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  • Mr.Hardware

mehr als 1000 Beiträge seit 12.05.2000

Ich finde den Beitrag vom ISW nicht schlecht

Ich finde die Einschätzung richtig. Und sehe nicht was daran unanständig ist. Ich weise hier schon seit Monaten auf die ökonomische Überlegenheit der Unterstützer der Ukraine hin.

Leider leben die Putin-Apologeten in einer Phantasiewelt, in der Russland signifikante Fortschritte machte und es "nur noch eine Frage der Zeit" ist, bis die Ukraine verliert.

Man muss den Tatsachen ins Auge sehen:

- Russland hat keine strategische Reserven mehr, so dass teuer Erlaubte Durchbrüche durch die ukrainische Verteidigung (wie bei Adjiwka) nicht genutzt werden können. Man kämpft auch zwei Monate nach der Einnahme noch in Sichtweite dieser Ortschaft

- Ein Fortschritt auf breiter Front gelingt Russland auf Grund der fehlenden personellen und materiellen Ressourcen nicht. Eine keiltürmiger Vorstoß scheitert an der Unfähigkeit die Flanken zu decken (s. 2022)

- Auch wenn Russland theoretisch eine wesentlich größere Bevölkerung hat, so scheint eine weitere Mobilisierungswelle derzeit politisch nicht durchsetzbar.

- Die ökonomische Situation in Russland verschlechtert sich unter den Sanktionen dramatisch. Während die Sanktionen zunächst einen positiven Einfluss auf den Cashflow russischer Unternehmen hatten, steht die russische Wirtschaft am Abgrund. Der Spread zwischen Leitzins und Inflation liegt bei über 800 Basispunkten, was zu einem vollständigen erliegen der privaten Investitionen führen dürfte.

- Die russischen materiellen Reserven sind mittlerweile sehr begrenzt. Die absurd großen Bestände an sowjetischen schweren Gerät sind nahezu aufgebraucht. Was sich jetzt noch in den Arsenalen befindet, dürfte nicht mehr einsatzfähig sein. Die tollen Produktionszahlen, die Russland genannt hat, waren aber immer einschließlich aufbereiteter Militätrfahrzeuge. Daher ist von einem deutlichen Rückgang in der Produktion auszugehen. Auch die Reserven an Artilleriegranaten reichen nur bis Ende des Jahres.

- Die finanziellen Reserven sind ebenfalls - auf ca. 50 Mrd geschrumpft. Das sind nur noch 40% des nicht eingefrorenen Kapitals im Feb 2022. Das reicht wahrscheinlich noch bis Mitte nächsten Jahres. Wir es dann weitergeht, weiß kein Mensch - nicht einmal Putin.

- Last but not least: Die innenpolitischen Probleme in Russland geraten zunehmend außer Kontrolle. Prigoschins versuchter Putsch, Rebellionen in den östlichen Oblasten, Brandanschläge auf Rekrutierungsbüros und Terroranschläge mitten in Moskau. Das spricht nicht für eine stabile innenpolitische Lage. Und die Tendenz ist klar.

Deswegen hat der ISW vollkommen recht: Es reicht an den geltenden Prinzipien von Recht und Frieden festzuhalten. Für einen solchen Frieden ist weder eine Rückeroberung der besetzten Gebiete noch eine Eskalation durch eigene Truppen notwendig. Wir können uns einfach zurücklehnen, abwarten und dem Niedergang Russland im Allgemeinen und des Systems Putin speziellen zusehen.

Sic semper tyrannis!

MfG

Mr Hardware

P.S.: Ich bitte um sachliche Kommentare zu diesem Post. Ich weiß, dass es schmerzhaft sein kann, so klar zu lesen, dass Russland so kurz vor der Niederlage steht. Die oben geschriebenen Argumente sind aber sachlich begründet und insofern wäre ich dankbar, wenn die Antworten genauso sachlich begründet werden. Wenn mir also jemand aufzeigen kann, dass Russland gänzlich unbemerkt hunderte Quadratkilometer Territorium erobert hat, wäre ich für einen Korrektur dankbar. Ebenso für eine andere fundierte (!) Einschätzung der ökonomischen Lage.

Das bloße gebetsmühlenartige Wiederholen des Glaubens an den russischen Endsieg interessiert mich hingegen nicht.

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