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mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.2014

Erinnerungen

Da kommen doch so wohlig-großnationale Gefühle aus alter Zeit wieder hoch...

Was treiben wir Deutschen in Afrika
Hört, hört
Die Sklaverei wird von uns allda zerstört
Und wenn so ein Kaffer von uns nichts will
Den machen wir flugs auf ewig still
Piff paff, piff paff, hurra
O glückliches Afrika

Wir pred´gen den Heiden das Christentum
Wie brav
Und wer´s nicht will glauben, den bringen wir um
Piff paff
O selig die „Wilden“, die also man lehrt
die „Christliche Liebe“ mit Feuer und Schwert
Piff paff, piff paff, hurra
O glückliches Afrika

Wir haben gar „schneidige Missionär'“,
Juchhei
Den Branntwein, den Krupp und das Mausergewehr
Die drei
So tragen „Kultur“ wir nach Afrika
Geladen! Gebt Feuer! Halleluja!
Piff paff, piff paff, hurra!
O glückliches Afrika!

Text: anonym ( Demokratisches Liederbuch , Stuttgart 1898 )

(leider ist die Vertonung von Liderjan auf youtube nicht zu finden... :o( )

"Afrika" ist dabei mittlerweile wohl überall und die Deutschen sind mittlerweile "hochzivilisierte" EU-Bürger, die in (christlichem) Sendungsbewusstsein wieder "Kultur" zu den "Heiden" bringen... Vor wenigen Jahren, oder womöglich auch nur Monaten, war diese Sichtweise noch hochgradig verpönt, mittlerweile ein Lump, wer sich nicht zu ihr bekennt... so schnell kann sich das "Wertegefüge" unserer Gesellschaft wandeln. O tempora, o mores!

Darum stimmen wir jetzt zum Auszug an:

Ich bin ein treuer Untertan, was geht mich Recht und Freiheit an?
Ich lobe mir den edlen Hund, sein Herr schlägt ihm den Rücken wund
doch kriecht er wedelnd zu ihm hin und wimmert leis und lecket ihn
wohl jedem, der es sagen kann: ich bin ein treuer Untertan

Ich glaube, was der Priester spricht und glaubt er es auch selber nicht
mich freut es, wenn mein Weib und Kind in allem ihm gehorsam sind
mein Vater hat es so gemacht und ihm hats gute Frucht gebracht
wohl jedem, der es sagen kann: ich bin ein treuer Untertan

Der Adel schwelgt von meinem Brot, doch stürb ich auch den Hungertod
so gäb ich doch den süßen Herrn sogar den letzten Bissen gern
sie tragen ja fürs Vaterland ihr Kreuz und Stern und Ordensband
wohl jedem, der es sagen kann: ich bin ein treuer Untertan

Ich kenne zwar den Fürsten nicht, man sagt, er sei ein armer Wicht
er schwelge wie ein Großsultan und hänge feilen Dirnen an
wenn er mich auch mit Hunden hetzt, so ist er doch von Gott gesetzt
wohl jedem, der es sagen kann: ich bin ein treuer Untertan

Den Herrn Minister kenn ich zwar, ein ränkevoller Hofbarbar
vom Markt des Volkes nimmt er satt und gleich der Schlange bunt und glatt
doch er ist des Gesalbten Knecht und das macht alles gut und recht
wohl jedem, der es sagen kann: ich bin ein treuer Untertan

Gehorsam meiner Dienerpflicht hör ich Vernunft und Wahrheit nicht
und glaube nur dem Wundermann, der mir den Himmel öffnen kann
ich fürchte wohl zuweilen noch er finde nicht das Schlüsselloch
doch fang ich nicht zu zweifeln an und bleib ein treuer Untertan

Friedich Lehne (1739)

und üben schon mal:

Wir ziehn nach China in das Reich der Mitte

das Herz schlägt mutig in der deutschen Brust

für Völkerrecht und für der Christen Sitte

zu kämpfen sind wir alle uns bewusst

Sie sollen dort erfahren, die bösen Zopf-Barbaren

:|dass Deutschlands Arm weit über Meere reicht

und unser Aar nicht vor dem Drachen weicht|:

-

Wir wollen streiten gegen die Barbaren

bis siegreich wir vor Pekings Mauern stehn

bis wir die grausam südlichen Tartaren

um Gnade bittend uns zu Füßen sehn

Wo Christenblut vergossen, Verzweiflungstränen flossen

:|da soll ein Hort den Deutschen neu entstehn

und schwarz-weiss-rot zu sichrem Schutze wehn|:

-

Ob wir aus Preußen, Schwaben oder Baden

vom Weichselufer oder Nordseestrand

wir alle nur ein einzig Banner haben

und nur ein großes deutsches Vaterland

Franzosen, Russen [Amis?], Britten mit uns zusammenritten

:|die Eisenfaust wie Sturmwind saust durchs Land und streckt die Drachen in den China-Sand|:

Text: anonym (um 1900)

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (18.10.2022 22:10).

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