Der Artikel ist an etliche Stellen reichlich skurril.
Man sollte nicht immer die Nachzügler zum Maßstab machen.
Also der Standardweg ist mittlerweile e-mail mit eingescanntem, unterschriebenen Dokument. Der Bund hantiert auch schon mit digtalen Signaturen.
Die ganze Rechtslage wurde vor ein paar Jahren angepasst, so dass die physischen Exemplare garnicht mehr vorhanden bzw. archiviert sein müssen.
Früher sind da bei Genehmigungsverfahren Kleinlaster mit den Verfahrensdokumenten herumgefahren.
Werden sie digitalisiert, müssen sie in der Regel auch aufwendig mit den Originalen abgeglichen werden.
Nein, dafür gibt es längst Straßen, die so etwas machen. Da ein Scan ja eine Fotokopie des Original darstellt ist ja nichts abzugleichen. Was die OCR-Erkennung betrifft: Die ist bei gedruckten Buchstaben schon fast perfekt und auch bei den Handschriften klappt das mit der KI sehr gut. Selbst an Fraktur und Sütterlin traut man sich mittlerweile ran.
Konnte man analoge Archive, wenn sie nicht auf säurehaltigem Papier gedruckt waren, über viele Jahrzehnte sicher aufbewahren und musste im Zweifelsfalle noch für die Klimatisierung des Archivs sorgen, wird die digitale Speicherung energieaufwendiger.
Das ist die lustigste Aussage des ganzen Artikels. Gefühlt 99,99% der neueren Dokumente sind auf Abfallpapier gedruckt und gehen nach ein paar Jahrzehnten kaputt. Das ist auch eines der Hauptprobleme bei der Stasi-Unterlagenbehörde gewesen: das Zeug verfällt. Tonbänder konnten ein letztes Mal abgespielt werden oder Filme bleichen aus.
Aber wo berücksichtigt Jehle den exponentiellen Anstieg der Informationsmenge?
Da wird bei den Clouds doch schon mit Peta und Exa hantiert.
Bzw. die Umrechnung des Informationsgehalts auf Papier?
Das ganze Gerümpel ausdrucken und Archiven lagern, in denen man stundenlang mit dem Auto durchfahren müßte? Das steht doch in keinem Verhältnis.
Selbst die Uni-Bibs bauen ihre Flächen zurück und nutzen diese sinnvoller.
Das Deutschland im Vergleich bei manchen Sachen etwas hinterherhinkt, hat folgende Ursachen:
1.) Wer schon Technologie etabliert hat, der tut sich generell etwas schwerer mit einem Wandel, als der Grüne Wiese Ansatz.
2.) Die kommunale Selbstverwaltung. Bei kann jede Gebietskörperschaft ihren eigenen Stiefel drehen und unterliegt gleichzeitig starken Restriktionen: Was in der einen Stadt funktioniert, funktioniert oft schon bei derNachbarstaat nicht. Nach der Wahl werden unsere Spinner in Berlin wieder den großen Basar machen und sich ihre Ministerien nur zurechtschneiden. Konsequenz: Viele Monate ist die Arbeitsfähigkeit nicht gegeben. Der notwendige Umbau der Orga und IT kostet viele Millionen €. Da der Quatsch alle 4 Jahre stattfindet, muss man sich über eine gewisse Trägheit nicht wundern.
3.) Die schiere Größe der Republik. Was sich für ein Lettland schnell runterprogrammieren läßt, ist für Deutschland um Größenordnungen komplexer. Bis zur Leistungsgrenze der Technologie.