Tag hat etwas Besonderes. Ob es immer auch etwas Schönes ist, das weiß ich nicht; ist auch nicht so wichtig.
Danke dafür! Nehme das wahr als einen Hinweis in die philosophische Richtung, - und es führt mich - auch ein psychiatrisches Thema - einmal mehr zu Oliver Sacks ( und das, was er für seine Patienten seinerzeit versucht hatte), auch dazu, wie er über sein 'Periodensystem' schrieb, und seine Lebensjahre sozusagen in dieses Periodensystem einreihte - dies in seinen Aufzeichnungen über sein Leben, zu einer Zeit, als er schon wußte, daß er unheilbar erkrankt war und es galt, allmählich an das Abschiednehmen zu denken.
Empfand ich als sehr berührend.
Was Sie schreiben, klingt für mich sehr bekannt. Ich möchte noch das Beispiel einer Schulpsychologin ergänzen, die vor allem von ihren eigenen Problemen erzählte, dann auf die Kinder in Afrika verwies, denen es doch viel schlimmer gehe, und meinte, man solle sich nicht so anstellen. Zwei Wochen später, auf dem Schulhof, da hat sie sich noch nicht einmal mehr erinnert und nicht gegrüßt.
Hm merkwürdig- kann man als Schulpsychologe oder -psychologin nicht erstmal - diesem- Kind zuhören, das da ist, und das ja wohl nicht ohne Grund zum Schulpsychologen kommt, sondern seine Ängste und Nöte erzählen möchte.
Dann brauchts Trost, Zuspruch, Unterstützung, daß das Kind sich angenommen und verstanden fühlt, seinen Halt und auch Unterstützung erfahren hat, daß es wichtig ist, was es zu sagen hatte
( und nicht: 'stell dich nicht so an' - vielleicht ist es ja grad das, was es mglw. vom Schulbully und dessen tollen Freunden zuvor schon gesagt bekommen hatte - mit allem, was mglw. noch damit verbunden war).
Vielen Dank für Ihren Artikel, Stefan Schleim.
Das ist schlicht Schreibzwang; ich kann oft nicht anders. Bei Gelegenheit könnten Sie mir noch einen zusätzlichen Buchstaben gönnen. Doch wesentlich ist das nicht. Schauen Sie gerne einmal wieder vorbei.
Also dazu noch eine kleine Erinnerung: In guten Zeiten gabs öfters mal eine kräftige Gemüsebrühe - mit Buchstabennudeln als Einlage. Fand ich immer klasse. Die Buchstaben wanderten dann gern mal verspielt vom Löffel aus zum Tellerrand und bildeten dort so manches Wort ab.
Wesentlich, finde ich, daß Spaß dabei ist - sowohl beim Lernen als auch beim Spielen. Und wenn beides zusammenkommt, dann machts was mit uns Menschen: dann
geht die Sonne zwischenmenschlich auf und das sind gefühlt Momente unendlichen 'Jetzt'.
Zwänge hingegen finde ich schrecklich. Struktur allerdings brauchts ( wozu auch gehört, selber sich mal zur Ordnung mahnen). Gönnerhaftigkeit finde ich übrigens auch bisserl jupiterisch 'von oben herab' - damit konnt' ich auch nie wirklich was anfangen.
Mentoren hingegen seh ich als sozusagen 'positiv jupiterisch'.
P.S. Noch zur Sache: Man kann von den Institutionen auch nicht alles erwarten. Meine Erziehungsberechtigten waren im (1939) beziehungsweise kurz nach dem Krieg (1948) geboren. Meinem Eindruck nach war das eine gesellschaftliche Umgebung, die von großer Not geprägt war und in der die Bedürfnisse einzelner Kinder keine Bedeutung hatten. Menschen, die so aufwuchsen, haben wohl kaum Empathie entwickelt (siehe auch "schwarze Pädagogik", z.B. bei Alice Miller). Mit dem Prinzip, es mit Interventionen nicht schlimmer zu machen, als es schon ist, wäre aber bereits viel gewonnen.
"...wie Eltern ihren Kindern im Schweigen ihre Kriegserlebnisse unbewusst vermittelt haben, hängt davon ab, welche Stellung sie hatten, was sie durchgemacht haben, aus welcher Perspektive sie das Dritte Reich und den Krieg erlebt haben, und andererseits ist entscheidend, in welchem Alter das Kind während des Zusammenbruchs war. "
( aus: Alice Miller: "Du sollst nicht merken').
Es geht ums Vergeben und Verzeihen ebenso wie darum, nicht die Fehler der Vorgeneration zu wiederholen.
Also ist das auch ein Lern- und Reifeprozeß.
Anmerkung noch: Ich finde, wenn man als Generationen ( Eltern- und erwachsene Kinder) nicht sich zusammen setzt und miteinander redet ( sich stattdessen in der Welt draußen die Sündenböcke und - ziegen sucht) ist das unreif.
Ihnen einen schönen Sonntag und dank nochmal für den erwähnten Artikel aus 2017. Wird mir eine Freude sein, das ( auch selbstreflektiv) nochmal nachzulesen :)
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.04.2022 20:05).