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78 Beiträge seit 09.04.2013

Die AfD ist keine "Tea Party"

1.) Die Tea Party in den USA ist keine Partei. Weder im
amerikanischen noch im deutschen Sinne. Sondern ist das, was man
"soziale Bewegung" nennt: Der korrekte Name ist daher auch nicht
verkürzt Tea Party, sondern Tea Party MOVEMENT. Das ist eine ganz
lose Strömung von Leuten, die im weitesten Sinne gewisse liberale bis
libertäre Werte vertreten. Der kleinste gemeinsame Nenner ist die
Zurückdrängung der Zentralstaatsgewalt der Regierung in Washington.
Ansonsten sehr große Bandbreite. Man kann nicht Mitglied in der Tea
Party-Bewegung werden, da es keine formale Mitgliedschaft gibt. Man
kann sich der Tea Party-Bewegung lediglich zugehörig fühlen. Wie die
Wikipedia richtig schreibt:

"The Tea Party movement is not easily defined, primarily because it
comprises hundreds of groups at the grassroots level, of varying
size, influence and priorities. It is highly factionalized, with no
clear leadership or centralized structure. This is highlighted by the
fact that it is not uncommon for different groups affiliating
themselves with the movement to adopt disparate stances with respect
to a given issue"

2.) Selbst wenn die Tea Party eine Partei WÄRE: Parteien in den USA
sind unwichtig, da man dort gar keine Parteien wählt, sondern immer
nur individuelle Kandidaten. Parteien sind in Deutschland hingegen
sehr wichtig, da die Zweitstimme als Parteistimme deutlich wichtiger
als die Erststimme als Kandidatenstimme ist. In den USA gibt es keine
Zweitstimme. Man kann einen konkreten Kandidaten wählen, der sich
vielleicht als "demokratisch" bezeichnet, aber NICHT: DIE Demokraten
als Partei.

Deutschland hat zum überwiegenden Teil ein Verhältniswahlrecht (das
Parteien bevorzugt), Verhältniswahl ist in den USA quasi unbekannt,
dort wird nach Mehrheitswahlrecht gewählt (was Kandidaten bevorzugt
und nebenbei deutlich demokratischer ist.) Wiewohl es zahlreiche
Parteien in den USA gibt, sind sie im Grunde unwichtig. Sie sind auch
nicht wesentlich mehr, als lose Interessenverbände.

3.) Die AfD ist eine stinknormale Partei wie alle anderen deutschen
Parteien auch. Wie die allermeisten Kleinparteien und gerade als
Neugründung hat sie keine hervorstechenden Kandidaten, die in
irgendeinem Wahlkreis eine Mehrheit erringen könnten, zumindest ist
das SEHR unwahrscheinlich. Sie ist ein KLASSISCHER
Zweitstimmensammler. Dazu gibt es bei der Bundestagswahl die
5%-Hürde.

4.) Die politische Ausrichtung der AfD ist auch keinesfalls libertär,
m.E. auch nicht liberal: So fordert die AfD eine "solidarische"
Familienförderung, sie fordert eine Berücksichtigung von Kindern bei
der Rente (was absolut nicht liberal ist), sie fordert ein
Kirchhoff-Steuermodell was zwar einerseits so etwas wie 25%-Flat Tax
bedeuten, andererseits aber dennoch progressiv sein soll.
Steuerprogression ist keine liberale und schon gar keine libertäre
Forderung. Sie fordert die Subventionierung sog. "erneuerbarer"
Energien aus STEUERN, also Staatssubventionen: Da dreht sich der
Liberale im Grabe rum und der Libertäre rotiert. Das ist eine
konservative Partei. Siehe:

https://www.alternativefuer.de/partei/programm/

5.) Es ist vielmehr die pdv (Partei der Vernunft) die liberale und
streckenweise libertäre Positionen vertritt. Die pdv ist eine winzige
Splitterpartei in Deutschland, sie hat Wahlaussichten von nahe NULL.

***

Also: Die konservative AfD hat wenig mit der Tea Party-Bewegung zu
tun. Und noch weniger mit liberalen oder gar libertären Forderungen.

P.S.


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