Drei Mal hatte ich den Impuls, dem Autor sozusagen in die Rede zu fallen, er übersehe dies und jenes - und drei Mal thematisierte er im unmittelbar folgenden Absatz, was ich einwerfen wollte.
Ja, es ist zentral, das Problem der Polizeibrutalität entlang der Klassenlinien zu beschreiben. Der Rassismus bei vielen Polizisten ist zwar nicht zu bestreiten, ist aber nicht fundamental für die Leichtigkeit, mit der zu Gewalt gegriffen wird, sondern eher ein auf die Grundproblematik gleichsam aufsitzender Komplex. Viele Polizisten sind Schwarze und sie unterscheiden sich über alles in ihrem Verhalten kaum von ihren weissen Kollegen. Sie sind nicht weniger aggressiv, auch gegen andere Schwarze.
Die neoliberale Radikalisierung hat den Klassenkampf von oben massiv verschärft, die Pandemie hat das Abbröckeln der Mittelschicht weiter beschleunigt. Dessen ist sich das scheinbar freundlichere der beiden politischen Janusgesichter durchaus bewusst und optiert nun für leichte Kurskorrekturen. Dazu gehören auch leichte Zugeständnisse an über Polizeigewalt empörte Bevölkerungsteile. Eventuell muss künftig der eine oder andere Cop über die juristische Klinge springen. Wie etwa Chauvin - wobei noch längst nicht das letzte Wort dazu gesprochen und erst recht nicht das Strafmass festgesetzt ist.
Aber eine wirkliche Wende wird von oben nicht kommen. Dazu ist das Establishment, repräsentiert durch zwei sich im Wesentlichen nicht unterscheidende Parteien, weder willens noch in der Lage.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (27.04.2021 19:34).